Am Tag des Denkmals in Frauenfeld sind einem die Kleinen besonders lieb

Nicht die grossen Bauten, sondern die Waschstuben, Gartenlauben, Schöpfli und Spielhüsli standen am diesjährigen Tag des Denkmals im Fokus. Unter dem Titel «Mis Hüsli und ich» konnte man einen Blick in kuriose Privaträume in ganz Frauenfeld werfen.

Hugo Berger
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Antiquar und Mieter André Viard mit Denkmalpfleger Stephan Kraus vor der Haffter'schen Schreibstube. (Bild: Hugo Berger)

Antiquar und Mieter André Viard mit Denkmalpfleger Stephan Kraus vor der Haffter'schen Schreibstube. (Bild: Hugo Berger)

War es wegen des Herbst- und Erntefests oder des 2-Stunden-Laufs? Besucher waren am Tag des Denkmals auf dem Rundgang jedenfalls kaum auszumachen. Das war schade, denn unter dem Titel «Mis Hüsli und ich» waren bemerkenswerte und originelle Kleinbauten wie Schöpfli, Wöschhüsli oder Remisen zu besichtigen.

«Die Eigentümer haben uns ausnahmslos die Türe gerne aufgemacht und werden die Besucher willkommen heissen», sagte Denkmalpflegerin Bettina Hedinger zum Auftakt des Anlasses am Samstagvormittag im Verwaltungsgebäude.

Ein Hüsli habe keinen Selbstzweck, es habe nur zusammen mit seinem Nutzer einen Sinn. Um dies zu illustrieren, bringe man es jeweils bewusst mit einem Menschen in Verbindung, erklärte Hedinger weiter.

Das Kinderspielhaus, das an der Neuhauserstrasse in einem idyllischen Garten unter Bäumen steht, hat eine sehr junge Nutzerin, nämlich die zehnjährige Jael Müller. «Ich lade oft Gspänli ein, und wir verbringen viel Zeit in meinem Kinderspielhaus», sagt Jael. Doch ein Haus bringe auch Pflichten mit sich, wendet die Mutter ein. Es müsse zum Beispiel geputzt werden. Jeden Frühling, und Jael müsse da auch tüchtig mithelfen. Entdeckt hat das Haus vor zwölf Jahren Jaels Vater, der Architekt Gabriel Müller. Es stand damals in Alterswilen, wo es zum Abreissen vorgesehen war, weil es keine Funktion mehr hatte. Wie spektakuläre Bilder zeigen, wurde das Häuschen als Ganzes transportiert und mit einem Kran in den Garten gehievt. Denkmalpflegerin Britta Hentschel schätzt das Alter des Häuschens auf knapp 100 Jahre. Interessant sei vor allem, dass es Elemente eines Berner Bauernhauses ausweise. Ihre Erklärung dazu: Damals wanderten viele Berner Milchbauern in den Thurgau aus. Hat sich ein Heimwehberner mit dem Häuschen einen Traum verwirklicht?

Nicht wertvoll, aber bemerkenswert

Nicht all zu weit von der Neuhauserstrasse entfernt, nämlich in der Speicherstrasse, haben die Berner ebenfalls Spuren hinterlassen. Dort steht neben einer stattlichen Villa ein brettverschalter, einfacher Holzbau nach Berner Vorbild mit steiler Aussentreppe und umlaufender Laube. «Das Gebäude ist nicht wertvoll, sondern bemerkenswert», stellt Denkmalpfleger Christian Coradi fest. Bemerkenswert sei das einfache Nebengebäude deshalb, weil es gleichzeitig mit dem stattlichen Wohnhaus gebaut worden sei und zu den charakteristischen Bauten gehöre, die das Villenquartier ausmachten.

«Man wollte mit dem Speicherbau den Bezug zum gesunden, bäuerlichen Landleben dokumentieren», so Coradi.

Der obere Stock des Gebäudes wird derzeit zum Sitzungszimmer umgebaut.

Hausbesitzerin Jael Müller mit Mutter Susanne Müller vor dem historischen Kinderspielhaus. (Bild: Hugo Berger)

Hausbesitzerin Jael Müller mit Mutter Susanne Müller vor dem historischen Kinderspielhaus. (Bild: Hugo Berger)

Ein richtiges Schmuckstück ist der fachwerksichtige Kleinbau mit Walmdach, der neben dem zugehörigen Wohnhaus an der Ecke Spannerstrasse/Staubeggstrasse steht. Erbaut wurde er 1888 als Schreibstube und Waschhaus vom Arzt und Autor Elias Haffter (1850 bis 1907).

«Es ist ein wunderbarer Raum, und alles wurde zum Glück im Original erhalten», schwärmt André Viard, der das Häuschen gemietet hat und dort ein Antiquariat betreibt.

Mit dieser Nutzung hat die ehemalige Schreibstube eine würdige Nachfolge gefunden. Die Bücher erzählen vom Leben und Sterben der Menschen im vorigen Jahrhundert. So wie es auch die auf dem Rundgang präsentierten Kleinbauten tun.

FRAUENFELD: Auf Entdeckungsreise im Grünen

Kultur findet auch in Gärten und Parks statt. Das hat das Amt für Denkmalpflege an den Europäischen Tagen des Denkmals an sechs Orten in Frauenfeld gezeigt.
Christine Luley