Die Skepsis gegenüber 5G überwiegt in Bettwiesen

Einwohner Bettwieser zeigten sich am Infoanlass wenig begeistert über eine von der Swisscom geplante 5G-Antenne in ihrem Dorf.

Christof Lampart
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Elektroingenieur Marcel Hofmann referiert über die Auswirkungen des Mobilfunkstandards 5G.

Elektroingenieur Marcel Hofmann referiert über die Auswirkungen des Mobilfunkstandards 5G.

(Bild: art)

Das Interesse war gross: Rund 80 Frauen und Männer fanden sich am Mittwochabend im Untergeschoss des Bettwieser Kindergartens ein. Der Gemeinderat hatte eingeladen, um «verschiedene Meinungen und Sichtweisen an diesem Abend zu erfahren», wie Gemeindepräsident Patrick Marcolin erklärte.

Die Exekutive nahm zum im April 2019 von der Swisscom eingereichten Baugesuch für eine Mobilfunkantenne an der Schulstrasse 13 keine Stellung, da das Gesuch aktuell noch beim Kanton liegt. Der Gemeinderat, sagte Marcolin, werde sich erst weiter damit beschäftigen, «wenn es vom Kanton zurückkommt».

Wie sich nach den Referaten von Susanne Buntefuss, Jakob Meier (beide Swisscom), Armin Gresch (Amt für Umwelt des Kantons Thurgau, Abteilung Luftreinhaltung) und Marcel Hofmann (Mobilfunkkritiker und Elektroingenieur) zeigte, ist die Besorgnis in Bettwiesen gross. Es wird befürchtet, dass man sich mit der «fünften Generation» (5G) einen neuen Mobilfunkstandard ins Dorf holt, der mehr Schaden anrichtet, als Nutzen spendet. Insbesondere wurde die zusätzliche hohe Strahlenbelastung für den Menschen, Fauna und Flora kritisiert, die mit 5G einhergehe.

Susanne Buntefuss betonte, dass die Swisscom mit 5G Kapazitätsengpässe beheben könne. Tue man nichts in dieser Richtung, wäre das Chaos vorprogrammiert. Denn: «Das Datenvolumen nimmt explosionsartig zu. Was 2014 während einer Woche genutzt wurde, wird heute an einem Vormittag verbraucht.»

Betreiber sehen besten Standort im Dorfzentrum

Für den massiven Anstieg seien die Jungen verantwortlich. «Die 25-Jährigen nutzen achtmal mehr Daten als der Rest der Bevölkerung.» Der technologische und kapazitätsmässige Sprung von 4G auf 5G sei mit dem von einer einspurigen zu einer mehrspurigen Autobahn zu vergleichen.

«Mit 5G können sie nun nicht nur überholen, sondern sie haben auch Platz für eine Rettungsgasse.»

Jakob Meier ergänzte hinsichtlich des Antennenbaugesuches in Bettwiesen, dass Standortsimulationen ergeben hätten, dass die beste Abdeckung mit einem Antennenmastplatz mitten im Dorf erreicht würde: «Das wäre für unsere Kunden das Optimum», sagte Meier.

Für Marcel Hofmann ist die Behebung etwaiger Kapazitätsengpässe «keine Notwendigkeit». Vielmehr unterstütze die von Bund und Wirtschaft geförderte 5G-Technologie die flächendeckende Vernetzung technischer Geräte und Sensoren und ermögliche so die mobile Übertragung riesiger Datenmengen.

Was auf den ersten Blick super sei, habe drastische Auswirkungen für die Menschen. «Die Industrie- und die Telekomgesellschaften drängen auf eine schnelle Einführung dieser Technologie sowie auf die entsprechende Anpassung der Rahmenbedingungen seitens der Politik.» Für die Schweiz, welche weltweit mit Südkorea und den USA führend bei der 5G-Technologie sei, würde das auf eine Erhöhung der Grenzwerte hinauslaufen.

Das sei problematisch, weil 5G zwar auf 4G aufbaue, technologisch aber einen Quantensprung hinsichtlich einer hundertfachen Erhöhung der Datenrate, Tausender neuer Antennen, aggressiver Frequenzen und Milliarden neuer Teilnehmer darstelle, warnte Hofmann.

Amt für Umwelt prüft nur Einhaltung der Richtlinien

Armin Gresch betonte, dass das kantonale Amt für Umwelt lediglich prüfe, ob alle Richtlinien beim Antennenbaugesuch eingehalten würden. So sei er nicht beauftragt, Sachen zu verhindern, welche dem Volk nicht gefielen, sondern müsse sie durch genaue Kontrolle so zu ermöglichen versuchen, dass niemand durch den Bau zu Schaden komme. «Wir rechnen nach, ob das Standortdatenblatt in Ordnung ist und ob die Anlage der Verordnung über nichtionisierende Strahlung entspricht.»

Wolle man einen Antennenbau verhindern, so könne man als Nachbar Einsprache erheben oder müsse, was langfristiger Natur, aber dafür in der Regel nachhaltiger sei, «einfach jene Politiker wählen, welche diese Haltung unterstützen».