Die Goethe-Schwärmerin: Daniela Colombo kennt alle Werke des Dichters


Daniela Colombo unterrichtet seit elf Jahren an der Kantonsschule Romanshorn Deutsch. Dem Dichter Johann Wolfgang Goethe gilt ihre absolute Leidenschaft. Die Begeisterung sollen auch ihre Schüler spüren.

Annika Wepfer
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Kanti Romanshorn: Daniela Colombo mit einem Goethe-Playmobil zwischen den Werken des Dichterfürsten in der Mediothek. (Bild: Donato Caspari)

Kanti Romanshorn: Daniela Colombo mit einem Goethe-Playmobil zwischen den Werken des Dichterfürsten in der Mediothek. (Bild: Donato Caspari)

Daniela Colombo kennt jedes der Werke von Goethe in der Mediothek der Kantonsschule Romanshorn, und weiss genau, wo sie sich befinden. Auch bei ihr zu Hause im stankt-gallischen Rapperswil begegnet man dem Dichter sehr oft. In ihrem Garten steht eine grosse Goethe-Büste, die mit einer feierlichen Goethe-Party eingeweiht wurde. Auch ein rares Büchlein mit Goethes Handzeichnungen liege ihr sehr am Herzen.

Im Gespräch spürt man ihre Begeisterung für den Dichter. «Das, was mich an Goethes Werken so begeistert, ist die Zeitlosigkeit. Alle Themen, die er behandelt, sind auch heute noch aktuell», sagt die 54-Jährige.

Der Dichterfürst

Johann Wolfgang von Goethe lebte von 1749 bis 1832. Er wurde in Frankfurt am Main geboren und lebte ab seinem 26. Lebensjahr in Weimar, wo er auch starb. Neben dem Schreiben interessierte er sich für Naturforschung. Er gilt auch heute noch als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter. (anw)

Die Faszination der Lehrerin gilt aber nicht nur Goethe als Dichter. Vor allem interessiert sie seine anderen Seiten: der Politiker und Künstler in einem, der Mensch, der gegen die damalige Konvention mit seiner Frau im Konkubinat lebte und der ein Dichter war, der gelernt hatte, dass das Leben nicht einfach sei.

Die Begeisterung wurde immer grösser

Seit elf Jahren unterrichtet Daniela Colombo Deutsch an der Kantonsschule Romanshorn. Am Lehrerseminar und anschliessend im Studium war die Faszination für Goethe noch klein. Erst nach einem Auslandssemester 1990 in Berlin habe sich das Interesse für Goethe angeschlichen. Ein Grund dafür seien auch ihre Besuche in Weimar. Seit dem 26. Lebensjahr war es der Wohnort des Dichters gewesen.

Auch wenn es ihre Schüler nie zugeben würden, merkt sie doch einigen ein gewisses Interesse an.

«Vor allem, wenn man die Texte und Werke nicht zu Tode interpretiert.»

Die letzte Abschlussklasse von Daniela Colombo schenkte ihr sogar ein T-Shirt mit einem Goethe-Zitat. «Ich habe schon einige Male Karten von Schülern bekommen, die sich nach Weimar verirrt hatten und an meinen Deutschunterricht denken mussten.»

«Goethe ist heute nicht mehr so bekannt»

«Es ist mehr als Wahrheit, es ist Dichtung.» Dieses Zitat aus «Goethe, der Film» ist Daniela Colombo das liebste. Dieser Film und auch andere nicht so bekannte Werke des Dichterfürsten würden heutzutage viel zu wenig anerkannt werden, meint Colombo. «Fragt man Leute am Bahnhof nach Goethe, so wissen sie zwar, dass er ein Autor war.» Einige würden vielleicht das Drama «Faust», eines ihrer Lieblingswerke, und vielleicht sogar «Die Leiden des jungen Werther» kennen. «Aber viel mehr ist wohl nicht hängen geblieben.»

Darum möchte die Kanti-Lehrerin mit ihrer Goethe-Faszination auch etwas bei ihren Schülern bewirken. «Mir ist es sehr wichtig, dass meine Schüler meine Begeisterung spüren.»