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«Wann käme ich sonst wohl je nach Russland?» – die neue Apfelkönigin im Portrait

Sie trägt ihre Krone erst seit kurzem, aber mit Stolz. Die Thurgauer Apfelkönigin Melanie Maurer will mit einem neuen Outfit, Charme und der Begeisterung für Gravensteiner den Kanton repräsentieren.
Silvan Meile
Die amtierenden Apfelkönigin Melanie Maurer kommt aus Sulgen. (Bild: Andrea Stalder)

Die amtierenden Apfelkönigin Melanie Maurer kommt aus Sulgen. (Bild: Andrea Stalder)

Melanie Maurer liebt Gravensteiner-Äpfel. Mit knackigem Biss, frisch ab Baum und dem einen oder anderen Regentropfen auf der prallen Haut. Sie haut beim Schwyzerörgeli in die Tasten, ist Thurgauerin mit Leib und Seele und trägt ihre Krone mit Stolz. Als frischgebackene Thurgauer Apfelkönigin aus Sulgen schlägt sie jetzt ihr königliches Pflichtenheft auf. «Meine Vorgängerin hat rund 60 Anlässe in einem Jahr besucht», sagt sie. Eine steile Vorlage. Aber für die 21-Jährige absolut vorstellbar. Dafür braucht es das Herz am rechten Fleck – und ein Outfit, dass die Ausstrahlung der Krone-Trägerin unterstreicht.

Es ist Zeit, die neuen Kleider anzuziehen: Nach Mass gefertigt. Schlicht, chic und schwarz. Das Ensemble hing bis jetzt am Kleiderbügel und stammt aus dem Hause «La Vie en Rose» aus Amriswil. «Ich bin die erste Apfelkönigin, die ein solches Outfit trägt», sagt Melanie Maurer. Rasch schlüpft sie ins neue Gewand und dreht sich mit einem strahlenden Lächeln um die eigene Achse. «Sehr elegant. Es trägt sich gut», freut sie sich. Mit einem Oberteil aus Spitze, einem Wickelrock, der sich je nach Wunsch beidseitig tragen lässt – entweder in elegantem Schwarz oder als textiler Traum mit Apfelmotiven. Passend zur Krone präsentiert die junge Sulgerin ein eigens angefertigtes Armband. Das neue Ensemble wird bei künftigen Auftritten der bewährten Thurgauer Tracht ab und an die Show stehlen. «Je nach Anfrage trete ich im neuen Outfit oder in der Tracht auf», erklärt Melanie Maurer.

Eine Kindheit in der Obstanlage

Ihre Verbundenheit zu «Mostindien» wurzelt tief. «Meine Grosseltern hatten einen Obstbaubetrieb», erzählt sie. Sie hat viel Zeit am und unter dem Baum verbracht. Auflesen. Ablesen. In die Mosti fahren. Vor allem ihr Grossvater hat sie mit seiner Hingabe an den Obstbau geprägt. «Er hat mir den Unterschied zwischen Quantität und Qualität vermittelt», erzählt sie.

«Ein perfekter Apfel war für ihn ein Sinnbild für eine bewusste Lebenseinstellung.»

Ihr grosses Vorbild ist leider verstorben. Am Tag ihrer Wahl hätten die Grosseltern eigentlich Hochzeitstag gefeiert. «Ich stelle mir gern vor, dass er von oben zugesehen und mich angespornt hat», meint Melanie Maurer sichtlich berührt. Äpfel, die bis heute in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielen. Öpfelchüechli sind für die 21-Jährige eine Delikatesse. «Oder die Maurer-Apfeltorte», schmunzelt sie. «Meine Mutter hat dafür ein bestehendes Rezept abgewandelt… sehr lecker!»

Ein tüchtiger Schupf war nötig

Ihren neuen Titel trägt sie mit Freude. «Aber es hat einen tüchtigen Schupf von einem Kollegen gebraucht, damit ich mich für das Casting anmelde.» Ihrer Familie hat sie zuerst nichts von ihrer Kandidatur gesagt. «Erst als ich in die engere Auswahl kam, habe ich sie spätabends angerufen», erinnert sie sich mit einem Lachen.

«Am Anfang war ich die Ruhe selbst.»

Gegen Ende – als nur noch eine Handvoll Kandidatinnen auf der Bühne standen – flatterten dann doch die Nerven. Dabei steht sie im Alltag mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Die Natur hat es ihr angetan. Addiert man noch ihr Flair für Geometrie und Mathematik hinzu, geht die berufliche Gleichung rasch auf: Melanie Maurer arbeitet als Geomatikerin für ein St. Galler Unternehmen. «Am liebsten arbeite ich auf dem Feld», erzählt sie. Ihre Berufskollegen teilen ihre Freude an ihrem neuen Amt und quittieren ihre neuen Würden mit einem ironischen Augenzwinkern. In ihrer Mailbox findet sie E-Mails mit der Anrede «ihre königliche Hoheit».

Den Thurgauer Dialekt spricht sie mit Selbstvertrauen. «Wir haben mehr zu bieten als Äpfel und Erdbeeren», betont sie. Ihre königlichen Pflichten führen sie quer durch die Schweiz und sogar bis ins ferne Ausland. Im Mai darf sie ein Schiff in Moskau taufen.

«Wann käme ich sonst wohl je nach Russland?»

Aber egal, ob in weiter Ferne oder direkt vor der eigenen Haustüre. Am meisten freut sie sich auf viele neue Begegnungen. «Menschen treffen, mit ihnen ins Gespräch kommen. Das ist eine Lebensschule.» Viel Freizeit bleibt bei soviel Amt und Würden nicht. Die Passion für anspruchsvolle Scherenschnitte wird da wohl ein bisschen warten müssen. Oder die Schwyzerörgeli-Duette mit ihrem Bruder Pascal und ihr Einsatz als Skilehrerin. Aber da winkt sie mit einem herzhaften Lachen ab. «Alles zu seiner Zeit.» Mit geschickten Händen arrangiert sie die Schärpe mit dem Schriftzug «Thurgauer Apfelkönigin» über das neue Outfit. Egal ob im neuen Kleid oder in der Tracht: «Ich will den Thurgau von seiner schönsten Seite zeigen.»

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