Die Frauenfelder Zuckerfabrik dampft bis nach Neujahr

Mit 106 Tagen dauert die aktuelle Verarbeitungskampagne der Zuckerfabrik Frauenfeld so lange wie noch keine davor

Stefan Hilzinger
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Augenschein mit Werkleiter Joachim Pfauntsch auf dem Pneulader, der die angelieferten Rüben auf einen grossen Haufen schiebt.

Augenschein mit Werkleiter Joachim Pfauntsch auf dem Pneulader, der die angelieferten Rüben auf einen grossen Haufen schiebt.

(Bild: Andrea Stalder)

Traktor um Traktor samt Anhänger fährt auf den grossen, geteerten Platz vor die Zuckerfabrik Frauenfeld und entleert seine Fracht auf den Boden. Stefan Frei schiebt mit seinem Pneulader die kleinen Haufen zu einem grossen zusammen. Ist der Platz voll, lagern hier 18'000 Tonnen Zuckerrüben. «Der Vorrat reicht für knapp zwei Tage», sagt Werkleiter Joachim Pfauntsch. Aktuell verwandelt die Fabrik täglich gut 9000 Tonnen Rüben in weissen Kristallzucker. Zum Ende der Kampagne werden es gut 850'000 Tonnen Rüben gewesen sein.

Die laufende Kampagne 2019 war anspruchsvoll und nicht wie öfters üblich noch vor Weihnachten fertig. «Ich bin dankbar, weil wir tolles Personal haben, das mit der Situation umgehen kann», sagt Pfauntsch. Gross zum Feiern werden die Schichtarbeiter in der Fabrik nun nicht kommen. Immerhin hat die Kantine über die Festtage für ein Mittagessen geöffnet. Pfauntsch weiter:

«Und wenn Weihnachtsschmuck in der Fabrik angebracht wird, ist das auch in Ordnung.»

Zwar sei jede Kampagne für sich wieder speziell, die aktuelle sei aber besonders anspruchsvoll. Weil es im Oktober und Anfang November viel geregnet hat, kamen viele Rüben überdurchschnittlich verschmutzt aus der Erde.

Wegen Verschmutzung weniger Kapizität

«Der Besatz lag bei beträchtlichen neun Prozent», sagt er. «Besatz» bezeichnet die an den Rüben anhaftende Erde, Steine oder Pflanzenreste. Die Verschmutzung hatte zur Folge, dass die Fabrik mit reduzierter Kapazität gefahren werden musste. «Unsere Mitarbeiter haben aber laufend daran gearbeitet, das Verfahren zu optimieren», sagt Pfauntsch. So könne man aus den Erfahrungen jeder Kampagne für die nächste wieder lernen.

Erstmals üben Jahreswechsel in Betrieb

Wenn die Rübenverarbeitung wie jetzt geplant am Sonntag, 5.Januar, zu Ende ist, wird das Werk Frauenfelder an 106 Tagen in Betrieb gewesen sein, so lange wie noch nie zuvor. «Ja, es ist ein Rekord», sagt Pfauntsch. Die bisher längsten Kampagnen waren 2011 und 2014 mit je 103 Tagen. Neu ist auch, dass die Fabrik erstmals über den Jahreswechsel Rüben verarbeitet. (hil)

Wie viel Erde in der Fabrik dieses Jahr anfällt, macht er mit einer anderen Zahl deutlich: «Es sind 44'000 Tonnen abgepresste Rübenerde. Normalerweise ist es etwas mehr als die Hälfte.» Die Erde sei keineswegs Abfall, sondern diene als Rohstoff für die Garten- und Blumenerdeherstellung.

Fahrzeug um Fahrzeug kippt Rüben auf den betonierten Platz.

Fahrzeug um Fahrzeug kippt Rüben auf den betonierten Platz.

(Bild: Andrea Stalder)

Nicht nur den Rüben anhaftende Verunreinigung verlängerte die Kampagne, sondern auch unerwartet hohe Erträge. «Es ist immer schwierig, die Erntemenge zu schätzen», sagt Pfauntsch. Und in diesem Jahr sei ein neues Phänomen aufgetaucht: «Gegenüber der letzten Ernteerhebung Ende September gingen die letztlich erzielten Erträge pro Hektar nicht zurück wie üblich, sondern blieben etwa auf dem Niveau vom September», sagt er. Der Zuwachs der Rüben war bis in den November noch beträchtlich.

Strassenanfuhr auch über die Festtage

Nun sind die Rübenfahrzeuge bis zum 4. Januar auf den Strassen in und um Frauenfeld anzutreffen – mit Ausnahme des Weihnachtstages, des Sonntags, 29. Dezember, und des Neujahrstags. Per Bahn kommen die letzten Rüben am 29. Dezember aus Deutschland an. Nach dem 5. Januar fahren die Arbeiter das Werk zurück. «Etwas sehr Schönes hat die Kampagne auch: Unsere Silos und Lager sind alle proppenvoll», sagt Pfauntsch.