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Die Figuren stecken in den Sirnacher Weisstannen

Josef Scherrer schuf in seinem Waldstück im Sirnacher Rooset Tiere und Figuren aus Weisstannen-Baumstümpfen.
Maya Heizmann
Josef Scherrers Figuren erinnern an Illustrationen in Märchenbüchern. (Bild: Maya Heizmann)

Josef Scherrers Figuren erinnern an Illustrationen in Märchenbüchern. (Bild: Maya Heizmann)

Gretel schreitet durch den Wald, in der Hand trägt sie einen kleinen Stecken, den sie als Beweisstück für den mageren Finger ihres Bruders festhält. Sie will ihn der bösen Hexe vorführen. Doch die grosse Hexe aus dem Märchen «Hänsel und Gretel» der Gebrüder Grimm hält den Buben Hänsel fest in ihrem Griff. Da gibt es für ihn vorerst kein Entkommen.

Im Märchenwald gibt es neben den Personen aus Hänsel und Gretel noch weitere bekannte Figuren zu entdecken: da tummeln sich ein Fuchs, ein Hase, ein Gamsbock, ein Rehkitz, ein grosser Bär mit einem Jungtier, das den Baum erklettert, ein Drache in einer Baumhöhle, zwei Eichhörnchen, die Bremer Stadtmusikanten und sogar ein Krokodil.

Diese Figuren fertigte der pensionierte Spengler/Sanitär Josef Scherrer allesamt aus Weisstannen-Baumstümpfen über Jahre hinweg her. Die Tannen mussten für die Verjüngung seines Waldes gefällt werden. Die «Figuren sind ja im Baum schon vorhanden, man muss sie nur rausschneiden», sagt Josef Scherrer.

Zuerst übte er an kleinen Gipsfiguren

Die Figuren entstanden aus dem Kopf und wurden an Ort und Stelle mit der Kettensäge gefertigt. Am Anfang waren es nur Silhouettenschnitte. Nach einem Motorsägekurs zur Weiterbildung, den ihm seine Geschwister geschenkt hatten, wagte sich der Schnitzer, dreidimensionale Figuren zu erstellen – auch mit Hilfe von Hammer und Meissel.

Er fing an vorab kleine Gipsfiguren zu erstellen. «Ich bin kein Künstler», betont der 79-Jährige.

«Es war ein Zeitvertreib für mich und den Leuten haben die Skulpturen gefallen.»

Auch wenn der Fuchs eher einem Hund gleiche und der Hase eine ungewöhnliche Beinstellung aufweise: Seine Werke seien nicht perfekt, doch seien sie nicht so schlecht, dass sie als Brennholz im Ofen landen müssten. Gerade seine persönliche Handschrift machen die Figuren so sympathisch.

Eines Tages werden sie verschwinden

Die unbehandelten Holzfiguren sind im Wald den Witterungen ausgesetzt und leicht beschädigt. Die Feuchtigkeit macht sie morsch und die Oberflächen sind teils mit Moos und Pilzen bewachsen. Die Farben verblassen und Holzteile splittern ab. So werden sie eines Tages ganz verschwinden.

Schnitzer Scherrer wird jedoch in einer Figur überleben, ein Wildhüter mit Fernglas und Militärjacke. «Seine Frau machte Fotos von mir von allen Seiten», sagt er. Daraus sei diese Skulptur nach seinem Abbild entstanden. Doch seine Lieblingsfigur ist die böse Hexe.

«Natürlich wagte ich es nicht, meine Frau als Modell zu fragen»

sagt der Schnitzer mit einem Lachen. So habe er die Skulptur aus dem Kopf angefertigt, nur sein Enkel stand ihm für den Hänsel als Vorlage zur Verfügung.

In letzter Zeit ist Josef Scherrer im Waldstück nicht mehr besonders aktiv. Doch regelmässig besucht er die Figuren, manchmal sitzt er auf dem geschnitzten Baumstuhl und freut sich über seine Skulpturen.

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