Die grosse Christbaum-Frage: Mieten oder kaufen?

Der Trend, Christbäume in Töpfen für das Weihnachten zu mieten, hat den Thurgau erreicht. Beat Kressibucher aus Berg setzt auf dieses Modell. Markus Oettli aus Amriswil findet dies wenig nachhaltig.

Lukas Gerzner
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Beat Kressibucher aus Berg vermietet Christbäume. Auf dem Bild mit einem sogenannten Mietbaum. (Bild: Reto Martin)

Beat Kressibucher aus Berg vermietet Christbäume. Auf dem Bild mit einem sogenannten Mietbaum. (Bild: Reto Martin)

Das Thema Nachhaltigkeit macht auch vor dem Weihnachtsfest nicht Halt. Neuerdings steht der Christbaum im Zentrum der Diskussion: Wieso einen rund siebenjährigen Baum kaufen, den man für einige Tage oder Wochen in die Stube stellt, um ihn dann wieder zu kompostieren? Eine vermeintliche Lösung ist in der Westschweiz entstanden und hat mittlerweile auch den Thurgau erreicht: Nachhaltige Christbäume.

«Die Idee zum Christbäume im Topf zu vermieten, ist aus der wachsenden Nachfrage entstanden», sagt Beat Kressibucher. Der Produzent aus Berg bietet Tannen zum Mieten an, die nach dem Fest wieder zurückgebracht werden können. Keressibucher «verkauft» zwischen 100 und 200 Tannen auf diese Weise. Gerade Rentner, die geplant haben, keinen Baum mehr zu kaufen, würden sich über dieses Angebot freuen: «Sie müssen den Baum weder für den Ständer anspitzen, noch mühsam entsorgen, sondern können ihn gleich im Topf lassen», sagt Kressibucher.

Markus Oettli aus Amriswil handelt mit Weihnachtsbäumen. Er findet Mietbäume nicht so gut. (Reto Martin)

Markus Oettli aus Amriswil handelt mit Weihnachtsbäumen. Er findet Mietbäume nicht so gut. (Reto Martin)

Bäume stellen sich in der Wärme auf den Frühling ein

Kritisch sieht das Markus Oettli. Der Christbaumproduzent aus Amriswil bietet bewusst keine Christbäume zur Miete an. «Wenn Tannen über längere Zeit an der Wärme stehen, stellen sie sich auf den Frühling ein», sagt Oettli. «Wenn sie zum Christbaumanbieter zurückkommen, sterben sie trotzdem ab.»

Beat Kressibucher ist sich dieses Problems bewusst und legt deshalb Wert auf Beratung: «Wir informieren die Kunden darüber und geben ihnen eine Anleitung, wie sie ihren gemieteten Christbaum pflegen sollen.» Einerseits brauche der Christbaum regelmässig Wasser. «Andererseits sollte der Baum auch ab und zu an die Kälte gestellt werden, damit er nicht für den Frühling austreibt.» Die meisten Kunden hätten von sich aus Fragen zur richtigen Pflege, weiss Kressibucher.

Für Markus Oettli bleibt der Begriff der Nachhaltigkeit trotz solcher Anleitungen fehl am Platz:

«Die Ökobilanz solcher Topftannen ist nicht besser als diejenige der anderen.»

Das Bringen und Holen sei insgesamt mindestens gleich aufwendig. «Zudem sind neben den wenigen heimischen Produzenten viele dieser Topftannen importiert», sagt Oettli. Auch sei die irrtümliche Angst im Umlauf, die normale Christbaumnutzung würde Waldbestände dezimieren. «Christbäume werden geplant angepflanzt und wieder geerntet, das ist ein Kommen und Gehen.»

Nordmanntannen haben gewaltige Wurzeln

Beat Kressibucher nimmt seine Kunden bei mangelnder Christbaumpflege nicht in die Verantwortung. «Den Preis gezahlt haben sie so oder so», sagt der Produzent aus Berg. Die getopfte Nordmanntanne ist je nach Grösse zwischen 20 bis 40 Franken teurer als die geschnittene. Klar müsse er bei schlechter Handhabung auch mal eine Ermahnung aussprechen.

«Wenn jemand dem gemieteten Baum die Spitze abgehauen hat, sollte ihm klar sein, dass dies bei einem lebenden Baum nicht geht.»

Die Frage der Natürlichkeit bei Topftannen stellt sich auch für Markus Oettli – doch eher generell: «Nordmanntannen sind Pfahlwurzler und haben etwa gleich viel Volumen unter der Erde, wie über der Erde sichtbar ist.» Ein Abschneiden der Wurzeln, um die Nordmanntanne in einen Topf zu kriegen, komme «einer Verstümmelung gleich».