Energiekehrtwende: Wängemer Gemeinderat beerdigt das Kleinwasserkraftwerk

Es hätte lokalen, umweltfreundlichen Strom produzieren können. Doch das Projekt Kleinwasserkraftwerk Neubrugg scheitert – trotz der Energiestrategie 2050.

Martin Sinzig
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Legen sechsjährige Arbeiten ad acta: Gemeindepräsident Thomas Goldinger und Markus Dick, Leiter der Technischen Betriebe. (Bild: Martin Sinzig)

Legen sechsjährige Arbeiten ad acta: Gemeindepräsident Thomas Goldinger und Markus Dick, Leiter der Technischen Betriebe. (Bild: Martin Sinzig)

Die Zeichen standen alle auf Grün: Für das Kleinwasserkraftwerk Neubrugg lag ein Entwurf zur baulichen Genehmigung vor, und es gab keinerlei Einsprachen. Ein bestehendes, altes Wehr hätte genutzt werden können, und die im Projekt integrierte Fischtreppe hätte zu einer ökologischen Aufwertung des Flussabschnittes geführt.

Vor allem aber wäre das kleine Kraftwerk an der Murg zu einer lokalen, umweltfreundlichen und stetigen Stromquelle geworden. Rund zwei Prozent des von den Wängemer Haushalten verbrauchten Stroms hätte sie gedeckt, und, anders als zum Beispiel bei der Photovoltaik, wäre die lokale Energie Tag und Nacht geflossen, während zehn Monaten im Jahr.

Baukosten haben sich verdoppelt

Nach sechsjährigen Vorarbeiten verschwindet das Projekt jetzt aber in der Schublade. Das hat der Gemeinderat so beschlossen. Für diesen Entscheid waren vor allem die hohen Gestehungskosten von über 30 Rappen pro Kilowattstunde ausschlaggebend gewesen, wie Gemeindepräsident Thomas Goldinger erklärt. Einerseits hätten sich die Energiebeschaffungskosten inzwischen praktisch halbiert, andererseits die Baukosten durch zusätzliche Auflagen verdoppelt.

Unter diesen Rahmenbedingungen könne ein Kleinwasserkraftwerk nicht sinnvoll betrieben werden, sagt Goldinger. Es sei sehr bedauerlich, dieses Projekt stoppen zu müssen, denn das kleine Flusskraftwerk hätte, ganz im Sinn der aktuellen energiepolitischen Zielsetzungen, nachhaltig lokale und umweltfreundliche Energie produziert.

Das drei Meter hohe Wehr der Murg im Gebiet Neubrugg diente einst der Energieversorgung der Weberei Wängi. Es hätte für das Kleinwasserkraftwerk genutzt werden sollen. (Bild: Olaf Kühne, Oktober 2014)

Das drei Meter hohe Wehr der Murg im Gebiet Neubrugg diente einst der Energieversorgung der Weberei Wängi. Es hätte für das Kleinwasserkraftwerk genutzt werden sollen. (Bild: Olaf Kühne, Oktober 2014)

Keine Chancen für kleine Anlagen

Markus Dick, Leiter der Technischen Betriebe Wängi und in dieser Funktion auch im Projekt für das Kleinwasserkraftwerk involviert, erkennt zudem einen Wandel in der energiepolitischen Landschaft. Anfangs sei die Begeisterung grossgewesen. Davon sei inzwischen nicht mehr viel zu spüren, denn im Zuge der Energiestrategie 2050 werde nur noch die Grosswasserkraft gefördert. Kleine Anlagen hätten praktisch keine Chancen mehr auf Unterstützung.

Neben ökonomischen Gründen sei es letztlich der «hohen Energiepolitik» zuzuschreiben, dass ein sinnvolles, kleines Projekt abgewürgt werden müsse, bilanziert Goldinger. Die Ironie der Geschichte: Das alte Wehr werde ungenutzt bestehen bleiben, und ein Fischaufstieg müsse aufgrund der Gewässerschutzvorschriften dennoch gebaut werden.