Die Kleinsten lernen im Kita-Zirkuswagen in Hüttwilen spielerisch

Seit rund einem Jahr steht auf der Wiese oberhalb der Gemeindekanzlei in Hüttwilen ein blau-gelber Zirkuswagen, der als Kindertagesstätte dient. Trotz engen Platzverhältnissen bewährt sich das nicht alltägliche Angebot.

Christine Luley
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Die Kinder beweisen beim Bänkli-Balancieren mit Leiterin Nadja Zoller (links) Geschicklichkeit und Mut. (Bild: Christine Luley)

Die Kinder beweisen beim Bänkli-Balancieren mit Leiterin Nadja Zoller (links) Geschicklichkeit und Mut. (Bild: Christine Luley)

Das Innere des Wagens ist mit hellem Täfer ausgekleidet, schlicht und funktional eingerichtet: Garderobe, Sanitärbereich, Küche, grosser Esstisch mit Eckbank. Der einem grossen Etagenbett nachempfundene Ruhebereich vermittelt Geborgenheit. Für die Kitaleiterin Nadja Zoller hat der Arbeitstag um halb sieben begonnen.

Als Erster trifft der fünfjährige Markus* ein. Er ist noch nicht so kommunikativ und zieht sich mit einem Büechli in die Kuschelecke zurück. Nachdem die übrigen Kinder da sind, wird gefrühstückt. Um acht Uhr machen sich die Grossen auf den Weg in den Kindergarten.

Ein Blick ins Innere des Zirkuswagens. (Bild: PD)

Ein Blick ins Innere des Zirkuswagens. (Bild: PD)

Mit der richtigen Kleidung können Kinder bei fast jedem Wetter draussen Spass haben. Die Besucherin erfährt, dass man bei Regen über Pfützen springen oder die Regentropfen mit der Zunge fangen kann. Um 10 Uhr ist es noch etwas frisch, ein Mädchen muss überzeugt werden, dass es eine Jacke anziehen soll. «Jetzt machen wir im Garten einen Parcours», meint Zoller und erklärt die verschiedenen Stationen. Mit von der Partie sind die Betreuerin Valentina Cirigliano und eine Schnupperstiftin.

Grob- und Feinmotorik verfeinern

Die Mädchen und Buben rennen begeistert los. Die Besucherin erfährt von der Leiterin, dass die Kinder bei einem Parcours die Grob- und Feinmotorik verfeinern, balancieren und sich den Weg merken müssen. «Hee Buebä, was ist los?»

Zoller zieht die beiden Streithähne auseinander. Keine Antwort. Der eine hat dem anderen den Ball vor der Nase weggeschnappt. «Wer schiesst zuerst?» – «Du hast dich vorgedrängt, dann wäre es fair, wenn du Marco* vorlassen würdest», schlägt die Leiterin vor. Zoller fügt hinzu: 

«Wir versuchen Konflikte nach Möglichkeit durch die Kinder selber lösen lassen.»

Im Zirkuswagen steht ein Vierjähriger auf einem Taburett, schält Rüebli und schneidet sie in Stücke. Er trägt eine grosse Kochmütze, um den Bauch hat er eine Schürze gebunden. Valentina Cirigliano stellt ihn vor, «das ist Kaspar* unser heutiger Chefkoch». Die Betreuerin bereitet mit ihm das Mittagessen vor und unterstützt ihn bei der Schneidearbeit. «Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kindern nicht», mahnt der Kinderbuchklassiker Struwwelpeter.

Für die ältere Generation war die Botschaft klar, Finger weg! Das scheint heute nicht mehr zeitgemäss. «Wir lehren die Kinder, mit den Utensilien umzugehen und überall, wo es möglich ist, sie einzubeziehen», meint Cirigliano. Denn die Kinder wollen die Alltagstätigkeiten der Erwachsenen nachahmen.

Klein und familiär mit intensivem Bezug zum Kind

«Brumm, brumm, brumm, isch das en Laschtwage? – Nei das isch üsen Magä», singen die Kleinsten voller Inbrunst. Dann wird gegessen. Das Menü mit Chili con Carne und Schupfnudeln findet Anklang. Helfen beim Abtrocknen ist danach Ehrensache, darauf folgt gemeinsames Zähneputzen. Dann heisst es ab ins Bett für die Kleinen und Pause im Kuschelraum für die Grossen.

Im Zirkuswagen bieten sich Sitz- und Spielmöglichkeiten. (Bild: PD)

Im Zirkuswagen bieten sich Sitz- und Spielmöglichkeiten. (Bild: PD)

Was unterscheidet die Kita im Zirkuswagen von einer Konventionellen? – «Hier ist alles kleiner und familiärer, dadurch ergibt sich ein intensiverer Bezug zum Kind», sagt Cirigliano. Die Platzbeschränkung sei bei der Einrichtung eine Herausforderung gewesen, sich klar zu werden, «was braucht es wirklich», berichtet Nadja Zoller und ergänzt: «Bei der Gruppenaufteilung mit der Enge klar zu kommen, ist sowohl eine Chance als auch eine Abwechslung.»

Im Moment ist die Masernimpfung in der Öffentlichkeit ein Thema. Was sagt die Leiterin der Kita Zauberzirkus dazu? «Wir schreiben den Eltern nicht vor, was sie impfen sollen und was nicht. Da wir in den Wald gehen, empfehle ich die Zeckenimpfung», meint Nadja Zoller.

* Name der Redaktion bekannt

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