«Wir haben nichts verschlampt»: Die Strafuntersuchung im Tierschutzfall Hefenhofen zieht sich hin

Vor bald drei Jahren platzte der Tierschutzskandal Hefenhofen. Die Strafuntersuchung gegen Ulrich K. ist fast beendet. Doch nun wird das Verfahren gegen das Veterinäramt einbezogen. Das Veterinäramt hat 2019 bei K. einen Hund beschlagnahmt.

Thomas Wunderlin
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Am 17. August 2017 versteigerte der Armee-Veterinärdienst im bernischen Sand-Schönbühl Pferde des mutmasslichen Tierquälers Ulrich K..

Am 17. August 2017 versteigerte der Armee-Veterinärdienst im bernischen Sand-Schönbühl Pferde des mutmasslichen Tierquälers Ulrich K..

Anthony Anex / KEYSTONE

Aus Sicht der Thurgauer Staatsanwaltschaft sind die Ermittlungen im Tierschutzfall Hefenhofen abgeschlossen. Die Anklage könnte «innert Wochen» erhoben werden, bestätigt Generalstaatsanwalt Stefan Haffter eine Meldung des «Blicks». Festlegen kann er sich nicht.

Der Beschuldigte Ulrich K. hat verlangt, dass die Akten des parallel laufenden Verfahrens gegen die Verantwortlichen des Veterinäramts beigezogen werden. «Das hat zur Folge», erklärt Haffter, «dass er und sein Anwalt nochmals Anträge auf Beweisergänzung stellen könnten.»

Der Thurgauer Generalstaatsanwalt Stefan Haffter.

Der Thurgauer Generalstaatsanwalt Stefan Haffter.

Reto Martin

Die Staatsanwaltschaft hätte schon Anfang Jahr die Anklage erheben wollen, doch habe der Beschuldigte da mehrere Beweisanträge gestellt.
Am 8. August 2017 hatte Kantonstierarzt Paul Witzig 90 Pferde von K.s Hof abtransportieren lassen, dazu Schweine, Rinder und Schafe – viele in erbärmlichem Zustand. Danach hatte die Staatsanwaltschaft Bischofszell die Strafuntersuchung wegen Verdachts auf mehrfache Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz eröffnet.

Generalstaatsanwalt weist Vorwürfe zurück

Haffter weist Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft wegen der relativ langen Untersuchungsdauer zurück:

«Wir haben nichts verschlampt.»

Es sei ein «sehr komplexes Verfahren» gewesen. Es seien auch immer wieder Anzeigen gegen den Beschuldigten eingegangen, die auch andere Bereiche als den Tierschutz betroffen hätten. Von einer Aufsichtsbeschwerde gegen die Staatsanwaltschaft, die der «Blick» vermeldet, sei ihm nichts bekannt, sagt der Generalstaatsanwalt.

Im Verfahren gegen den Kantonstierarzt und seinen Stellvertreter geht es darum, ob sie früher in Hefenhofen hätten durchgreifen müssen. Hier ist ein Ende laut Haffter «noch nicht so klar erkennbar». Die Befragungen seien noch im Gang.

Im August 2017 hatte die Staatsanwaltschaft beim Veterinäramt Akten beschlagnahmt. Da sie zunächst versiegelt wurden, dauerte es mehr als ein Jahr, bis die Staatsanwaltschaft darauf zugreifen konnte, was ein wichtiger Grund für die Verzögerung gewesen sei.

Trotz Verbot legte sich K. einen Hund zu

Das Veterinäramt hat schon mehrere Hinweise erhalten, dass Ulrich K. das Tierhalteverbot umgehe. Diese hätten sich nur in einem Fall bestätigt, teilt der interimistische Leiter des Veterinäramts, Robert Hess, mit. Das Veterinäramt habe im Juli 2019 einen Hund beschlagnahmt.