Die Gemeinde Pfyn will in Sachen Energiesparen Vorbild sein

Am ersten Energietag konnte sich die Pfyner Bevölkerung eingehend über das Thema Energie informieren.

Claudia Koch
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Kinder konnten am Pfyner Energietag mit fachkundiger Unterstützung ein Solarauto basteln. (Bild: Claudia Koch)

Kinder konnten am Pfyner Energietag mit fachkundiger Unterstützung ein Solarauto basteln. (Bild: Claudia Koch)

An einer Umfrage im Sommer 2018 hat die Pfyner Bevölkerung grünes Licht gegeben, sich auf den Weg zu einer 2000-Watt-Gemeinde zu machen. Ziel einer 2000-Watt Gesellschaft ist es, die Energie-Effizienz von Gebäuden, Geräten und Fahrzeugen zu erhöhen.

Welche Möglichkeiten sich für das Energiesparen und für die Nutzung erneuerbarer Energie bieten, zeigten am Samstag 10 Stände in der Mehrzweckhalle. Informationen und Beratung gab es etwa zu den Themen Fotovoltaik und Stromspeicher, zu energiesparenden Heizungssystemen wie auch zur Wärmedämmung.

Zwei lokale Bio-Landwirtschaftsbetriebe stellten ihre Produkte aus, die sie in ihren Hofläden verkaufen. Bio-Bauer Andreas Braun freut sich über eine treue Kundschaft:

«Die Leute kommen zum Teil von ausserhalb, da sie unsere regionalen Lebensmittel wie Eier, Hühnerfleisch oder Kartoffeln sehr schätzen.»

An einer Waage mit integriertem Computer konnten die Besucher ihren persönlichen CO2-Fussabdruck ausrechnen. Gut besucht war auch ein Basteltisch, an dem Kinder mit fachkundiger Unterstützung ihr eigenes Solarauto zusammenbauen und gleich darauf vor der Halle herumflitzen lassen konnten.

Energietag zur Sensibilisierung

Jacqueline MüllerGemeindepräsidentin Pfyn

Jacqueline Müller
Gemeindepräsidentin Pfyn

Pfyns Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller zeigte sich sehr erfreut über das grosse Interesse. Sie ist Mitglied in der achtköpfigen Energiekommission, die zusammen mit den Energiefachleuten Thurgau ein Gesamtenergieversorgungskonzept erarbeitet hat. «Der heutige Energietag ist dazu gedacht, die Leute erstmals vertieft zu informieren und zu sensibilisieren», sagte Müller.

Information sei deshalb wichtig, da es gerade beim Thema Gebäudesanierung viele Unsicherheiten gebe. Die Gemeinde will auch Vorbild in Sachen Energiesparen sein. So wurden alle Strassenlampen mit LED-Lampen bestückt.

Gemeinschafts-Solaranlage auf Werkhof geplant

Neu ist eine Gemeinschafts-Solaranlage auf dem Werkhofdach geplant, für die an der nächsten Gemeindeversammlung ein Kredit zur Abstimmung kommt. Bei dieser 300 Quadratmeter grossen Anlage, genannt PfynSolar, können Interessenten ein Stück Sonnenkollektor erwerben und sich Solarstrom für die nächsten 20 Jahre sichern. Sollte der Kredit genehmigt werden, wird PfynSolar im Herbst 2020 umgesetzt. Müller sagte:

«Somit kann jeder seinen Beitrag zur Energiewende beisteuern.»

Um die Unsicherheiten rund um die Gebäudesanierungen zu klären und das Förderprogramm vorzustellen, referierte Patrick Rinaldi von der kantonalen Energieabteilung. Er erläuterte die Auswirkungen der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich MUKen, die Mitte 2020 in Kraft treten soll. «Das Thema Heizungsersatz wird politisch am meisten diskutiert», sagte Rinaldi.

Ziel ist es, bei schlecht gedämmten Häusern der Verbrauch an fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Ausserdem sind Elektroheizungen und Elektroboiler durch neue Systeme zu ersetzen. Bei Neubauten soll auf Minergie und auf den Standardweg nach MUKen 14 gesetzt werden.

Seit diesem Jahr gibt es auch bei der Elektromobilität Förderbeiträge. 4000 Franken erhält eine Person, die sich für ein rein elektrisches Fahrzeug entscheidet und ein bestehendes Fahrzeug ausser Verkehr setzt. Davon profitiert hat auch Ivo Sonderegger aus Dettighofen, der sein Elektroauto nicht mehr hergeben würde.

Berg top, Abtwil Flop: So unterschiedlich nutzen Gemeinden die Solarenergie

In den Gemeinden der Region wird das Solarpotenzial unterschiedlich gut genutzt, wie eine WWF-Studie zeigt. Auf den hinteren Rängen befinden sich Abtwil, Muolen und Eggersriet. Die Spitzenplätze belegen Berg, Mörschwil und Waldkirch. Doch was sagt man in den betroffenen Gemeinden selbst zur Studie?
Michel Burtscher