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Die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher war lange das «Küken» – heute gehört sie zur Politprominenz

Serie «Ihre Wahl» (4/5): Die TZ trifft die Thurgauer Nationalräte an ihrem Lieblingsort. Edith Graf-Litscher (SP) hat sich als Treffpunkt eine Zugfahrt ausgesucht – und zwar auf ihrer Stammstrecke Frauenfeld–Bern.
Silvan Meile
SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher auf der Zugfahrt nach Bern. (Bild: Silvan Meile)

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher auf der Zugfahrt nach Bern. (Bild: Silvan Meile)

Mit drei Minuten Vorsprung auf den Intercity biegt Edith Graf-Litscher zu Fuss vom Busbahnhof Frauenfeld auf das Zugperron ein. In ihrer roten Jacke fällt sie zwischen den grauen Anzügen auf, in denen die meisten der frühen Pendler stecken. «Guten Morgen», sagt die SP-Nationalrätin. Sie strahlt schon, bevor die Sonne aufgeht.

Graf-Litscher hat sich für das Gespräch mit der Thurgauer Zeitung eine Zugfahrt ausgesucht. Ihre Stammstrecke Frauenfeld–Bern. Der Treffpunkt ist schnell abgemacht: 6.18 Uhr, Gleis 1, Sektor C. Nach dem Einsteigen sagt die ehemalige Bähnlerin:

«Der Zug ist die angenehmste Transportmöglichkeit.»

Sie hängt die Jacke über den Sitz. Ideal sei es, sich während der Fahrt auf den Politbetrieb in Bern vorzubereiten. «Aber ich verteufle das Auto nicht.» Sie habe selber eines. «Ich bin oft froh darum, im Thurgau, auf dem Land.» Schliesslich ist die Zeit der Nationalrätin oft knapp. «Ich habe eine volle Agenda.» Edith Graf-Litscher arbeite noch mit einem 50-Prozent-Pensum als Gewerkschaftssekretärin des Verkehrspersonals. Und sie ist unter anderem auch Präsidentin des Thurgauer Gewerkschaftsbundes. Der Zug rollt an, die Zuckerfabrik zieht am Fenster vorbei.

Nach Häberli die amtsälteste Thurgauerin im Bundeshaus

Vor 14 Jahren betrat Edith Graf-Lischer erstmals das Bundeshaus als Nationalrätin. Ihrem Schritt in die eidgenössische Politik ging ein trauriges Ereignis voraus. Während eines Spiels des FC Nationalrats brach der damalige Thurgauer SP-Politiker Jost Gross zusammen. Er verstarb noch auf dem Fussballplatz. Graf-Litscher rückte nach und trat dabei in grosse Fussstapfen. «Lange war ich das Küken», sagt sie.

Persönlichkeiten wie Peter Spuhler, Hansjörg Walter, Werner Messmer, Hermann Bürgi oder Philipp Stähelin prägten während Jahren den Thurgau in der Bundespolitik. Doch die Zeiten haben sich geändert. Graf-Litscher hat sich über die Kantons- und Parteigrenzen hinaus einen Namen gemacht. Sie baute sich ein grosses Netzwerk auf, fädelt überparteiliche Kompromisse ein. Ihre Hauptthemen sind Verkehr, Kommunikation, Digitalisierung und Gesundheit. Und sie hat Ausdauer. Derzeit ist sie im Alter von 55 Jahren nach CVP-Ständerätin Brigitte Häberli die amtsälteste Thurgauerin im Bundeshaus.

Das einstige Küken zählt heute zur Politprominenz

«Ich habe alle amtierenden Bundesrätinnen und Bundesräte noch als Parlamentarier erlebt», sagt die Frauenfelderin. Das mache es einfacher, in einem direkten Gespräch eine Sachfrage zu klären, statt gleich einen Vorstoss einzureichen. Stilles Schaffen im Hintergrund führe letztlich zu mehrheitsfähigen Lösungen. Das sei ihr Stil, nicht Themen aufzublasen oder gar andere Politiker anzugreifen.

Das hat aus dem einstigen Polit-«Küken» eine gefragte Nationalrätin gemacht. Graf-Lischer sprach kürzlich im «Club» auf SRF über die Probleme bei den SBB. Wenige Tage später trat sie in der «Wahl-Arena» auf dem Jungfraujoch auf und debattiert über die Folgen des Klimawandels.

Edith Graf-Litscher (mit roter Jacke) anlässlich eines Podium zur eidgenössischen Steuervorlage bei Stadler in Bussnang. Neben ihr gehen Bundesrätin Karin Keller-Sutter und Alt Nationalrat Peter Spuhler SVP/TG. (Bild: Andrea Stalder, 29. April 2019)

Edith Graf-Litscher (mit roter Jacke) anlässlich eines Podium zur eidgenössischen Steuervorlage bei Stadler in Bussnang. Neben ihr gehen Bundesrätin Karin Keller-Sutter und Alt Nationalrat Peter Spuhler SVP/TG. (Bild: Andrea Stalder, 29. April 2019)

Mittlerweilen werde sie oft auf der Strasse angesprochen. Das komme in Frauenfeld vor, könne aber auch in Bern passieren. «Wenn jemand mit einer Aussage von mir nicht zufrieden ist, kommt die Reaktion aber meist per Mail», fügt sie hinzu. Das scheint die immer fröhlich wirkende Politikerin aber nicht zu entmutigen. Im Gegenteil. Graf-Litscher sagt:

«Ich bin topmoviert für weitere vier Jahre in Bern.»

Sie hat im Bundeshaus noch Arbeit zu erledigen. Seit vergangenem Jahr präsidiert sie die nationalrätliche Verkehrskommission. Ein bedeutendes Amt mit viel medialer Aufmerksamkeit. Einige viel beachtete Geschäfte fielen bereits in die Amtszeit der Thurgauerin: Postautoskandal, No-Billag-Abstimmung und eben die aktuellen Probleme bei den SBB.

Eine unbequeme Kommissionspräsidentin

Dank ihres Hintergrunds weiss Edith Graf-Litscher, wo beim öffentlichen Verkehr der Schuh drückt. Sie ist sowohl mit den Arbeitern wie auch mit der Chefetage im Kontakt. «Das SBB-Management soll endlich seine Hausaufgaben machen», sagt sie noch am gleichen Tag in die Mikrofone im Bundeshaus. Als Kommissionspräsidentin hat sie die SBB-Spitze zu einer Anhörung eingeladen. Der Fall eines Zugführers, der wegen eines Defekts an der Wagentüre sterben musste, löst Entsetzen aus. Später wird sie sich auch zur Rücktrittsankündigung von SBB-Chef Andreas Meyer äussern.

«Ich bin vielleicht eine unbequeme Kommissionspräsidentin.»

Aber sie wolle den Finger auch auf die wunden Punkte legen. «Wenn Reorganisation auf Reorganisation folgt und keine Konsolidierungsphasen stattfinden, ist es ungesund fürs Unternehmen und die Mitarbeitenden», bilanziert sie noch am Morgen im Zug, der sie zur Aussprache mit der SBB-Leitung bringt. Dann schalten sich die Lautsprecher ein: «Nächster Halt – Bern!»

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