Interview

«Die Lust am Besitz ist zurückgegangen»: Die Eschliker Galerie widmertheodoridis schliesst

Der Galerist Jordanis Theodoridis sagt, weshalb er und sein Partner Werner Widmer den Ausstellungsort «widmertheodoridis» in Eschlikon schliessen – und trotzdem weiter Kunst zeigen werden.

Rolf Hürzeler
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Nach fünf Jahren ist Schluss in Eschlikon: Die Galeristen Jordanis Theodoridis (links) und Werner Widmer brechen auf zu neuen Horizonten. (Bild: Rolf Hürzeler)

Nach fünf Jahren ist Schluss in Eschlikon: Die Galeristen Jordanis Theodoridis (links) und Werner Widmer brechen auf zu neuen Horizonten. (Bild: Rolf Hürzeler)

Die Galerie widmertheoridis zählt zu den Topadressen in der Ostschweiz. Dass sich die beiden Galeristen vor fünf Jahren statt für Zürich für Eschlikon entschieden haben, bereuen sie nicht. Trotzdem richten sie sich nun wieder stärker nach der Stadt aus. Jordanis Theodoridis erklärt die Beweggründe.

Nach fünf Jahren kommt das Ende für den Standort Eschlikon – warum?

Jordanis Theodoridis: Wir wollen uns vermehrt auf den urbanen Raum ausrichten. Auch ist die Lokalität hier mit dem Neubau – und unseren beiden benachbarten Ställen – zu gross geworden. Das liess sich mit einem vernünftigen Arbeitspensum nicht mehr bewältigen.

War es falsch, dass Sie aus Zürich nach Eschlikon gezogen sind?

Nein, das hat uns die Chance gegeben, spannende Ausstellungen zu zeigen, die dem Publikum, aber auch uns selbst viel gegeben haben. Wir haben hier ein kulturelles Vakuum ausgefüllt. Heute sind wir den Künstlern und den Besuchern sehr dankbar dafür, dass uns dies ermöglicht wurde.

Fanden zu wenig Neugierige den Weg hierher?

Nein, die Vernissagen und die Events der Galerie fanden grossen Anklang. Unter der Woche sind die Besucherzahlen allerdings niedrig – genauso wie in den Städten.

Ein letztes Mal durch die Weiten der Galerie wandeln

Die letzte Ausstellung trägt den Titel «Room 105» und erinnert an alle der insgesamt 104 Ausstellungen der Galerie widmertheodoridis in Zürich und Eschlikon.

Der Adel lässt grüssen. Wer die Galerie widmertheodoridis in Eschlikon betritt, steht sogleich im Bann einer überlebensgrossen Fotografie. Der deutsche Künstler Holger Maass hat mit diesem Bild den deutschen Adligen Prinz Ferfried von Hohenzollern verewigt. Dieser guckt den Betrachter mit einer Eindringlichkeit an, als würde er gleich einen Knicks erwarten. Das ist ein Werk in der letzten Ausstellung der Galerie widmertheodoridis in Eschlikon. Sie versammelt noch einmal Werke von Künstlern sämtlicher 104 Ausstellungen, die seit der Eröffnung der Galerie 2005 zu sehen waren – zuerst in Zürich, dann in Eschlikon.

Die Vielfalt ist grossartig, was allerdings die Gefahr von Unübersichtlichkeit in sich birgt. Deshalb haben die beiden Galeristen Werner Widmer und Jordanis Theodoridis die Werke nach thematischen Sparten geordnet – wie «Porträts», «Vergänglichkeit» oder «Lust und Spielerei». Ein Gang durch die breit gefächerte Ausstellung bringt ein Wiedersehen mit alten Bekannten des Hauses, etwa Simone Kappeler, Othmar Eder oder Bildstein/Glatz. (hü)

Hinweis
Mehr unter www.0010.ch

Es ist einfacher in einer Kunstmetropole wie Zürich, eine Galerie zu führen, als in der Ostschweiz.

Das mag sein. Aber in den Städten ist die Konkurrenz viel grösser. Die Besucher schauen oft nur kurz herein und suchen Unterhaltung. Wer hierher kommt, der nimmt sich Zeit und will sich mit der Kunst beschäftigen.

Die Gliederung der Ausstellung in thematische Sparten schafft Übersichtlichkeit und Spannung zugleich. (Bild: Rolf Hürzeler)

Die Gliederung der Ausstellung in thematische Sparten schafft Übersichtlichkeit und Spannung zugleich. (Bild: Rolf Hürzeler)

Was konnten Sie in dieser Region bewirken?

Wir haben qualitativ hohe und wertvolle Objekte grossartiger Künstler gezeigt.

Wie hat sich die Marktsituation in dieser Zeit verändert?

Seit der Bankenkrise 2008 hat eine schwierige Entwicklung eingesetzt. Die Schere zwischen grossen und kleinen Galerien hat sich weiter geöffnet.

Wer kauft heute Kunst?

Die grossen Sammler kaufen mehr denn je, der Mittelstand ist vorsichtiger. Das Publikum ist zusehends segmentiert und gibt das Geld für anderes aus als für die Kunst. Noch gibt es Kunden, die sind aber sehr wählerisch und anspruchsvoll. Heute kommt kaum mehr jemand in eine Galerie und legt 5000 Franken für ein Werk hin. Das war früher anders.

Warum?

Die Einstellung hat sich verändert. Die Lust am Besitz ist zurückgegangen, Events sind wichtiger.

Prinz Ferfried von Hohenzollern in einem Bild von Holger Maass verewigt. (Bild: Rolf Hürzeler)

Prinz Ferfried von Hohenzollern in einem Bild von Holger Maass verewigt. (Bild: Rolf Hürzeler)

Sie schliessen die Lokalität in Eschlikon, zeigen aber weiter Kunst.

Ja, wir richten uns wieder vermehrt nach der Stadt aus. Wo und in welcher Form ist noch offen. Aber wir haben bereits am Freitag, 7. Juni, eine Vernissage an der Ausstellung «Gasträume, Kunst auf öffentlichen Plätzen Zürichs» auf dem Tessinerplatz beim Bahnhof Enge mit dem Künstler Nicolas Vionnet.

Was war das Highlight Ihrer Tätigkeit in Eschlikon?

Die letztjährige Ausstellung mit Werken von Othmar Eder im Hauptgebäude, von Liz Jaff im Heustall, Joëlle Allet im Garten und Elisabeth Nembrini im Kuhstall. Diese Schau zeigte, wie wir auf den internationalen Kunstmarkt ausgerichtet sind und gleichzeitig in der Region verankert blieben.

Das war ein Erfolg, liesse sich so was wiederholen?

Jede Ausstellung ist anders, das ist wie bei einer Theaterinszenierung, die auch einen einmaligen Charakter hat.