Die Unterthurgauer Künstlerin Veronika Dierauer hat ein gigantisches Mahnmal zur Wegwerfgesellschaft geschaffen

Veronika Dierauer aus Kaltenbach stellt ihre übergrosse Petflasche aus Marmor derzeit in Winterthur aus. Nächstes Jahr steht für die Künstlerin die «Bad Ragartz» an.

Margrith Pfister-Kübler
Drucken
Teilen
«Water»: übergrosse Apfelschorle-Petflasche in Marmor der Künstlerin Veronika Dierauer.

«Water»: übergrosse Apfelschorle-Petflasche in Marmor der Künstlerin Veronika Dierauer.

Bild: PD

«Alles im grünen Bereich»: Unter diesem Titel zeigt die Künstlerin Veronika Dierauer ihr neuestes Werk «Water» in einer Gruppenausstellung in der Galerie Weiertal in Winterthur-Wülflingen. Es ist ein gigantisches Werk.

November 2018: John und Veronika Dierauer (hier mit Hund Sumo) müssen nach 14 Jahren ihr Haus in Steckborn verlassen und stehen nun kurz vor Weihnachten auf der Strasse.

November 2018: John und Veronika Dierauer (hier mit Hund Sumo) müssen nach 14 Jahren ihr Haus in Steckborn verlassen und stehen nun kurz vor Weihnachten auf der Strasse.

(Bild: Reto Martin)

Noch vor Monaten lebte die Künstlerfamilie Dierauer in Steckborn, wo ihr Zuhause aber vom Besitzer beansprucht wurde. Der neue Wohn- und Schaffensort im Industriegebiet in Kaltenbach versprach schnell Entdeckerpotenzial. Veronika Dierauers Ziel ist es dabei stets, den Blick auf nachhaltige Aspekte zu lenken. Sie will mit ihren Werken eine Art Resonanzboden zum Klingen bringen. So kam sie zur PET-Flasche, präziser zur Apfelschorle-PET-Flasche. Sie räumt ein, dass sie beim Umgang mit Abfallressourcen festgestellt habe, wie schön die einzelnen PET-Flaschen sind.

«Jede PET-Flasche erzählt ihre eigene Geschichte.»

Der Umgang mit den Ressourcen, kaufen, brauchen, wegwerfen, die Knappheit des Wassers, die Verschmutzung der Gewässer mit Plastik, all das ist Metathema.

Am Anfang 3,2 Tonnen Carraramarmor

Das Kunstwerk.

Das Kunstwerk.

(Bild: PD)

«Alles ist so kurzfristig gedacht», sagt Dierauer und inszenierte eine gigantische PET-Flasche. Aus Marmor, Carrara-Marmor, 3,2 Tonnen unbearbeitet, rund zwei Tonnen bearbeitet mit den Massen 208 auf 75 auf 65 Zentimeter. «Marmor ist ein gefühltes Synonym für Dekadenz. Im Werk kommt dies nicht nur optisch zur Geltung, der Marmor ist auch ein symbolischer Ausdruck: eine Andeutung eines dekadenten Umgangs mit den nicht erneuerbaren Ressourcen», so die Künstlerin. Dabei lässt sie ihr Gespür für gestalterische Ausdrucksstärke festmachen. Sie erklärt, der Name des Werkes «Water» eröffne einen inneren und äusseren Raum. Die zerdrückte, fast leere PET-Flasche evoziere das Nichtvorhandensein oder eine Knappheit des Wassers. Auch die Mahnung mit Blick auf Plastikflaschen, die im Wasser schwimmen, damit fehl am Platz sind und der Umwelt schaden, forderte die lebendige Vorstellungskraft der Künstlerin aber auch strenge Disziplin.

So wagte sie es in monatelanger Arbeit in Kaltenbach – in einem Zelt – dem aus Italien importierten Marmorklotz Leben zu geben und dabei die Grossartigkeit der Ausstrahlung zu schaffen.

«Im Winter, während dreier Monate, habe ich mit meinen Bildhauerwerkzeugen gespitzt, gefräst und geschliffen.»

Das erzählt sie mit Experimentierfreude in der Stimme, stolz dieses Werk nun in Winterthur ausstellen zu dürfen. Die innere Saite der Künstlerin bringt auch die Zusage für die nächstjährige Ausgabe der bekannten Skulpturenausstellung «Bad Ragartz» in Bad Ragaz zum Schwingen. Nachhaltiger wechselseitiger Austausch oder gar Einfluss sind ihr wichtig. Ihr eigentliches Ziel ist es, den Blick auf die Aspekte unserer Ressourcen zu lenken. Das klingt publikumswirksam, Veronika Dierauers Kunstwerk verspricht jedoch grosses Entdeckerpotenzial. Da passt es gut, dass die aktuelle Ausstellung in der Galerie Weiertal in Winterthur-Wülflingen unter dem Titel «Alles im grünen Bereich» Denkanstösse geben will.

Kulturort Galerie Weiertal, Winterthur, galerieweiertal.ch; «Alles im grünen Bereich» bis 13.9.; Do bis Sa, 14 bis 18 Uhr; So, 11 bis 17 Uhr.

Mehr zum Thema:

Nichts schteint, wie es ist

FRAUENFELD. Seit gestern steht der Kunstwürfel vor dem Frauenfelder Schloss. Rund einen Monat lang leuchtet darin nachts ein grosser Stein.
Luisa Aeberhard