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Glosse

Die schöne Hinterthurgauer Landschaft muss rasch auf Instagram

Südsicht auf Handyantennen, Einsprachen und das Bruttoinlandprodukt.
Olaf Kühne
Olaf Kühne(Bild: Peter Pfistner)

Olaf Kühne
(Bild: Peter Pfistner)

Mit Handyantennen ist das so eine Sache. Einst waren die Dinger zehn Zentimeter lang und mussten vor dem Telefonieren aus dem Gerät gezogen werden. Mit den Zähnen war dieser Akt besonders cool, weil ja wenigstens eine Hand am Lenkrad bleiben sollte.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Unsere Handys haben jetzt vier Kameras, aber keine Antenne mehr. Und Telefonieren am Steuer ist inzwischen schier unter Todesstrafe verboten. Schliesslich brauchen wir im Auto unsere ganze Aufmerksamkeit für all die Touchscreens von Radio, Klimaanlage, Navi und Memorysitzverstellung – und zwischendurch sollten wir ja auch noch auf die Strasse schauen.

Handyantennen gibt’s aber immer noch. Halt mehr die vierzig Meter als die zehn Zentimeter Langen. Weil in den Neunzigern ein paar besonders schlaue Köpfe die Privatisierung von weiss der Geier was allem erfunden haben, stehen nun ganz schön viele Antennen in der Landschaft. Manchmal ist’s auch erst ein Bauvisier, dafür in einer geschützten Landschaft.

Sagt jedenfalls das Bundesamt für Umwelt. Und die Nachbarn der Fischinger Siggisegg. 5G soll her. Das ist sowas neues Technisches. Weil Handys jetzt vier Kameras haben. Und die Bilder von der schützenswerten Landschaft im Tannzapfenland rasch auf Instagram müssen.

Ein ewiges Dilemma. Und selbst wenn einem die schöne Landschaft Wurst ist, bleibt immer noch die Strahlung. Mit der ist das nämlich auch so eine Sache. Hätten wir in der Schweiz doch bloss technische Hochschulen von Weltruf. Dann wüssten wir – am liebsten ein für allemal – ob diese Strahlen nun schädlich sind.

Vielleicht sogar schädlicher als Impfungen. Aber nicht ganz so schädlich wie Chemtrails. Man weiss es nicht. Bis wir es wissen, lassen wir halt jede Gemeinde sich mit Baugesuchen, Einsprachen und Gutachten rumschlagen. Schafft Arbeitsplätze. Zwar keine für’s Bruttoinlandprodukt. Aber immerhin.

Oder wir kommen irgendwann doch noch auf die glorreiche Idee, lieber ein paar Elektroingenieure mehr, dafür ein paar Juristen weniger auszubilden. Dann gibt’s nicht mehr so viele Einsprachen und Rekurse, dafür erfahren wir vielleicht doch noch, was es mit diesen Handystrahlen nun wirklich auf sich hat. So lange müssen die Siggisegger halt noch ausharren.

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