Die Tage der Chäsi in Stettfurt sind gezählt

Trotz Petition hat der Gemeinderat Stettfurt entschieden, dass die alte Käserei im Dorfzentrum einem Neubau weichen soll. Petitionär Ulrich Gugger ist enttäuscht.

Rahel Haag
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Die alte Käserei im Dorfzentrum Stettfurts. (Bild: Andrea Stalder)

Die alte Käserei im Dorfzentrum Stettfurts. (Bild: Andrea Stalder)

Die Maxime lautet Verdichtung. Deshalb soll die alte Käserei sowie das anliegende Wohnhaus, der ehemalige Schweinestall, im Dorfzentrum Stettfurts zwei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt zwölf Wohnungen Platz machen.

Gegen das Vorhaben, die Käserei abzureissen statt sie in das Projekt einzubinden, wehrten sich die Anwohner mit der Petition «Zur Erhaltung der Käserei in Stettfurt». Am 1. Juli hatte Ulrich Gugger dem Gemeinderat 126 Unterschriften übergeben.

Projekt, das überzeugt und den Gesetzen entspricht

Markus Bürgi, Gemeindepräsident Stettfurt. (Bild: PD)

Markus Bürgi, Gemeindepräsident Stettfurt. (Bild: PD)

Dieser hat nun das Baubewilligungsverfahren abgeschlossen und der SBW Projekte AG aus Niederuzwil grünes Licht für den Bau der beiden Wohnblöcke gegeben. Somit sind die Tage der Käserei gezählt. «Sie steht nicht unter Schutz», sagt Gemeindepräsident Markus Bürgi. Dies ergebe sich aus dem kommunalen Reglement. Vorgängig habe es zudem mehrere Begehungen gegeben, an denen die Bauherrschaft, die Denkmalpflege und der Gemeinderat teilgenommen hätten.

«Auch unter diesem Aspekt hat der Gemeinderat beschlossen, einen Neubau zu bewilligen, sofern uns das Projekt überzeugt und den Anforderungen des Gesetzes entspricht.»

Die Petition hat der Gemeinderat beantwortet. In seiner Antwort nahm er Bezug auf das Baubewilligungsverfahren und dessen Ergebnisse. «Insgesamt sind gegen das Baugesuch fünf Einsprachen eingegangen», sagt Bürgi. Diese habe man allesamt abgewiesen.

Eine dieser Einsprachen stammt von Ulrich Gugger, der Petitionär ist gleichzeitig Anstösser. Er sagt:

«Ich bin enttäuscht, aber was soll ich machen?»

Er habe sein Bestes gegeben. Gugger hätte nun die Möglichkeit, innert 20 Tagen beim Departement für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau Rekurs gegen den Entscheid einzureichen. Darauf will er aber verzichten. «Ein Prozess würde mich nur einen Haufen Geld und Nerven kosten.»

Ein Aushängeschild auf Gemeindeprospekten

Gugger wehrt sich nicht grundsätzlich gegen Verdichtung. Vielmehr bedauert er es, dass die Käserei verschwindet. «Wieder geht ein Kulturgut verloren, das mit vielen Erinnerungen verknüpft ist.» Früher sei die Käserei auf den Gemeindeprospekten abgebildet gewesen.

«Sie war ein Aushängeschild und gehörte zum Dorfzentrum, wie die Kirche.»

Gugger hofft nur, dass man in zehn Jahren nicht bereut, die Käserei abgerissen zu haben.

Der Gemeinderat sieht das Projekt derweil als Chance.

«Es entspricht den raumplanerischen Zielen, haushälterisch mit dem Boden umzugehen»

sagt Bürgi. Zudem habe der kommunale Richtplan Zentrum, der auch vom Kanton geprüft worden sei, gezeigt, dass in Stettfurt das Potenzial für Innenverdichtung hauptsächlich im Dorfzentrum liege. «Auch deshalb hat der Gemeinderat das Projekt positiv beurteilt.» Sofern keine Rekurse eingereicht würden, sei es an der Bauherrschaft zu sagen, wann sie mit dem Projekt losgehen solle.