Die Unverhoffte: Annemarie Morets letzte Tage als Berlinger Gemeindepräsidentin

Nach über sechs Jahren als Berlinger Gemeindepräsidentin übergibt Annemarie Moret den Schlüssel am 4. Juni ihrem Nachfolger Ueli Oswald. Künftig will sie unter anderem Schmetterlinge züchten.

Rahel Haag
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Eine Rede halten, ist das Schlimmste für Gemeindepräsidentin Annemarie Moret. (Bild: Andrea Stalder)

Eine Rede halten, ist das Schlimmste für Gemeindepräsidentin Annemarie Moret. (Bild: Andrea Stalder)

Ursprünglich wollte Annemarie Moret nur für zehn Jahre an den Untersee zügeln. «Jetzt sind es bald 40», sagt sie. Damals zog sie aus dem Kanton Bern mit ihrem Mann, der in der Ostschweiz eine Stelle antrat, nach Mammern. Dann hätten sie Kinder bekommen, ein Haus in Berlingen gekauft und seien geblieben. «Ich bereue es nicht», sagt Moret in breitem Berndeutsch.

Die 67-Jährige tritt Ende Mai als Berlinger Gemeindepräsidentin zurück. Der Start ins Amt vor sechseinhalb Jahren war turbulent. Nach dem überraschenden Rücktritt ihres Vorgängers Peter Koster nach nur 18 Monaten im Amt, musste die damalige Gemeinderätin und Frau Vize-Gemeindeammann von einem Tag auf den andern übernehmen. «Ich wurde ins kalte Wasser geworfen, wie man so schön sagt.»

Zwei Wahlen ohne Gegenkandidat

Am 9. Juni 2013 wurde Moret offiziell gewählt. «Ich hatte mich bereit erklärt, mich für die verbleibenden zwei Jahre zur Wahl zu stellen», sagt sie. Gegner hatte sie keine. Auch 2015 meldeten sich keine weiteren Kandidaten. So übernahm Moret das Amt für weitere vier Jahre. «Damals sagte ich klar, dass dies meine letzte Amtszeit sein würde.»

Einer Partei wollte sie nie beitreten. «Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht.» Zudem habe sie unabhängig bleiben wollen. Dass es immer mehr parteilose Lokalpolitiker gibt, erstaune sie zwar. «Gleichzeitig zeigt es, dass es anderen gleich geht wie mir.»

Ihr Werdegang verrät, dass Annemarie Moret von sich aus nicht Gemeindepräsidentin geworden wäre.

«Wäre ich nicht so ‹hineingerutscht›, hätte ich mich nie als Gemeindepräsidentin aufstellen lassen.»

Auftritte in der Öffentlichkeit lägen ihr nicht, sie wirke lieber im Hintergrund. Das Schlimmste sei für sie, wenn sie eine Rede halten müsse. «Das war immer mein grösstes Problem.»

Nach dem turbulenten Start habe es ab und zu Momente gegeben, in denen sie sich gefragt habe, warum sie sich das antue. Den Bettel hinzuwerfen, kam für Moret trotzdem nicht in Frage. «Das hätte mein Ego nicht zugelassen.» Dennoch: Es sei ihr gut ergangen in den vergangenen sechs Jahren.

«Die Zeit im Gemeinderat und als Gemeindepräsidentin möchte ich nicht missen.»

Am Dienstag, 4. Juni, übergibt Moret den Schlüssel ihrem Nachfolger Ueli Oswald. Sie sei erleichtert gewesen, als er seine Kandidatur ankündigt habe. «Im Geheimen hatte ich gehofft, dass er sich zur Wahl stellt.»

Künftig will sich Annemarie Moret unter anderem ihrem grossen Garten mit den vielen Blumen widmen. Sie habe einmal gesagt:

«Wenn ich sterbe, müsst ihr keine Blumen auf meinem Grab pflanzen – ich habe sie zu Lebzeiten genossen.»

Nebst den Blumen habe sie extra Fenchel angepflanzt. Für die Rüebliraupe. Moret lacht und sagt: «Ich züchte Schmetterlinge.» Aus den Raupen werden später Schwalbenschwänze. Sie selber habe nichts für Fenchel übrig. «Aber manchmal tut man eben Dinge, die einem selber nicht viel bringen.»

Die Zeit nutzen, solange die Gesundheit mitspielt

Nach Morets Wahl 2013 hatte ihr Mann gesagt: «Unsere Weltreise wird nun verschoben.» Sie lacht. Obwohl die beiden tatsächlich mehr reisen möchten, «eine Weltreise machen wir nicht mehr.» Als erstes hätten sie eine Flugsafari nach Botswana und Namibia geplant. Weitere Ziele seien Bolivien und Peru. «Wir wollen die Zeit nutzten, solange die Gesundheit noch mitspielt», sagt Moret. Ans Auswandern denkt sie aber nicht. «Ich wüsste nicht wohin.» Sie komme immer gerne zurück. «Berlingen ist unser Zuhause.»

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