Die SVP im Apfelkanton Thurgau stört sich am Wurm-Plakat der nationalen Partei –  Regierungsrat Jakob Stark sagt: «Das ist ganz einfach nicht unser Stil»

Die neue Plakatkampagne der SVP Schweiz stösst der Thurgauer Kantonalsektion sauer auf. Man werde das Thema an der nächsten Sitzung der Geschäftsleitung besprechen, sagt Kantonalpräsident Ruedi Zbinden. 

Sebastian Keller
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Der Gegner als Ungeziefer: Dieses neue Plakat stösst selbst innerhalb der SVP auf Kritik. (Bild: PD)

Der Gegner als Ungeziefer: Dieses neue Plakat stösst selbst innerhalb der SVP auf Kritik. (Bild: PD)

Würmer, die einen saftigen Schweizer Apfel durchlöchern. Diese wirbellosen Tiere stehen für die Parteien SP, CVP, FDP und Grüne; der fetteste Wurm für den Lieblingsfeind der SVP, die EU. Der wurmstichige Apfel für die Schweiz. Darunter ist der Satz «Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?» zu lesen mit der Handlungsempfehlung, SVP zu wählen. Mit diesem Sujet will die SVP Schweiz bei nationalen Wahlen punkten.

Ruedi Zbinden, Präsident der SVP Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Ruedi Zbinden, Präsident der SVP Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Doch der Rückhalt für die Kampagne weist selbst innerhalb der Volkspartei Löcher auf. «Wir sind über dieses Plakat nicht glücklich», sagt Ruedi Zbinden, Präsident der SVP Thurgau. Bereits am Montag habe er zahlreiche Reaktionen von SVP-Mitgliedern erhalten – und es waren keine Glückwünsche. «Wir sind nicht auf Provokation aus», betont Zbinden.

Im Thurgau stehe die SVP für eine «gradlinige und konstante Politik». Und diese weiche dann und wann von der nationalen Stossrichtung ab. So hat der «Tages-Anzeiger» vor Jahren ausgerechnet, dass die SVP Thurgau so oft wie keine andere Kantonalsektion eine andere Haltung als die SVP Schweiz hat.

Kantonalparteien werden nicht gefragt

Man werde das Thema an der nächsten Sitzung der Geschäftsleitung besprechen. Zbinden: «Mich interessiert, was die anderen Mitglieder sagen.» Auch ob die Plakate zwischen Bodensee und Hörnli aufgehängt werden sollen, werde besprochen. «Ich will von der nationalen Partei wissen, was die Gründe für dieses Plakat sind.» Seine Unzufriedenheit hat Zbinden bereits per E-Mail an Albert Rösti, Präsident der SVP Schweiz, mitgeteilt.

Jakob Stark, SVP-Regierungsrat und Ständeratskandidat. (Bild: Donato Caspari)

Jakob Stark, SVP-Regierungsrat und Ständeratskandidat. (Bild: Donato Caspari)

Im Thurgau ist die SVP mit der FDP, der EDU und der JSVP eine Listenverbindung für die Nationalratswahlen eingegangen. Wird mit dem FDP-Wurm der Listenpartner düpiert? «Wie gesagt», erklärt Ruedi Zbinden, «wir sind nicht glücklich über das Plakat.» Die Kantonalsektion sei nicht gefragt worden, ob ihr das Sujet mundet.

Das betont auch SVP-Regierungsrat Jakob Stark. Er will im Herbst den Ständeratssitz verteidigen: «Leider fragt die SVP Schweiz weder die Kantonalparteien noch die SVP-Regierungsrätinnen und -räte vor der Lancierung um ihre Meinung.» Sonst wäre das Plakat nicht erschienen.

«Das ist ganz einfach nicht unser Stil.»

Zbinden stört sich generell, dass ein durchlöcherter Apfel im Spiel ist. «Der Apfel hat im Thurgau eine positive Ausstrahlung», sagt er. Der Kanton ist einer der grössten Anbaugebiete der Schweiz. Der Spitzname Mostindien kommt nicht von ungefähr. In den Reihen der SVP sind auch Obstbauern zu finden. «Sie produzieren Äpfel in höchster Qualität», lobt Zbinden. Der Thurgau trage lieber frische statt wurmstichige Äpfel in die Welt hinaus. Gerade an der Fête des Vignerons Vevey habe der Thurgau neben dem Wein auch 25000 Äpfel verteilt.

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