Die Tücken der serbischen Dialekte offenbaren sich in der Kantonsbibliothek Frauenfeld

Der Verein Bibliothek der Kulturen führt in der Kantonsbibliothek Frauenfeld neu einmal im Monat das «Srpski kafe», das serbische Sprachencafé, durch.

Viola Stäheli
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Frauenfeld TG ,06.03.2020 / Srpski kafe in der Kantonsbibliothek Thurgau . Gespräche unter der Gesprächsleiterin Dragana Zimonjic werden nur in Serbisch geführt.

Frauenfeld TG ,06.03.2020 / Srpski kafe in der Kantonsbibliothek Thurgau . Gespräche unter der Gesprächsleiterin Dragana Zimonjic werden nur in Serbisch geführt.

Donato Caspari

«Dobar dan, Guten Abend», sagt Dragana Zimonjic zu den knapp zwanzig Anwesenden. Am Freitagabend ist es nicht ruhig und dunkel in der Kantonsbibliothek in Frauenfeld: Es wird gescherzt, gelacht und diskutiert – ausschliesslich auf Serbisch. «Heute geht es um Frauenrechte anlässlich des Weltfrauentags am Sonntag», erklärt Zimonjic. Sie ist die Leiterin des «Srpski kafe», des serbischen Sprachencafés vom Verein Bibliothek der Kulturen.

«Das serbische Sprachencafé ist eine Neuheit», sagt Ana Witzig vom Verein Bibliothek der Kulturen. Seit Januar findet das Treffen einmal im Monat an einem Freitagabend statt. Das serbische Sprachencafé ergänzt das Angebot: Bisher gab es Cafés in Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Alle Sprachencafés können kostenlos und ohne Anmeldung besucht werden. «Dragana Zimonjic hat uns angefragt, ob es auch ein serbisches Café gäbe – und wir haben daraufhin die Gegenfrage gestellt, ob sie Interesse hätte, ein solches zu leiten. Und so ist es nun gekommen», sagt Witzig. «Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft», sagt Zimonjic.

«Es sind bisher immer etwa zwanzig Leute gekommen.»
Im serbischen Sprachencafé wird gescherzt, gelacht und diskutiert – ausschliesslich auf Serbisch.

Im serbischen Sprachencafé wird gescherzt, gelacht und diskutiert – ausschliesslich auf Serbisch.

(Bild: Donato Caspari)

Leckereien nach serbischem Rezept

Mittlerweile neigt sich die Diskussion über Frauenrechte dem Ende zu. Der Apéro wartet: Einige Teilnehmer haben süsse und salzige Leckereien mitgebracht – natürlich nach serbischem Rezept. Auch Wein und Rakija, sprich Schnaps, fehlt nicht. «Apéro muss sein», sagt der 53-jährige Ratko Tadic aus Sirnach und lacht. Neben ihm sitzt der 46-jährige Dejan Miladinovic aus Münchwilen:

«Im Sprachencafé kann man über die eigene Kultur und das Leben in der Schweiz sprechen.»

Die einzige Schweizerin in der Runde ist die 23-jährige Adina Fuchs aus Weinfelden. Sie ist mit ihrem Verlobten Djordje Petrovic gekommen, der selbst Serbe, aber in der Schweiz aufgewachsen ist. «Ich liebe es, neue Kulturen kennen zu lernen und Bekanntschaften zu machen – und natürlich mein Serbisch zu verbessern», sagt sie.

«Heute habe ich das erste Mal gemerkt, wie unterschiedlich die Dialekte sind.»

Die Umstehenden lachen – auch sie haben manchmal Schwierigkeiten, einige Dialekte zu verstehen.

Zum Apéro gibt es süsse und salzige Leckereien - natülich nach serbischem Rezept .

Zum Apéro gibt es süsse und salzige Leckereien - natülich nach serbischem Rezept .

(Bild: Donato Caspari)

Die Platten mit den Apérohäppchen leeren sich. Mittlerweile hat sich der grösste Teil der Anwesenden um die Sängerin und den Gitarristen geschart, die traditionelle serbische Lieder vortragen. Einige sind Kinderlieder, mit denen die Teilnehmer aufgewachsen sind– entsprechend freudig wird mitgesungen.

Glossar: Von Deutsch auf Serbisch und umgekehrt

Gemäss den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des serbischen Sprachcafés sind folgende Wörter nützlich – für den Fall, dass man etwas mit serbischen Sprachkenntnissen angeben möchte:

  • Dobar dan – Guten Tag
  • Dovidjenja – Tschüss
  • Kako si? – Wie geht es dir?
  • Nema problema – Kein Problem
  • Bre – Gell
  • Hvala – Danke
  • Rakija – Schnaps
  • Gost – Gast
  • Jesi li gladan? (männlich)/ Jesi li gladna? (weiblich) – Hast du Hunger?
  • Gde si brate? – Wo bist du, Bruder?
  • Gde si sestro? – Wo bist du, Schwester?

Die beiden letzten Fragen beziehen sich nicht nur auf tatsächliche Verwandte – als «Bruder» und «Schwester» werden auch Freunde und gute Bekannte bezeichnet. (vst)