Die FDP Thurgau schöpft
neue Kraft in einer Fabrikhalle in Wängi

Die FDP Thurgau bezeichnet sich als einzige bürgerliche und zugleich progressive Partei.

Thomas Wunderlin
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FDP-Politiker und Schnecke: Ivo Schmid (Murex-Chef), David H. Bon, Kristiane Vietze, Walter Schönholzer, Nazmije Ismaili, Anders Stokholm, Thomas Goldinger (Gemeindepräsident Wängi).

FDP-Politiker und Schnecke: Ivo Schmid (Murex-Chef), David H. Bon, Kristiane Vietze, Walter Schönholzer, Nazmije Ismaili, Anders Stokholm, Thomas Goldinger (Gemeindepräsident Wängi).

Andrea Stalder

Eine Drehbank lärmt ohne Unterbruch während der Jahresmedienkonferenz der FDP Thurgau. Um die Worte der Politiker zu hören, muss sich der Berichterstatter ihnen – räumlich – möglichst annähern.

Die FDP-Führung ihrerseits sucht in der Wängemer Fabrikhalle die Nähe zur Wirtschaft. Hier weht der «innovative, liberale Unternehmergeist», der laut Parteipräsident David H. Bon dem Thurgau Wohlstand und Erfolg gebracht habe:

«Probleme hat der Mensch noch nie mit Rückschritten gelöst.»

Ein Beispiel für das Wirken dieses Geistes ist die Fabrikhalle selber: Es handelt sich um das erste Thurgauer Industriegebäude im Minergiestandard.

Der Gastgeber ist ein FDP-Mitglied: Ivo Schmid, Chef der 2002 gegründeten Murex AG. Deren 35 Mitarbeiter stellen Extruderschnecken her, die bei der Produktion von Kunststoff zum Einsatz kommen. «Wir sind nah bei denen, die arbeiten», sagt Parteipräsident Bon. Nach den Nationalratswahlen, bei denen die FDP ihren Sitz verloren hat, wolle sie «erst recht» dran bleiben.

Unternehmerische Freiheit und Lenkungsabgaben

Die FDP wolle «nachhaltige Lösungen zu Schutz von Natur und Landschaft», die aber «unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit und Entwicklung» nicht verhindern. Fortschritt durch Freiheit und Innovation sei gefragt. Dafür brauche es unternehmerische Freiheit und einen Markt. Lenkungsabgaben könnten dazu dienen, das gewünschte Ziel zu erreichen.

Am 15. März tritt FDP-Regierungsrat Walter Schönholzer erstmals für seine Wiederwahl an. Er hat nach Ansicht Bons bewiesen, dass er anspruchsvolle Dossiers in den Griff bekomme:

«Er führt und versteckt sich nicht.»

Schönholzer selber erwähnt den «15-jährigen Fall Hefenhofen», der ihm einen «schwierigen Start» gebracht habe. Seither seien viele Themen angegangen und erledigt worden. Die Empfehlungen der Untersuchungskommission seien fast alle umgesetzt worden. Beim Ausbau der E-Mobilität belege der Thurgau schweizweit den Spitzenplatz.

Das revidierte Energienutzungsgesetz legt die Basis für eine weitere umweltfreundliche Sanierung der Wärmeerzeugung, wie Schönholzer rühmt. Die Swiss Future Farm in Tänikon sei ein entscheidendes Element, um die Agroscope-Forschung im Kanton zu halten. Eine umfangreiche gesetzgeberische Arbeit sieht Schönholzer bei der Digitalisierung erforderlich.

Die Murex AG ist 2002 als Neuansiedlung nach Wängi gekommen, um hier Extruderschnecken zu produzieren. Zurzeit ziehen kaum noch neue Firmen in den Thurgau.

Die Murex AG ist 2002 als Neuansiedlung nach Wängi gekommen, um hier Extruderschnecken zu produzieren. Zurzeit ziehen kaum noch neue Firmen in den Thurgau.

Andrea Stalder

Kaum noch Neuansiedlungen

Für dringlich hält die Frauenfelder Kantonsrätin Kristiane Vietze die Senkung der Unternehmensteuern, zu der am 9. Februar eine Urnenabstimmung stattfindet. Viele Standortfaktoren könne der Kanton nicht beeinflussen, hier sei das anders. Dass der Thurgau etwas für die Schaffung von Arbeitsplätzen tun muss, ergibt sich für Vietze aus der Zunahme der ausserkantonalen Pendler, deren Zahl von 2000 bis 2018 von 26000 auf 45000 gestiegen ist. Neuansiedlungen von Firmen gebe es fast keine mehr.

Das Minimalziel bei den Grossratswahlen lautet für den Präsidenten der FDP-Grossratsfraktion, Anders Stokholm, die 20 bisherigen Sitze zu verteidigen. Der Linksrutsch der Wählerschaft und der gleichzeitige Linksrutsch der Parteien habe der FDP ein Alleinstellungsmerkmal als einzige bürgerliche und zugleich progressive Partei beschert.

Jungfreisinnige: AHV-Alter 66 Jahre für Mann und Frau

Die Präsidentin der Jungfreisinnigen Thurgau, Nazmije Ismaili, wirbt für die AHV-Initiative der Schweizer Jungfreisinnigen. Diese verlangt eine schrittweise Angleichung des Rentenalters von Mann und Frau auf 66 Jahre bis 2032. «Frauen haben eine höhere Lebenserwartung; ich sehe nicht ein, weshalb sie weniger lang arbeiten sollen.»

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