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Frauenfeld: Die Sprache des Unaussprechlichen

In Sri Lanka sass Sarath Maddumage als Oppositioneller zwei Jahre im Gefängnis. Er musste fliehen. Heute lebt er im Thurgau und verarbeitet seine Erfahrungen mit einer Maltherapie.
Mathias Frei
Sarath Maddumage vor dem Bild, das symbolisch für seine Flucht steht. (Bild: Donato Caspari)

Sarath Maddumage vor dem Bild, das symbolisch für seine Flucht steht. (Bild: Donato Caspari)

Wie ein Schatten, der alles verschluckt: Das waren Sarath Maddumages Erinnerungen. Erinnerungen an die Zeit im Gefängnis in Sri Lanka, an das halbe Jahr in den heruntergekommenen Flüchtlingssiedlungen in Nepal, an die Ungewissheit bei der Ankunft in Genf am 19. November 2009. Heute geht es dem 50-jährigen Singalesen besser. Er lebt in Frauenfeld, hat hier Freunde gefunden, arbeitet als Mechaniker bei den SBB in Oberwinterthur. Vor fünf Jahren konnte er Frau und Kinder in die Schweiz holen. Und Maddumage macht eine Maltherapie, um seine traumatischen Erfahren verarbeiten zu können. Erstmals zeigt er die dabei entstandenen Acryl- und Gouache-Bilder öffentlich. Die Ausstellung in der Galerie Z-Art läuft noch bis 30. Juni.

«Mutter Sri Lanka hat zwei Kinder, das eine spricht singalesisch, das andere tamilisch. Beide Kinder haben gleich viele Liebe verdient.»
(Sarath Maddumage, Flüchtling)

«Ich sage: Ich bin kein Künstler.» Maddumage sieht sein Malen vielmehr als Mittel zum Zweck, als Medium. «Malen ist eine Sprache, mit der man Gefühle vermitteln kann», sagt er. Wenn man die Arbeiten des Singalesen einordnen will, wäre dies wohl naive Kunst. Was er nicht aussprechen kann, bringt er bunt und unbekümmert auf die Papierbogen. Bisweilen ist die gemalte und collagierte Welt besser, weil sie einfacher ist, friedlich und beinahe paradiesisch. Sein Hintergrund ist aber immerzu politisch, er beschäftigt sich mit Begriffen wie Freiheit oder Demokratie.

Früher war gemeinsames Weinen verboten

Maddumage kann nicht mehr zurück. «Ich liebe mein Mutterland», sagt er. Es zu verlassen, habe er nie im Sinn gehabt. Doch dann musste er fliehen. Heute findet sein Leben in Frauenfeld statt, hier ist er sozial integriert.Er arbeitet in Frauenfelder Flüchtlingsangeboten mit, hat einen Verein zugunsten der Flüchtlinge in Kathmandu ins Leben gerufen. Maddumage hat anerkannten Flüchtlingsstatus, einen B-Ausweis. Bald bekommt er einen C-Ausweis, eine unbefristete Niederlassungsbewilligung.

Drei Tage, ein Anliegen

Seit 1980 organisiert die Schweizerische Flüchtlingshilfe den nationalen Flüchtlingstag. Dieser fand heuer am vergangenen Samstag, 16. Juni, statt und stand unter dem Motto «Land in Sicht – Hand reichen zur Aufnahme». Die beiden Landeskirchen haben am Sonntag, 17. Juni, den Flüchtlingssonntag durchgeführt. Morgen Mittwoch, 20. Juni, findet der Weltflüchtlingstag unter der Schirmherrschaft der UNO statt. Alle drei Anlässe haben das Ziel, den Anliegen und Rechten von Flüchtlingen eine breite Beachtung zu verschaffen. (ma)
www.fluechtlingstage.ch

«Mutter Sri Lanka hat zwei Kinder, das eine spricht singalesisch, das andere tamilisch. Beide Kinder haben gleich viele Liebe verdient», erklärt Maddumage und erzählt, dass Tamilen früher von Gesetzes wegen nicht öffentlich in Gruppen weinen durften. Maddumage wird mit nicht einmal vier Jahren zum Halbwaisen, als sein Vater ermordet wird. Seine Mutter hat klein Sarath nicht mehr im Griff. Er kommt in ein Waisenhaus. Eine Versöhnung. Dann stirbt sie, als er 14 ist. Er lernt Dieselmotor-Mechaniker für Lokomotiven, arbeitet 20 Jahre auf dem Beruf, gründet eine Familie, sein Sohn ist heute 19-jährig, die Tochter sechs Jahre älter. Maddumage wird Gewerkschafter, steigt zu einem der höchsten Funktionäre im Land auf, gerät aber dadurch ins Visier der Regierung. Als seine Gewerkschaft eine eigene Zeitung plant, wird er inhaftiert. Maddumage gilt als staatsfeindlich, obwohl er seine Heimat liebt. Zwei Jahre sitzt er unschuldig im Gefängnis, wird gefoltert. Jeden Tag darf er zehn Minuten aus dem Fenster schauen. Dort sieht er einen Baum mit grünen Blättern. «Grün bedeutet Hoffnung», sagt er und malt die Situation. Er kommt aus dem Gefängnis, taucht unter. Dann kann er sich einem internationalen Menschenrechtsprojekt anschliessen, darf nach Nepal ausreisen. Nach sechs Monaten kann er in die Schweiz fliegen. Er macht ein Praktikum auf dem Landwirtschaftsbetriebs eines Jugendheims im Emmental, wohnt eine Zeit lang in Sirnach, kommt aber bald einmal nach Frauenfeld. «Für die Integration ist Sprache etwas vom Wichtigsten», sagt er, besucht in der Schweiz sofort Deutschkurse. Deutsch für das, was er sagen kann, Malen für das Andere.

«Im Exil. Bilder eines Flüchtlings» von Sarath Maddumage. Ausstellung bis 30. Juni. Fr 18 bis 20 Uhr; Sa/So 16 bis 18 Uhr. Galerie und Atelier Z-Art, Grabenstrasse 26.

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