Die schiefe Birke: Im Björkhus in Frauenfeld bieten drei Frauen Kunst-Workshops an

Die Leidenschaft der Frauenfelderin Natascha Schai ist die Aquarellmalerei. Ihre Mutter Iris Schai ist Floristin und ihr Gotti Sonja Zuliani widmet sich in ihrer Freizeit der Malerei und Bildhauerei. Die drei kreativen Frauen wollen etwas weitergeben, deshalb bieten sie im Björkhus in Frauenfeld Kunst-Workshops an.

Rahel Haag
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Sonja Zuliani, Natascha Schai und Iris Schai vor dem Björkhus in Frauenfeld. Im Hintergrund ist die grosse Birke zu sehen, der das Haus seinen Namen zu verdanken hat.

Sonja Zuliani, Natascha Schai und Iris Schai vor dem Björkhus in Frauenfeld. Im Hintergrund ist die grosse Birke zu sehen, der das Haus seinen Namen zu verdanken hat.

(Bild: Rahel Haag)

Zufällig stösst wohl niemand auf das Björkhus. Den schmalen, unscheinbaren Trampelpfad gegenüber dem Schulhaus Spanner übersieht man leicht. Doch am Ende dieses Wegs liegt die kleine Oase: ein schlichtes Holzhäuschen. Hier hat Natascha Schai ihr Atelier eingerichtet. Sie sitzt drinnen am langen Tisch gemeinsam mit Mutter Iris Schai und Gotti Sonja Zuliani, beide geborene Borcherding.

«Früher war hier das Lager der Papeterie Brand untergebracht», sagt Natascha Schai. Der Laden an der Zürcherstrasse 206 hatte 2012 nach hundert Jahren seine Türen für immer geschlossen. Schai wohnt im selben Haus, direkt unter dem Dach, in einer WG. «Ich kam mit dem Vermieter ins Gespräch», sagt sie, «dabei stellte sich heraus, dass er das ehemalige Lager vermieten will.» So wurde es zu ihrem Atelier, ihrem Björkhus.

Die 29-Jährige arbeitet als Primarlehrerin in Wallenwil, gleichzeitig absolviert sie gemeinsam mit ihrem Gotti die Ausbildung zur Gestaltungspädagogin. Ihre Leidenschaft: die Aquarellmalerei. Sonja Zuliani arbeitet als Anwaltssekretärin, widmet ihre Freizeit aber der Malerei sowie Bildhauerei und Iris Schai ist Floristin.

Die drei Frauen sind Teil des Familienwerks aus Stettfurt. Im vergangenen Jahr bestritt der rund 20-köpfige Familienclan im Eisenwerk bereits die dritte Ausstellung. «Das Björkhus ist sozusagen ein Ableger des Familienwerks», sagt Iris Schai, «für das ganze Werk wäre es definitiv zu klein.» Die drei Frauen lachen.

Kränze, Kunst und Kindergeburtstage

Am 15. Dezember 2018 wurde das Björkhus eröffnet. «Wisst ihr noch, wie kalt es war?», fragt Sonja Zuliani. Die anderen beiden nicken. Im darauffolgenden Frühling fand der erste Workshop statt. Bisher habe jeweils eine von ihnen eine Gruppe angeleitet und eine andere habe assistiert. Mal seien unter der Leitung von Iris Schai saisonale Kränze entstanden, mal Aquarellbilder. Auch ein Kindergeburtstag ist im Björkhus schon gefeiert worden. Natascha Schai sagt:

«Wir wollen etwas weitergeben.»

Im Dezember hätten sie sich in die Winterpause verabschiedet, die nun aufgrund der Coronapandemie ungewollt verlängert wird. Die Zeit würden sie nun nutzen, um Ideen für neue Workshops zu sammeln und diese vorzubereiten. Für den Herbst sei als Auftakt ein Art-Brunch geplant. Iris Schai sagt:

«Dort wollen wir heraushören, was sich die Leute wünschen.»

Je nach Workshop können zwischen fünf und acht Personen teilnehmen. Möglich sei auch, einen individuellen Workshop zu buchen, beispielsweise als Geschenk.

Mit viel Inspiration aus dem Norden zurückgekehrt

Und woher kommt der Name Björkhus? «Nach dem Abschluss der Pädagogischen Hochschule bin ich ein halbes Jahr durch Skandinavien gereist», sagt Natascha Schai. Das nordische Design habe es ihr besonders angetan und so habe sie viel Inspiration mit nach Hause gebracht.

Als sie dann vor dem kleinen Holzhäuschen stand und davor die schiefe Birke gesehen habe, sei es klar gewesen. Björk ist das schwedische Wort für Birke. Anschliessend habe sie das entsprechende Logo gezeichnet. «Für mich hat es sofort gestimmt», sagt sie, «und das kommt bei mir nur selten vor.» Beim Verlassen des Björkhus deutet sie auf die Birke und sagt:

«Sie ist schon choge schräg, vielleicht sollte sich das mal ein Fachmann anschauen.»

Sie blickt zu Mutter und Gotti, und alle drei kichern.

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