Die eine Frauenfelder Litfasssäule glänzt, die andere wartet

Seit kurzem leuchtet die Litfasssäule an der Gaswerkstrasse golden. Das Projekt «Blauschatten» des Berliner Künstlers Michael Holzwarth harrt derweil noch der Umsetzung.

Stefan Hilzinger
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Die Säule scheint im Abendlicht. (Bild: Stefan Hilzinger)

Die Säule scheint im Abendlicht. (Bild: Stefan Hilzinger)

Vor kurzem suchte das städtische Amt für Kultur Freiwillige für die Kunstaktion des Berliner Künstlers Michael Holzwarth. «Es haben sich zwar einige gemeldet», sagt Kulturamtsleiter Christof Stillhart. Doch die Leute kamen nicht in den Einsatz, denn das schlechte Wetter im Mai verhinderte die Fotokunst-Aktion zur Verschönerung der Litfasssäule am Murgplatz. Nun soll die Aktion bei schönem Wetter im Juni/Juli stattfinden. Wann genau steht noch nicht fest.

Die Verheissungen der Werbebranche

Bei Holzwarths Projekt «Blauschatten» legen sich Menschen in Badehosen oder im Adamskostüm auf lichtempfindliche Papierbögen und lassen sich von der Sonne bescheinen. Wo viel Licht hinfällt, färben sich die Stellen nach einem Wasserbad dunkelblau, die Stellen, wo der Körper das Papier bedeckt, heben sich blassblau ab.

Zwei ausgemusterte Litfasssäulen lässt die Stadt Frauenfeld derzeit künstlerisch umgestalten. Sie hatte dazu Ende 2018 einen Wettbewerb ausgeschrieben. Den Zuschlag für die zweite Säule bekam der aus Frauenfeld stammende Architekturfotograf Lukas Peters. Seine Säule an der Gaswerkstrasse glänzt seit gut zwei Wochen golden. Der leuchtende Glanz soll den Passanten das Relikt der analogen Plakatwerbung in Erinnerung rufen. Die Farbe stehe für die «goldenen Verheissung der Werbebranche», sagt der Künstler.

Runder Werbeträger aus dem 19. Jahrhundert

Der Berliner Drucker und Verleger Ernst Theodor Amandus Litfass – mit scharfem «ss» – hat dem runden Werbeträger 1855 auf die Welt verholfen. Herr Litfass hatte Geschäfts- und Ordnungssinn, und ihn störte die wilde Plakatiererei im schon damals lebhaften Berlin. Bis vor wenigen Jahren bewirtschaftet die Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) die Plakatsäulen noch. Die Plakatgesellschaft hatte die Litfasssäulen auch einst erricht. Doch in der Zwischenzeit wurden sie überflüssig und die APG trat sie der Stadt zur Umnutzung ab.