Diessenhofer Gemeindeschwester geht in Rente

37 Jahre lang arbeitete Bernadette Ruch als Krankenpflegerin. Am Anfang besuchte sie die Klienten noch mit dem Fahrrad. Und wenn es bei den Besuchen keinen Strom gab, behalf sie sich mit einer Taschenlampe.

Thomas Brack
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Bernadette Ruch arbeitete 37 Jahre lang als Krankenpflegerin, seit dem 1. Oktober ist sie Rentnerin. (Bild: Thomas Brack)

Bernadette Ruch arbeitete 37 Jahre lang als Krankenpflegerin, seit dem 1. Oktober ist sie Rentnerin. (Bild: Thomas Brack)

«Für mich stand immer der pflegebedürftige Mensch im Zentrum», sagt die Spitex-Mitarbeiterin Bernadette Ruch. Per Ende September ist sie in den Ruhestand getreten. Begonnen hatte sie ihre Arbeit als junge Krankenpflegerin am 1. Januar 1981. Angestellt war sie von der damaligen Munizipalgemeinde Diessenhofen-Willisdorf, repräsentiert vom mittlerweile verstorbenen Stadtammann Ernst Ott.

Bernadette Ruch erzählt von den Anfängen: «Die Utensilien waren sehr spartanisch. Blutdruck-, Blutzuckerapparate, Verbandsmaterial und eine grosse Agenda hatten in einem ‹Chörbli› auf meinem Velo Platz. Damit besuchte ich die Pflegeempfänger.» Das Büro hatte sie sich zu Hause eingerichtet. Tag und Nacht sei sie erreichbar gewesen.

Besonders erwähnt sie, dass sie kein klar definiertes Pflichtenheft hatte, sondern sich ihr Aufgabenfeld selbst erarbeitete. Zur Rundum-Betreuung gehörten nebst der Holzofeneinheizung auch die Warmwasseraufbereitung für die Körperpflege, die Zubereitung des Frühstücks, das Einkaufen sowie die medizinische Grundpflege. Auftraggeber waren nebst den Hausärzten auch Spitäler, Angehörige und Nachbarn.

Kein Strom und bedenkliche Hygieneverhältnisse

Oft traf Ruch auf einfache Wohnverhältnisse, und die Hygieneverhältnisse waren bisweilen bedenklich. «Wenn es keinen Strom gab, musste ich mir mit einer Taschenlampe behelfen.» Als belastend hat sie die Totenpflege in Erinnerung. «Doch die Begleitung im letzten Lebensabschnitt war mir eine Herzensangelegenheit», sagt sie. So hat sie auch zusätzliche Ausbildungen in der Palliativpflege und der Wundversorgung absolviert.

Als am 1. Januar 1993 der Spitex-Verein Diessenhofen-Willisdorf gegründet wurde, wuchs der Pflegedienst durch Fusionen mit Schlatt und später mit Basadingen-Schlattingen stetig und benötigte mehr Personal. So wurde aus der ehemaligen Einzelkämpferin eine geschätzte Spitex-Mitarbeiterin. Seit 2013 heisst die Organisation unter der Leitung von Esther Bucher Spitex Thurgau Nordwest, und die Büros sind in der ehemaligen Becker Kerzenfabrik an der Ziegeleistrasse in Diessenhofen untergebracht.

Zunehmende Digitalisierung bereitete Kopfzerbrechen

Mehr Personal erfordert mannigfache Verwaltungsarbeiten. «In den vergangenen Jahren nahm die Büroarbeit stetig zu», sagt Ruch. Diese gründe in der geforderten Nachweisbarkeit der erbrachten Leistungen. Die Verrechenbarkeit der einzelnen Pflegehandlungen ebenso wie die zunehmende Digitalisierung bereiteten der ehemaligen Vollblut-Gemeindeschwester manchmal Kopfzerbrechen.

Als zweites Standbein hat sich Bernadette Ruch auf die mobile medizinische Fusspflege spezialisiert. Diese Tätigkeit wird sie weiterführen. «Zudem freue ich mich, in Zukunft mehr Zeit für meine Familie und den Garten zu haben.» Denn während all der Höhen und Tiefen ihres Arbeitslebens sei ihre Familie immer der sichere Hafen gewesen. «Und der Ort, wo ich für meine anspruchsvolle Arbeit Kraft tanken konnte», betont Bernadette Ruch zum Abschluss des Gesprächs.