Die Sozialplan steht kurz vor Abschluss: 131 Mitarbeiter der Sia Abrasives in Frauenfeld bekamen den blauen Brief

Vor dreieinhalb Jahren schlug der angekündigte Stellenabbau am Sia-Hauptsitz in Frauenfeld ein. Nun folgt die Erkenntnis: Es verloren weniger Personen ihren Job als erwartet. Der Abschluss der Sozialplans steht kurz bevor

Mathias Frei
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In dieser Sia-Werkhalle läuft der Maker 5, die modernste Produktionsanlage am Standort Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

In dieser Sia-Werkhalle läuft der Maker 5, die modernste Produktionsanlage am Standort Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Michael Kopka spricht von «seiner Mannschaft» in Frauenfeld. Der 53-Jährige ist der neue CEO weltweit der Sia Abrasives AG. Seit 1. März ist er im Amt. Und er hat eine Mannschaft übernommen, die aktuell zwischen 450 und 500 Personen stark ist. Genauer will es Kopka nicht beziffern. Fakt ist: Im November 2015 waren es noch 720 Beschäftigte.

Michael Kopka, CEO Sia Abrasives Industries AG. (Bild: Andrea Stalder)

Michael Kopka, CEO Sia Abrasives Industries AG. (Bild: Andrea Stalder)

Dann kam der Knall mit dem angekündigten Stellenabbau am Hauptsitz in Frauenfeld. Die Schleifmittel-Konfektionierung inklusive Halbfertigwarenlager sollte ins polnische Goleniów verlagert werden, das Fertigwarenlager ins deutsche Worms. In Frauenfeld war anfangs von 260, dann 250 Betroffenen die Rede.

Die Verlagerung ist mittlerweile abgeschlossen. «Nach Ostern haben wir die letzte Maschine in Betrieb genommen», erklärt CEO Kopka. Und der Abschluss des Sozialplans steht kurz bevor. «Auf jeden Fall noch dieses Jahr.»

Kopka nimmt das Fazit vorweg:

«Letztlich ist alles sehr sozial abgelaufen – trotz des schmerzhaften Eingriffs.»

Er ziehe den Hut vor dem Management, das in Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmervertretung verschiedenen Massnahmen im Sozialplan ergriffen habe, sagt Michael Kopka. Die Massnahmen, die für die Betroffenen allesamt kostenlos waren, bewegten sich vom Informatik- oder Gabelstapel-Kurs über Hilfestellungen bei Bewerbungsschreiben und Test-Bewerbungsgespräche bis zu Einzelberatungen. Und Angebote für Deutschkurse gibt es bei der Sia schon seit Jahren.

Der Hauptsitz der Sia Abrasives Industries AG in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Der Hauptsitz der Sia Abrasives Industries AG in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

45 Mitarbeitern zahlt Sia eine Übergangsrente

Kündigungen blieben aber erwartungsgemäss nicht aus, letztlich waren es 131. Die Kündigungsfrist war verhältnismässig lang. Die ersten blauen Briefe wurden erst ab Februar 2017 verschickt. «Die letzten Kündigungen wurden noch im ersten Halbjahr 2019 ausgesprochen», sagt Kopka. Nicht von allen der 130 Betroffenen kenne man die berufliche Zukunft. Viele hätten ohne Unterbruch eine neue Arbeitsstelle angetreten.

«Einzelne Mitarbeiter haben uns sogar um eine verkürzte Kündigungsfrist gebeten.»

Insgesamt 45 Mitarbeiter wählten die Frühpensionierung. Dies war gemäss Sozialplan ab dem 58. Altersjahr möglich. Die Sia Abrasives zahlt eine Übergangsrente, bis die AHV übernimmt.

Hiobsbotschaft für die Sia im November 2015

Am 10. November 2015 gab die Firma Bosch einen massiven Stellenabbau bei der Frauenfelder Tochter Sia Abrasives bekannt. Von 720 Beschäftigten sollte es 200 Mitarbeiter an Maschinen und 60 Verwaltungsangestellte treffen. Im Fokus des Abbaus standen mehrheitlich langjährige Angestellte, viele zwischen 45 und 55, mit Migrationshintergrund, unterdurchschnittlichen Deutschkenntnissen und oft ohne Berufsbildung. Aufgrund der «schwierigen wirtschaftlichen Lage» plante Bosch, die Schleifmittel-Konfektionierung und das zugehörige Halbfertigwarenlager nach Osteuropa zu verlagern. Und das Fertigwarenlager sollte ins deutsche Worms zügeln. Der damalige Plan: den Abbauprozess bis Ende 2017 abzuschliessen. Nach dem Konsultationsverfahren stand dann auch fest: 250 Mitarbeiter sollte es treffen. (ma)

Kosten zur Umsetzung des Sozialplans nicht bekannt

Dann fanden auch interne Wechsel statt. Und es gab Mitarbeiter, die selber die Kündigung einreichten. So kommt Kopka auf eine Zahl zwischen 200 und 250 Personen, die von der Verlagerung betroffen waren.

«Es war für alle eine schwere Zeit, natürlich für die direkt Betroffenen, aber nicht zuletzt auch für jene Mitarbeiter, die geblieben sind und ihre Arbeitskollegen verloren haben.»

Zu den Kosten für die Umsetzung des Sozialplans macht Kopka keine Angaben.

Produkte der Sia Abrasives Industries AG. (Bild: Andrea Stalder)

Produkte der Sia Abrasives Industries AG. (Bild: Andrea Stalder)

Der Maker 5, die 2012 in Betrieb genommene und damit modernste Produktionsanlage, stehe nicht ohne Grund am Standort Frauenfeld, sagt Michael Kopka.

«Hier ist die Basis für unser Geschäft. Hier haben wir Know-How, Intelligenz und Erfahrung.»

Er denkt weiter und sagt, eine Vision für die Sia könnte sein, dass der Personalbestand am Hauptsitz in Frauenfeld langfristig wieder ansteigt. Denn Kopka will mit «seiner Mannschaft» auf dem Weltmarkt wachsen.

Ein «guter Sozialplan» bei der Sia Abrasives

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Mathias Frei

Massiver Abbau bei Sia Abrasives

Am Standort in Frauenfeld baut die Bosch-Tochter Sia Abrasives bis in zwei Jahren 260 Stellen ab. Als Grund wurde an einer Mitarbeiterversammlung die schwierige wirtschaftliche Lage genannt. Ein Teil der Produktion geht nach Osteuropa.
Stefan Borkert