Die Frauenfelder Illustratorin Rina Jost hat die erste lebendige Briefmarke der Schweiz gestaltet

Anlass für die schweizweit erste animierte Marke ist das 125-Jahr-Jubiläum der Nationalbibliothek in Bern.

Mathias Frei
Hören
Drucken
Teilen
Die Ein-Franken-Marke zum Jubiläum der Nationalbibliothek.

Die Ein-Franken-Marke zum Jubiläum der Nationalbibliothek.

(Bild: PD/Die Schweizerische Post AG)

Dieses Geräusch, wenn man eine Briefmarke vom Bogen abreisst: Rina Jost liebt es. Nicht nur deshalb hat die Illustratorin vergangenen Donnerstag auf der Frauenfelder Hauptpost einen Grossteil des Erstvorrats der Sondermarke zu 125 Jahren Nationalbibliothek aufgekauft. Zehn Bogen à 20 Marken. Vor allem ist die Hundert-Rappen-Frankatur mit Erstausgabetag 5.März 2020 «ihre» Marke. Jost hat sie gestaltet.

Das allein gilt schon als Prestigeauftrag in der Branche. Die selbstständige Illustratorin mit Jahrgang 1987 indes ist noch einen Schritt weitergegangen. Die Marke ist die schweizweit erste animierte Frankatur, die 28 auf 33 Millimeter werden digital lebendig. Dafür braucht es die kostenlose Post-App auf dem Smartphone. Das nennt sich dann «Augmented reality», also gewissermassen eine computerunterstützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung.

In einem jurierten Wettbewerb durchgesetzt

Vor anderthalb Jahren wurde Jost der erste Förderpreis der Stadt Frauenfeld zuteil. Aktuell hat sie es auf die Short-List der «Illustration Competition 2020» der internationalen Fachzeitschrift «Communication Arts» geschafft. Rina Jost kennt man. So wurde sie vergangenes Jahr von der Schweizerischen Post zu einem Gestaltungswettbewerb eingeladen, bei dem sie sich gegen zwei Mitstreiter durchsetzen konnte.

Rina Jost.

Rina Jost.

(Bild: Donato Caspari)

Die Nationalbibliothek in Bern feiert ihr 125-jähriges Bestehen. «Diese Institution sammelt in verschiedensten Medienformaten zum Thema Schweiz», erklärt Rina Jost. Dabei werde natürlich die Schnittstelle zwischen analog und digital immer wichtiger. Dieser Spagat gab der Frauenfelderin den Anstoss für die Augmented-Reality-Marke. Sie arbeitet schon länger mit solchen Anwendungen.

«Aber es muss inhaltlich passen.»

So taucht auf der Frankatur eine Frau in Badekleidung und mit Taucherbrille in die mit Wissen geflutete Bibliothek ab, und liest in einem Buch. Auf einem Tischli hat es Kopfhörer, darunter befindet sich ein Laptop. Scannt man mit der Post-App die Marke, spaziert ein Krebs durchs Bild, und die Frau blättert im Buch. Den technischen Hintergrund bildet eine GIF-Datei, also ein Loop aus 44 Einzelbildern, der dreieinhalb Sekunden dauert.

Der Ersttagsbrief.

Der Ersttagsbrief.

(Bild: PD/Die Schweizerische Post AG)

«Ich habe grosse Freude am Ergebnis», sagt Jost. Obschon sie zu Beginn noch mit einzelnen Vorgaben zu kämpfen gehabt habe.

«Eine Herausforderung war, einen Schriftzug dreisprachig und in lesbarer Grösse zu integrieren.»

Dem wunderbar bunten Markensujet folgten aus Josts Hand auch der Ersttagsstempel und das Ersttagscouvert. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Post sei angenehm und professionell verlaufen. Dieser Auftrag ist nun abgeschlossen. Rina Jost wird es aber nicht langweilig. Es laufen immer mehrere Projekte gleichzeitig. Und aktuell betreibt sie mit ihrer Schwester und ihrer Tante noch bis 28.April den Innovent-Pop-up-Shop in der Frauenfelder Vorstadt.

www.rinajost.ch

Mehr zum Thema:

FRAUENFELD: Karaoke auf Filzstift

Wo bunte Einhörner und traurige Schildkröten auf Papier kommen: Illustratorin Rina Jost war Teil des schweizweit ersten Zeichnungskaraoke. Schauplatz war kürzlich das Wortlaut-Festival in St. Gallen.
Mathias Frei

FRAUENFELD: Dreieck und Hase auf Elefantenrücken

Als Dank für ihr Engagement zu Gunsten der Jugend hat die Stadt die Cevi am Freitag mit dem Anerkennungspreis belohnt. Zum ersten Mal hat sie auch einen Förderpreis verliehen. Er ging an die Illustratorin Rina Jost.
Hugo Berger

Hase auf Elefant auf grosser Reise

Zweieinhalb Monate im Zug von Moskau nach Shanghai, verdichtet in der illustrierten Erlebnisreportage «Der Hase auf dem Rücken eines Elefanten»: Das zeigt Rina Jost in der Stadtgalerie Baliere. Heute ist Ausstellungsvernissage.
Mathias Frei