Kommentar

Die Kritik am Thurgauer Schulzeugnis ist angekommen

Ungewohnt einstimmig kritisieren die Kantonsräte die neuen Zeugnisse der Thurgauer Volksschule. Diese befinden sich in einer Übergangsphase. Die definitive Beurteilungsgrundlage muss eine Verbesserung bringen, so der Tenor.

Larissa Flammer
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Larissa Flammer. (Bild: Reto Martin)

Larissa Flammer. (Bild: Reto Martin)

Dass Ausbildner bei Lehrern nachfragen müssen, was ein Schulabgänger kann, darf nicht sein. Es bedeutet nicht nur Mehraufwand, sondern macht Schulnoten fragwürdig. Auch dass einzelne Branchen Testverfahren für künftige Lehrlinge entwickeln, ist ein schlechtes Zeichen für die Aussagekraft von Zeugnissen.

Der mit Kompetenzen arbeitende neue Lehrplan müsste es möglich machen, die Schüler differenzierter zu beurteilen. Denn Fachnoten erfassen die Persönlichkeit nicht und überlassen vieles der Interpretation. Werden dem Zeugnis Kompetenzprofile beigelegt und diese sinnvoll umgesetzt, könnten Lehrer ihre Schüler individueller beurteilen. Vielleicht liesse sich sogar die Idee von Kantonsrat Reto Ammann umsetzen, die Eignung der Jugendlichen für konkrete Berufe einzuschätzen.

Es ist offensichtlich, dass der Kanton die kritisierten Punkte verbessern will. Schon vor einem Jahr sagte der Chef des Volksschulamts gegenüber dieser Zeitung, dass die Interpellation eine Chance sei, um eine politisch tragfähige Lösung zu finden. Die Botschaft ist angekommen.