Interview

«Die verpasste Zeit könnten wir aufholen» - Der Macher des Fischinger Freilichtspiels bleibt optimistisch

Am 25. Juli sollte «Zwinglis Frau» beim Kloster Fischingen Premiere feiern. Autor und Regisseur Simon Keller ist trotz Coronakrise zuversichtlich.

Interview: Christof Lampart
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Autor und Regisseur Simon Keller will «Zwinglis Frau» in Fischingen auf die Bühne bringen.

Autor und Regisseur Simon Keller will «Zwinglis Frau» in Fischingen auf die Bühne bringen.

Bild: PD

«Zwinglis Frau» ist ein Freilichtspiel von Simon Keller, das im Sommer 2020 beim Kloster Fischingen aufgeführt wird. Es handelt von Anna Reinhart, der Frau an der Seite des bekannten Reformators Ulrich Zwingli, der im Toggenburg aufgewachsen ist und später unter anderem in Zürich gewirkt hat. Der personelle Aufwand für die Produktion ist beachtlich. Neben acht Hauptdarstellerinnen und Hauptdarstellern sind noch rund 50 Laien in mittleren und kleinen Rollen zu sehen. Hinzu kommen ein Orchester und Live-Gesang.

Und wenn es noch einen Beweis für dieses ambitionierte Projekt gebraucht hätte, dann ist es wohl der, dass das Bühne Thurtal- Team im tiefsten Hinterthurgau einen Teil der alten Stadt Zürich auferstehen lässt – zumindest als imposante Bühnenkulisse. Doch das Projekt ruht nun.

Herr Keller, wie laufen die Vorbereitungen auf die «Zwinglis Frau»-Premiere vom 25. Juli hin??

Simon Keller: Wir haben nach den bundesrätlichen Entscheiden einen Probestopp erlassen. aber wir hatten uns schon vorher Gedanken darüber gemacht. Denn «Social Distancing» funktioniert bei uns nicht, da wir sehr stark mit Körperkontakt proben. Hinzu kommt, dass bei uns die unterschiedlichsten Altersklassen auf der Bühne stehen. Also solche Menschen, die kaum gefährdet sind, bis hin zu solchen, die aktuell zu Hause bleiben sollten. Sie sehen also, ans Proben können wir momentan nicht einmal ansatzweise denken.

Bedeutet dies, dass die Premiere am 25. Juli ins Wasser fällt?

Nein, nicht unbedingt. Zwar sieht es momentan nicht allzu gut aus, was die Entwicklung der Coronakrise hierzulande betrifft, aber falls der Bundesrat nach dem 19. April die Bestimmungen wieder lockern oder gar aufheben würde, dann könnten wir die verpasste Zeit bis zur Premiere durchaus noch aufholen, so dass wir am 25. Juli parat wären.

Wie verbringen Sie und das Ensemble nun die Wartezeit?

Wie viele andere auch im Homeoffice. Ich nutze die Zeit, um mir noch einmal grundsätzliche Gedanken übers Stück zu machen. Ich kann jetzt noch an der Geschichte weiterschreiben, sie weiterentwickeln. Es kann also sein, dass «Zwinglis Frau» am Ende durch die erzwungene Pause sogar noch an Qualität gewonnen haben wird.

Wie sieht es finanziell für die Bühne Thurtal aus?

Minim laufende Kosten gibt es immer. Aber wir sind noch gut aufgestellt und überlegen uns heute noch keine Deadline in Sachen Aufführung. Wir müssen halt fort zu schauen, wie sich alles entwickelt.

Kann es sein, dass wenn die Aufführungen verschoben werden müssten, es dann Schauspielerinnen und Schauspieler, Musikerinnen oder Musiker geben könnte, die dann nicht mehr mitmachen könnten, weil sie anderweitig bereits engagiert sind?

Theoretisch ja, aber bis anhin ist mir in dieser Richtung noch nichts bekannt. Auch haben wir uns bis jetzt noch nicht mit einer etwaigen Verschiebung der Spieldaten befasst. Was ich hingegen momentan sehr stark erlebe, ist eine tolle Solidarität mit uns – und zwar von aussen wie auch innen. Und das ist sehr schön und hat uns allen Mut gegeben

Existenzängste haben Sie also bis jetzt keine?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin grundsätzlich ein positiv denkender Mensch. Wenn etwas nicht klappt, dann gibt es immer etwas anderes. Ich bin jemand, der eine Krise immer auch als eine Chance begreift.