Die Thurgauer Befürworter der Zersiedelungsinitiative sind siegessicher

Das Thurgauer Ja-Komitee zur Zersiedelungsinitiative lanciert den Endspurt vor der Abstimmung am 10.Februar. Die Umfragen seien positiv und man trete an, um zu gewinnen, so der Tenor am Medientermin.

Christof Lampart
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Vertreter der unterstützenden Organisationen: Toni Kappeler, Stefan Mischler, Simon Vogel, Kurt Egger und Peter Wildberger. (Bild: Christof Lampart)

Vertreter der unterstützenden Organisationen: Toni Kappeler, Stefan Mischler, Simon Vogel, Kurt Egger und Peter Wildberger. (Bild: Christof Lampart)

Nomen est omen: Das Ja-Komitee lud zur Pressekonferenz nach Weinfelden in den «Frohsinn» ein. Und die Stimmung der Anwesenden passte zum Namen des Restaurants: von Zweckoptimismus keine Spur. Die von den Jungen Grünen lancierte Zersiedelungsinitiative stosse auf eine grosse Zustimmung, betonte der Präsident der Jungen Grünen Thurgau, Simon Vogel, selbstbewusst:

«Die Leute merken, dass wir in den letzten Jahrzehnten verschwenderisch mit unserem Boden umgegangen sind. Seit 1985 wurde eine Fläche so gross wie der Genfersee zubetoniert.»

Wichtig war Vogel die Feststellung, dass die Initiative zwar die Limitierung der Baufläche auf den heutigen Stand verlange, nicht jedoch, wie von den Gegnern oft fälschlicherweise gesagt werde, ein «Einfrieren» der heutigen Bauzonen. Vielmehr wolle die Initiative mittels Kompensationsmechanismus «Bauzonen an jene Stellen verschieben, wo sie sinnvoll genutzt werden können», erklärte Vogel.

Genug Bauland sei bereits heute vorhanden, nämlich 400 Quadratkilometer.

«Das genügt, um mit moderater Verdichtung mehr Wohnraum zu schaffen, als für das höchste Bevölkerungsszenario des Bundes nötig wäre.»

Der Thurgau ist auf einem guten Weg

Toni Kappeler, Präsident von Pro Natura Thurgau und Mitglied der grossrätlichen Raumplanungskommission, sieht den Kanton Thurgau hinsichtlich der Grösse der Bauzonen auf einem guten Weg. Zwar lägen die neuesten Zahlen noch nicht vor, aber hochgerechnet dürfte die Bauzonenreserve der Wohn- und Mischzonen im Thurgau rund 700 Hektare betragen.

Das bedeute gemäss Kappeler je nach Verdichtung Platz für 30'000 bis 75'000 weitere Einwohner. Da der Kanton bis ins Jahr 2035 «nur» mit einer Zunahme von 27'000 Einwohnern rechne und zudem in vielen Gemeinden bereits verdichtet gebaut werde, sei man insgesamt im Thurgau auf einem guten Weg. Man könne also der Initiative zustimmen und den Erhalt der Kulturlandschaft fördern.

Kein Wildwuchs ausserhalb der Bauzonen

Für den Präsidenten der Grünen Thurgau, Kurt Egger, ist ein Ja zur Initiative auch deshalb wichtig, weil sie ein griffiges Mittel darstelle, um den «Wildwuchs an neuen Bauten ausserhalb der Bauzonen» einzudämmen. Denn bereits heute würden zonenfremde Bauten der Landwirtschaft den Boden wegnehmen.

Der Thurgau weise ein überdurchschnittliches Wachstum bei den Gebäudeflächen ausserhalb der Bauzonen auf, klagte Egger. Solche «Schlupflöcher» gelte es zu schliessen. Zugleich sei jedoch auch klar, dass für bereits bestehende Bauten eine Bestandsgarantie gelten müsse, welche auch geringfügige Erweiterungen und Umnutzungen zulasse.

Weniger Strassen und nachhaltiges Wohnen

Peter Wildberger sieht als Präsident der Sektion Thurgau des Verkehrs-Club Schweiz in der Initiative eine Chance, durch eine intelligente und dichte Bebauung ohne Zersiedelung weniger Strassen bauen und somit weniger Kulturland opfern zu müssen. Durch verdichtetes Bauen könne man den Anteil des Autoverkehrs deutlich reduzieren und somit ein nachhaltiges Wohnen fördern.

Letzteres fördert auch die Interessengemeinschaft Passivhaus, in der Fachleute für Gebäude ohne aktives Heizsystem vernetzt sind. Vorstandsmitglied Stefan Mischler erklärte an der Pressekonferenz, dass «wir zu hundert Prozent hinter dieser Initiative stehen».