Die mit dem inneren Licht malt: In der Frauenfelder Stadtgalerie Baliere stellt Maria Xagorari ihre leuchtenden Bilder aus

Maria Xagorari zeichnet und malt Bäume und Menschen, die ab Freitag in der Frauenfelder Stadtgalerie Baliere zu sehen sind. Aus ihren Farben und aus den zarten Zeichenstrichen scheinen die Exponate ihrer Ausstellung «Heilschlaf - Von Wurzeln träumen» tatsächlich zu leuchten.

Dieter Langhart
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Maria Xagorari in der Baliere beim Hängen ihrer Exponate.

Maria Xagorari in der Baliere beim Hängen ihrer Exponate.

Bild: Reto Martin

Sie ist Griechin, sie lebt seit vier Jahren in Kreuzlingen, der Liebe wegen. Und sie zeichnet und malt, seit sie zwölf ist: Maria Xagorari. «Ich muss das tun.» Sie hat bildende Kunst studiert, und seit ihrem Abschluss ist sie freischaffend.

«Ich bin, was ich mache, nicht was ich bin.»

So definiert sie sich als Künstlerin. In Griechenland stellt sie ausschliesslich Menschen dar, machte eine eigene Kunstschule auf; in der Schweiz habe sie eine völlig andere Natur entdeckt.

Die Ausstellung in der Stadtgalerie Baliere, eingefädelt und kuratiert von Carole Isler, heisst «Heilschlaf – von Wurzeln träumen». Und manche Wurzeln sind zu sehen, ganze Baumstrünke, eine Welt zwischen Wachsen und Sterben. Sie hat die menschliche Figur gegen Pflanzen, Bäume, Naturformen getauscht, doch die scheinen nur Landschaften zu zeigen – Xagorari will mit ihren Werken Gefühle ausdrücken und beim Betrachter hervorrufen.

Die Natur heisst die Künstlerin willkommen

Früher habe sie fast impressionistisch gemalt, voll aus dem Licht geschöpft; inzwischen habe sie «ein inneres Licht entdeckt». In der Tat. Xagoraris Bilder leuchten aus ihren Farben und aus den zarten Zeichenstrichen. Oft muten die Bilder expressiv, fast surrealistisch an, als wären es Gedankenbilder, Traumbilder. Einmal, im Wald und am Wasser, habe sie bei sich gedacht:

«Hier müsste ich ein Nest haben, um drin zu schlafen.»

Der Künstlerin gibt die Natur ein Willkomm. Beschreiben kann sie die Gefühle, Gedanken, Sehnsüchte nicht, wenn sie in der Natur male. Sie denke oft an das gleissende Licht der Ägäis zurück, das so stark sei. Und hier, im Thurgau, sei es sanft und ausgeglichen, es tue nicht mehr weh in den Augen.

Zerrissenheit und Zuversicht

Beim Rundgang wird offensichtlich, wie wichtig Xagorari das Zeichnen ist. Sie habe es nie verlassen, es verlangsame sie und lasse sie zugleich auf das Wesentliche, auf die Tiefe und den Raum fokussieren. Gerade in den Baumstrünken wird eine Zerrissenheit erkennbar – und eine Zuversicht, dass nichts sterben kann, dass stets etwas Neues entsteht.

Dennoch ist in manchen Bildern etwas Spitzes zu sehen, Dornenäste etwa, und das kontrastiert mit dem Schwebenden, Gewichtslosen, Wassergleichen. Was die Künstlerin sieht, wird zum Gefühl, dann zum Ausdruck im Bild, einer Übersetzung gleich. Oft ist unklar, was genau sie ums Holz herum abbildet: Ist es nun Luft oder Wasser?

Maria Xagorari malt seit sie zwölf ist.

Maria Xagorari malt seit sie zwölf ist.

Bild: Reto Martin

Die Künstlerin hängt sparsam, überhängt nicht die schwierige Baliere, lässt Zeichnung mit Malerei, Gross mit Klein kontrastieren oder Variationen eines Motivs miteinander wetteifern, widmet jeden Raum einem Kapitel aus einer Geschichte.

Einige Werke sind als Diptychon oder Triptychon ausgestaltet; alle tragen einen Titel: «Homeland» (Wo ist Heimat?) oder «The Gate» (Was verbirgt sich dahinter?). Andere bilden Blätter ab, in die der Wind fährt wie in die Haut alter Menschen, in der wir ihre Erlebnisse lesen können. Denn es geht Maria Xagorari stets um den Menschen, nicht die Natur. Und der Mensch passe sich stets an neue Situationen an. Wie die Künstlerin. «Ich will hier Wurzeln schlagen.»

Vernissage: Fr, 4.9., 19 Uhr. Bis 27.9.; Fr 17–20, Sa/So 12–16 Uhr.

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