Die Kuhglocken sind in Aadorf verstummt

Stillschweigend sind die letzten Kühe aus dem Aadorfer Dorfbild verschwunden. Nun erinnern stumme Zeugen an die örtliche Landwirtschaft.

Kurt Lichtensteiger
Drucken
Teilen
Die Eisenfiguren des Appenzeller Künstlers Emil Neff erinnern an den Aadorfer Milchwirtschaftsbetrieb der Geschwister Erni.

Die Eisenfiguren des Appenzeller Künstlers Emil Neff erinnern an den Aadorfer Milchwirtschaftsbetrieb der Geschwister Erni.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

Dass Aadorf einst überwiegend von der Landwirtschaft lebte, daran erinnern sich nur noch wenige Einwohner. Im Zuge der Industrialisierung verschwanden die Bauernbetriebe zusehends aus dem Dorf. Bis nur noch ein einziger Milchwirtschaftsbetrieb übrig blieb, jener der Geschwister Erni. Er stand am nordwestlichen Dorfrand von Aadorf.

Bis vor kurzem wurden dort, an der Weiernstrasse 17, noch 25 Kühe aus oder in den Stall getrieben oder erfreuten sich in einem Freilaufgehege der frischen Luft. Doch damit ist nun endgültig Schluss und eine über 100-jährige Ära gehört der Geschichte an. Begonnen hatte diese mit dem Bau eines Wohnhauses, einer Scheune und einem Stall für lediglich fünf Kühe. Das war nicht ausreichend für eine Existenzsicherung, weshalb mit einer Küferei das Einkommen aufgebessert wurde.

Die «Küfer’s Erni», wie die Besitzerfamilie im Volksmund weiterhin genannt wurde, baute im Jahr 1984 einen Stall und eine Remise dazu. Der Betrieb wollte allerdings nicht so recht zum Ort passen, auch wenn die unmittelbare Umgebung stets ordentlich und sauber gepflegt dahergekommen sei, war die Meinung gar mancher Passanten.

Vermietung und Verpachtung stehen nicht zur Diskussion

Anstelle der leibhaftigen Kühe sind in diesen Tagen stumme Vierbeiner als eiserne Zeugen aufgestellt worden, statisch, eindimensional, in der Farbe Rostbraun. Zwar als Ebenbilder mit Kuhglocken behangen, doch mit schweigendem Geläute. Dahinter trottet der Bauer daher, dessen Wehmut man beim Anblick fast etwas nachempfinden mag. Geschaffen hat das Kunstwerk der Appenzeller Eisenplastiker Emil Neff. Eine durchaus beachtliche Installation, die manchen Betrachter auch ein wenig zum Nachdenken anregt.

Und was geschieht mit den leer stehenden Räumlichkeiten? «Weder eine Verpachtung noch eine Vermietung stehen zur Diskussion.» Es werde sich weder eine Töfflibude einnisten noch Lagerraum für Gewerbe ergeben, heisst es seitens der Geschwister Erni. «Das wäre gar nicht im Sinne des vor einem Jahr verstorbenen Meinrad Erni.»