Die kleine Raupe Nimmersatt in echt in Frauenfeld erleben

In einem der Gewächshäuser der Frauenfelder Gärtnerei Küng wachsen derzeit tropische Schmetterlinge heran.

Stefan Hilzinger
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Claudia und Florian Küng bestaunen mit ihren Kindern einen Schmetterling. (Bilder: Reto Martin)

Claudia und Florian Küng bestaunen mit ihren Kindern einen Schmetterling. (Bilder: Reto Martin)

Die Idee entstand auf der Küng’schen Dachterrasse. In der Bepflanzung tummelten sich Räupchen, die das Interesse der Kinder weckten. Es waren Raupen des heimischen Distelfalters. «Ja, die Geschichte der ‹Kleinen Raupe Nimmersatt› gehört seither zu unserem Repertoire», berichtet Juniorchefin Claudia Küng vom gleichnamigen Frauenfelder Blumen- und Gartengeschäft. So wie sich die pummelige Raupe in Eric Carles Kinderbuchklassiker zu einem filigranen Schmetterling mausert, so entwickeln sich derzeit tropische Schmetterlinge in einem der Gewächshäuser.

Seit heute ist das kleine Papiliorama an der Hohenzornstrasse geöffnet, für Kunden und Interessierte während der Öffnungszeiten bis 21. September frei zugänglich. Bis dahin sollen dort bunte, tropische Schmetterlinge verschiedener Arten schlüpfen. Am heissen Freitagnachmittag flatterten um die hundert Sommervögel durch die begehbare Anlage.

Einer der exotischen Schmetterlinge auf einer Futterpflanze.

Einer der exotischen Schmetterlinge auf einer Futterpflanze.

Um das Schmetterlingshaus herzurichten, waren einige Vorarbeiten nötig. «Wir haben das Gewächshaus ausgeräumt, mit Netzen ausbruchsicher gemacht und mit passenden Pflanzen eingerichtet», sagt Geschäftsleiter Florian Küng. Denn wie die Raupe im Buch sind die frisch flügge gewordenen Schmetterlinge auf passende Futterpflanzen angewiesen. Küng sagt:

«Da gibt es etwa Echinacea, Bananenstauden oder auch Orangenbäumchen»

Ehefrau Claudia fügt an: «Es hat auch Futterpflanzen für Raupen.» – falls sich aus abgelegten Eiern wieder solche entwickeln sollten. Nein, ein neues Hobby sei die Schmetterlingszucht nun nicht. «Dennoch mussten wir uns in vieles einlesen», sagt Florian Küng, etwa dazu, welches Klima für die Entwicklung der Insekten notwendig ist: Konstant 24 Grad und etwa 80 Prozent relative Luftfeuchtigkeit sind das Mass der Dinge.

Die aus England angelieferten Puppen entwickeln sich auf dünnen Zweigen.

Die aus England angelieferten Puppen entwickeln sich auf dünnen Zweigen.

Die schlupfreifen Puppen werden per Post aus England geliefert. «Nur in diesem Stadium können sie verschickt werden», sagt Florian Küng. Mit etwas Heissleim klebt er die Puppen auf dünne Zweige, die er dann in ein Gestell steckt, wo die Falter später schlüpfen.

Zwischen Marketing und Anschauungsmaterial

Bereits haben sich mehr als zehn Schulklassen angemeldet, die das temporäre Schmetterlingshaus besuchen wollen. «Das Erlebnis soll den Besuchern die Natur näher bringen», sagt Florian Küng. Die Sache dient aber primär dem Marketing, wie der Blumen- und Gartenunternehmer sagt: «Als Detaillisten müssen wir der Kundschaft mehr und mehr Erlebnis bieten.»

Mit der Fertigstellung der neuen Gewächshäuser im vergangenen Jahr bot sich nun die Gelegenheit, einen Teil der älteren Glashäuser wenigstens zeitweise umzunutzen. «Die Zeit zwischen Sommersaison und Wintersaison ist dafür ideal», sagt Florian Küng. Vor allem der Arbeitsaufwand für das Herrichten des Schmetterlingshauses sei beträchtlich gewesen. Die Aktion koste insgesamt einen fünfstelligen Betrag.