«Die neue Anlage können wir überall aufbauen»: Der Kanton Thurgau errichtet in Balterswil eine neue Fluglärmmessstation

Im September wird die bisherige Station ersetzt. Mit der neuen Anlage erhält der Kanton mehr Daten und kann Kosten sparen.

Roman Scherrer
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Die bisherige Balterswiler Fluglärmmessstation ist seit 2006 in Betrieb. Im September ersetzt sie der Kanton.

Die bisherige Balterswiler Fluglärmmessstation ist seit 2006 in Betrieb. Im September ersetzt sie der Kanton.

(Bild: Roman Scherrer)

Ihr Standort ist gut, aber nicht optimal. Denn dort, wo sich die Fluglärmmessstation in Balterswil befindet, fängt sie auch Fremdgeräusche ein, etwa aus dem Quartier nebenan. Aber nicht mehr lange.

Voraussichtlich im September – noch steht die Baubewilligung der Gemeinde aus – wird die 2006 aufgebaute Anlage durch ein neueres Modell ersetzt. «Wir haben immer nach einer autarken Lösung gesucht», sagt Markus Weigele. Er ist Geschäftsleitungsmitglied der Kreuzlinger Sinus AG, welche sowohl die bisherige wie auch die neue Fluglärmmessstation entwickelt hat.

Gesucht, gefunden: Die neue Anlage wird im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin nicht mehr von einem Anschluss an das Stromnetz abhängig sein. «Sie ist eingepackt in Solarpanelen, so optimiert, dass sie wenig Strom verbraucht und mit einem grossen Akku ausgestattet», erklärt Weigele. Zudem überträgt sie die gemessenen Daten mit einer SIM-Karte über das Mobilfunknetz und muss so nicht mehr an eine Telefonleitung angeschlossen werden. Das bringt einen entscheidenden Vorteil, erklärt Weigele:

Markus WeigeleGeschäftsleitungsmitglied Sinus AG

Markus Weigele
Geschäftsleitungsmitglied Sinus AG

«Wir können die neue Anlage überall aufbauen.»

Sprich, an einem Ort mit weniger Fremdgeräuschen. Zehn Standorte um Balterswil hat die Sinus AG ausgewertet, auf Hintergrundgeräusche und Sonneneinstrahlung getestet und so einen Ort nahe der bisherigen Station ausgemacht. Weigele sagt weiter:

«Bisher musste jeweils eine Person die Messdaten anschauen und die Fremdgeräusche vom Fluglärm trennen. Das ist mit viel Aufwand verbunden.»

Dieser Schritt entfällt nun, auch weil die neue Station Fluglärm als solchen erkennt und ihn von anderen Geräuschen unterscheiden kann. «Die Auswertung wird immer noch jemand prüfen müssen», sagt Weigele. «Aber der personelle Aufwand wird viel kleiner sein.»

Manuelle Auswertung entfällt grösstenteils

Die neue Anlage ist deshalb günstiger für das Departement für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau, in dessen Auftrag die Sinus AG die Fluglärmmessungen im Hinterthurgau durchführt. Weil die manuelle Auswertung grösstenteils entfällt, sinken die jährlichen Kosten für die Station in Balterswil von 40'000 auf 28'000 Franken.

Zu diesem Preis können zudem deutlich mehr Stunden ausgewertet werden, bisher waren es nur zwei: von 22 bis 24Uhr. «Das ist schade, weil es über den ganzen Tag gesehen nur eine Momentaufnahme ist», sagt Karin Enzler, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Departement für Bau und Umwelt.

Zweite Station im Raum Frauenfeld vorgesehen

Neu werden voraussichtlich zwölf Stunden täglich ausgewertet. Zudem will der Kanton sein Fluglärmmonitoring auch örtlich ausbauen und plant im Raum Frauenfeld eine zweite Messstation. Sie wird jährlich 23'000 Franken kosten. «Wir suchen noch einen geeigneten Standort», sagt Enzler.

Weil am Flughafen Zürich verschiedene Anpassungen – wie neue Betriebsreglemente oder der Ausbau der Piste 28 – geplant sind, rechnet der Thurgau künftig mit einer grösseren Fluglärmbelastung. «Wir gehen davon aus, dass die Situation in der Region Frauenfeld analog derjenigen im Hinterthurgau sein wird», sagt Enzler. Deshalb wolle man vorausschauend mit den Messungen beginnen, damit der Kanton von Beginn weg die Veränderungen mit Daten belegen kann und über eine Basis für die politische Argumentation verfügt.

Josef ImhofPräsident Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau

Josef Imhof
Präsident Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau

«Mit den Daten wird man die Lärmbelastung und die Flugbewegungen schwarz auf weiss belegen können», sagt Josef Imhof, Präsident des Vereins Bürgerprotest Fluglärm Hinterthurgau. Derzeit herrscht in der Luft zwar eine Ausnahmesituation.

«Es ist aber davon auszugehen, dass der Flugbetrieb auch künftig wieder zunehmen wird.»

Die Auswertung von mehr Stunden würde weitere Aufschlüsse liefern, etwa über die Südanflüge am Morgen. «Wir begrüssen es deshalb, dass der Kanton das Monitoring ausbaut», sagt Imhof.