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Die glückliche Dreizehn der Steckbornerin des Jahres

Seit 13 Jahren wohnt Architektin und Malerin Cornelia Bein an der Kirchgasse 13. Dieses besondere Ereignis feiert die Steckbornerin des Jahres 2018 mit Anlässen an jedem 13. des Monats.
Margrith Pfister-Kübler
Cornelia Bein, Architektin, Netzwerkerin und Kulturschaffende, daheim in der Steckborner Altstadt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Cornelia Bein, Architektin, Netzwerkerin und Kulturschaffende, daheim in der Steckborner Altstadt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Vorsichtig steigt man im «Zum Obern Haus» an der Kirchgasse 13 in Steckborn die abgelaufene Holztreppe hinauf von den Ausstellungsräumen in die Kulturwerkstatt-Etage, die Hände fest am Treppengeländer. In diesem Haus lebt Cornelia Bein, Jahrgang 1949, mit ihrem Lebenspartner Hans Streit.

Beim Blick durch die Fenster wechseln sich die Ansichten der auseinander- und ineinanderlaufenden Altstadtdächern. Cornelia Bein empfängt gerne Besucher, weist auf die Wand im Treppenhaus, von ihr selbst neu bemalt in sanften Farben, was fast schon automatisch für heitere Stimmung sorgt.

Zielgerichtet zeigt sie im Parterre auf ein Bild mit einem Häuschen mit blauer Fassade, vielen Fenstern mit braunen Fensterläden und einem sonnengelbem Dach. «Dieses Haus habe ich als Vierjährige gezeichnet», sagt sie strahlend und rechnet: das war 1953. Sie spricht mit dem melodiösem Basler-Tonfall ihrer Familie, ihren drei Geschwistern, mit denen sie im Baselbiet aufgewachsen ist– genau gesagt in Bottmingen im Bezirk Arlesheim.

Ja, tatsächlich Mathematik, geometrisches Zeichnen und goldene Schnitte waren ihre Stärken im Basler Mädchengymnasium, quasi der Keim für ihre Faszination für Architektur und Kunst. «Da war ich immer gut, aber ich habe auch als Teenie gern Pulli glismet», sagt sie, denn eine Selbstverständlichkeit ist das Lisme für sie nicht unbedingt.

Richtig viel Taschengeld für eine Statistenrolle

Reiten, Modern Dance und Theaterproben-Schauen nennt sie als Hobbies. «Als Volk» fand sie sogar eine Rolle in einer Aufführung auf dem Basler Münsterplatz mit Schauspieler und Regisseur Christian Quadflieg.

«Drei Franken pro Probe und fünf Franken pro Aufführung wurde ausbezahlt, richtig viel Taschengeld.»

«Dran bleiben und sich verbeissen in ein Projekt», das habe sie von ihrem Vater gelernt, von der Mutter das Gespür für Farben, erzählt sie. Und weil sie ihr Gegenüber mit aufmerksamem Blick ansieht und spürt, dass die Besucherin auf weitere Erklärungen wartet, fügt sie hinzu:

«Ich bin eine Schafferin. Und ich kann mich schon aufregen.»

Im Jahr 1976 hat sie ihr Architekturstudium an der ETH abgeschlossen. «Keine Aussicht auf Arbeit», sagt sie rückblickend. ETH-Architekten galten als Theoretiker. Sie bewarb sich als Mitarbeiterin bei Projekten, zuerst in Italien. Mit 2000 Franken Kapital machte sie sich Anfang 1977 auf nach Barcelona, ohne Aussicht auf eine Arbeit.

Doch nach zwei Tagen hatte sie schon welche. «Ich wurde gut aufgenommen in Barcelona. Tief in meinem Innern bin ich katalanisch geworden, ein Teil von meinem Herz ist in Barcelona», erzählt sie. Sie durfte beim Bau des drittgrössten Sportzentrum Spaniens in der Nähe von Madrid mitarbeiten.

Das Wunsch-Haus in der Altstadt

«Ich habe halt Glück gehabt», fügt sie hinzu. Zurück in der Schweiz bekam sie als «erste Architektin» beim Hochbauamt St. Gallen, zuvor in Schaffhausen, eine Anstellung als Projektleiterin. Wie war es mit der Diskriminierung in dieser Berufssparte? «Die gibt es immer noch», sagt Bein, darüber verärgert, dass sie kürzlich als «Kosmetikerin von Steckborn» betitelt wurde.

Doch wie kam sie auf Steckborn als Wohnort? Im Internet hat sie Thurgau und Haus eingegeben. So fand sie die Liegenschaft «Zum Obern Haus», Kirchgasse 13, die zuvor fünf Jahre lang leergestanden ist. «Wünschen ohne Wenn und Aber», dieser Satz ist ihr bei einer Standortbestimmung im 50. Lebensjahr begegnet. Sie erkannte das Potenzial von Steckborn. Hier wünschte sie sich ein Haus und sie machte aus der Ruine ein Bijou.

So ist sie in Steckborn geblieben, baut Brücken zwischen den Kulturen, setzt sich für familientaugliche Wohneinheiten ein. 13 ist ihre Glückszahl, das Unterseestädtchen ihre neue Heimat. Vor 13 Jahren eröffnete sie die Kulturwerkstatt. An jedem Dreizehnten eines Monats wird nun ein Anlass durchgeführt. Konzerte, Workshops, Lesungen und Ausstellungen.

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