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Die ersten Thurgauer Erdnüsse

Der Klimawandel macht es möglich: Markus Grob vom Hardhof, Steckborn, und Thomas Wieland vom Pilgerhof, Märstetten, ist es gelungen, im Thurgau Erdnüsse zu ernten.
Werner Lenzin
Der Märstetter Thomas Wieland erntet Erdnüsse. (Bild: Werner Lenzin)

Der Märstetter Thomas Wieland erntet Erdnüsse. (Bild: Werner Lenzin)

Zwei findige Landwirte aus dem Thurgau sorgen für eine Überraschung in der diesjährigen Adventszeit. Mit kulinarischen Erlebnissen wird der Thurgau oft in Verbindung gebracht. So mit den schweizweit bekannten und beliebten Thurgauer Erdbeeren. Der Kanton gilt diesbezüglich schlechthin als Schlaraffenland. Nun setzen zwei Thurgauer Landwirte noch einen oben drauf und bringen die ersten Schweizer Erdnüssli auf den Markt.

Innovative Bauern

Angefangen hat es mit dem Kleinanbau des 55-jährigen Markus Grob, der den Hardhof in Steckborn führt. Er hatte schon 2015 mit Blick auf den Klimawandel die Idee, Erdnüsse anzupflanzen. Ein Jahr später setzte er auf fünf Aren die ersten Stauden im Thurgau und die Ernte diente dem Eigenbedarf. Schon während ihrer Ausbildung haben Spezialkulturen das Interesse von Markus Grob und dem heute 45-jährigen Thomas Wieland geweckt. Die beiden Bauern kennen sich, seit Grob bei Wielands Vater auf dem Märstetter Pilgerhof seine Lehre absolvierte.

Markus Grob. (Bild: Werner Lenzin)

Markus Grob. (Bild: Werner Lenzin)

«Man steht dem nahe, was man selber gerne isst und zuletzt ist es auch der Reiz, etwas Neues auszuprobieren, bei dem man auch scheitern und Schiffbruch erleiden kann», sagt Wieland und erinnert an das Sprichwort von Henry Ford: «Wer immer macht, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.»

«Der Anbau wird ein Hobby bleiben»

«Nach einer zweijährigen Versuchsphase ist es uns gelungen, die ersten Thurgauer und auch Schweizer Erdnüssli auf dem Markt zum Verkauf anzubieten», sagt Wieland. Grob und Wieland teilen mit, dass ihre Erdnüssli auf der kleinsten Erdnussrösterei der Schweiz geröstet worden sind, wodurch sich auf ihren Höfen seither ein wohlriechender Duft verbreitet. Beide Landwirte führen Spezialkulturen-Betriebe und produzieren seit längerer Zeit Beeren. Grob ist zudem der Betreiber einer Mini-Kiwi-Anlage. «Obwohl wir als Betriebsleiter eigentlich mehr als genug um die Ohren haben, sind wir immer wieder interessiert an Neuem», sagt Wieland. Für sie sei der Anbau von Erdnüssen mehr Hobby als etwas anderes, «vielleicht unbewusst zum Ausgleich des sonst hektischen Arbeitsalltages».

Wird die Schweiz in Zukunft zum Erdnuss-Produzentengebiet aufsteigen? Für die beiden Produzenten steht fest: «Die Aufstiegschancen sind im Fussball grösser, denn dieser Anbau ist mit einem hohen Handarbeitsaufwand verbunden und da nicht jedes Jahr mit einer Ernte gerechnet werden kann, wir der Anbau überschaubar und ein Hobby bleiben». Grob und Wieland sind überzeugt davon, dass Schweizer Erdnüssli niemals zum Massenprodukt werden und allerhöchstens als Spezialität zu finden sind.

Nicht alle Nüsse sind gefüllt

Die Käufer werden nach ihrem Ermessen auch Kunden sein, die es interessiert, wie hierzulande produzierte Erdnüsse schmecken und mit ihrem Kauf Innovationen aus der Schweizer Landwirtschaft bewusst unterstützen möchten. Und was macht den Anbau speziell? «Wenn die Pflanze gedeiht, so heisst das noch lange nicht, dass sie auch Nüsse bildet, diese auch gefüllt sind und auch geröstet werden können», erklärt Wieland.

Erdnüsse sind Schmetterlingsblütler. (Bild: Werner Lenzin)

Erdnüsse sind Schmetterlingsblütler. (Bild: Werner Lenzin)

Etliche Passanten beim Märstetter Wygärtli und in der Umgebung des Hardhofes in Steckborn haben sich wohl gewundert über die seltsam flachwachsenden Pflanzen mit ihren gefiederten Blättern. Gepflanzt haben sie die Verantwortlichen der beiden Betriebe mit ihren Mitarbeitern von Hand im April. Im September konnten die Pflanzen mit den Erdnüssen daran geerntet und ebenfalls von Hand von der Pflanze abgerupft werden.

Wachstum dank ägyptischem Klima

«Die zunehmend heissen und trockenen Sommermonate und das diesjährige beinahe ägyptische Klima haben uns veranlasst, den Schritt für diese sensible Kultur zu wagen», erklärt Wieland. Da keine Informationen zum Anbau dieser Kultur in der hiesigen Klimazone und auch keine entsprechende Mechanisierung vorhanden sind, nutzten sie die Erfahrungen aus dem Anbau von Erbsen. Für beide sind das Testen und die Optimierung bestehender Prozesse von neuen Kulturen wichtig und verleihen ihnen neuen Elan.

Angeboten werden die Erdnüsse im Märstetter Pilgerhof, im Steckborner Hardhof und in den Verkaufsstellen des «Thurgauer Geschenk-Harass» und bei Madörin, Weinfelden.

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