«Eigentlich trage ich nie eine Krawatte. Für die Vereidigung werde ich dies aber tun»: Manuel Strupler (SVP) und zwei weitere Thurgauer Neu-Parlamentarier werden heute in Bern vereidigt

Jakob Stark (SVP), Kurt Egger (GP) und Manuel Strupler (SVP) werden am Montag als Parlamentarier im Bundeshaus vereidigt. Was sie bewegt.

Larissa Flammer, Sebastian Keller, Silvan Meile
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SVP-Ständerat Jakob Stark, GP-Nationalrat Kurt Egger, SVP-Nationalrat Manuel Strupler. (Bilder: Andrea Stalder, Mario Testa)

Jakob Stark (Kradolf-Schönenberg, 61-jährig): «Abends kehre ich häufig zurück»

«Als neugewählter Ständerat erhält man Tipps von allen Seiten. Man muss nur die Augen und Ohren offen halten. Aktiv um Rat frage ich meistens meinen Vorgänger Roland Eberle und meine Thurgauer Ständeratskollegin Brigitte Häberli. Der hilfreichste Tipp? Während der ersten Session nichts sagen im Ständerat. Das kam von Ständeratspräsident Jean-René Fournier. Es ist mehr eine Anweisung als ein Tipp ...

Jakob Stark an seiner Wahlfeier in Kradolf mit seinem Vater Hans.

Jakob Stark an seiner Wahlfeier in Kradolf mit seinem Vater Hans.

Bild: Andrea Stalder

Ich werde heute einen Eid und kein Gelübde ablegen. Der Eid ist die ursprünglichere Form. Geübt habe ich bisher nicht. Seit meiner Wahl am 20. Oktober war ich bereits zwei Tage im Bundeshaus: einmal am Einführungstag für neugewählte Mitglieder des Parlaments und an einer Sitzung der SVP-Fraktion. Am Empfangstag für Neugewählte hat uns der Walliser Ständeratspräsident Fournier begrüsst, uns die Regeln erklärt und uns zu einem Apéro mit Walliser Wein eingeladen. Das war eine gute Gelegenheit, um erste Kontakte zu den neuen Ratskolleginnen und Ratskollegen zu knüpfen. Aus meiner bisherigen Tätigkeit kenne ich zudem bereits viele Mitglieder des Ständerats. Mein Sitznachbar im Saal ist vermutlich Werner Salzmann, neuer SVP-Ständerat aus dem Kanton Bern.

Einlesen konnte ich mich bereits in verschiedenste Geschäfte, aber noch nicht vertieft. Mir ist von der Fraktion die Vertretung der Motion ‹Gewässerräume. Geografische und topografische Verhältnisse besser berücksichtigen› übertragen worden. Sie stammt von Werner Hösli aus Glarus, der leider die Wiederwahl nicht geschafft hat.

Zur Vorbereitung für mein neues Amt war es das Wichtigste, sich bei den Parlamentsdiensten in Bern vollumfänglich anzumelden, den nötigen Badge zum Bundeshauszugang zu beziehen und so weiter. Meine beiden Gäste-Badges erhält vorläufig niemand.

«Solange ich das Amt als Regierungsrat ausübe, also bis Ende Mai, kehre ich aufgrund wichtiger Sitzungen und Geschäfte abends häufig zurück in den Thurgau.»

Deshalb stellt sich die Frage nach einer ständigen Unterkunft für mich vorläufig nicht.

Für die Dienstagssitzungen des Ständerats muss ich mich abmelden, weil dann Regierungsratssitzungen stattfinden. Auch an allen Grossratssitzungen, an denen Geschäfte meines Departements traktandiert sind, werde ich teilnehmen. Ob sich nach der Zuteilung zu den ständigen Kommissionen des Ständerats weitere Terminkonflikte ergeben, wird sich zeigen. Wir nehmen die Zuteilungen heute vor.»

Kurt Egger (Eschlikon, 63-jährig): «Erste Vorstösse reifen in mir»

«Nervös? Dazu fehlt mir die Zeit. Meine Gefühlslage vor der Vereidigung zum Nationalrat ist vergleichbar mit der eines Kindes vor dem ersten Schultag. Wobei das bei mir schon eine Weile her ist. Der Nationalrat ist eine Liga höher als der Grosse Rat im Thurgau. Professioneller, grösser, aber auch komplizierter. Auch neben dem Ratsbetrieb läuft viel. Nur schon für die erste Session habe ich 80 Einladungen erhalten – von Banken, Versicherungen und diversen Interessengruppen. Da werde ich selektieren.

Kurt Egger erhält an seiner Wahlfeier in Wallenwil ein Velo.

Kurt Egger erhält an seiner Wahlfeier in Wallenwil ein Velo. 

Bild: Donato Caspari

Damit wir im Haifischbecken Nationalrat nicht untergehen, haben wir von der Fraktion einen Götti zur Seite gestellt bekommen. Er hilft bei Unklarheiten: Wo kann ich kopieren? Wie stimme ich ab? Meiner ist der Grüne-Nationalrat Daniel Brélaz aus der Waadt. Weil meine Partei die Sitzzahl im Nationalrat mehr als verdoppelt hat, wurden die Göttis knapp. Deshalb betreut jeder Bisherige mehrere Neulinge.

Während der ersten Session schlafe ich im Hotel. Ob ich mir später eine Wohnung suche, ist offen. Solche Fragen beschäftigen mich erst seit der Wahl am 20.Oktober. Mein Tag hat zu wenig Stunden. Ich bin nicht einmal dazu gekommen, ein Schreiben für den Rücktritt aus dem Grossen Rat zu verfassen. Zuerst muss ich mein GA künden, als Nationalrat erhalte ich eines vom Bund.

In meinen Themen Klima und Energie stehen wichtige Weichenstellungen an. Erste Vorstösse reifen in mir. Einer zielt auf einen rascheren Ausbau von Fotovoltaik-Anlagen ab. Ohne ist die Energiewende nicht zu schaffen.

«Damit ich in der Energiepolitik mitreden kann, habe ich mich für einen Sitz in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, der UREK, beworben.»

Mit einer Bewerbung wie für einen Job. Ob ich den Kommissionssitz bekomme, weiss ich noch nicht. Auch das ist neu für die Grünen: Sie sind in Kommissionen keine Einzelkämpfer mehr, sondern mit mehreren Personen vertreten.

Mir ist klar: Den Namen, den ich mir im Thurgau gemacht habe, zählt ihn Bern nicht viel. Das bedeutet: viel Arbeit. Politik ist Arbeit, aber ich mache sie gerne. Ich arbeite auf den ersten grünen Bundesratssitz hin. Die Grünen gehören in den Bundesrat, die FDP ist übervertreten. Regula Rytz ist hervorragend geeignet. Deshalb werde ich vor dem 11.Dezember mit etwa sechs Parlamentariern persönlich sprechen. Jeder Grüne-Nationalrat bekommt eine Handvoll zugeteilt. Ob wir es schaffen? Dazu kann ich nur sagen: Bundesratswahlen haben eine eigene Dynamik.»

Manuel Strupler (Weinfelden, 39-jährig): «Mit Wünschen allein geht nichts»

«Eigentlich trage ich nie eine Krawatte. Für die Vereidigung werde ich dies aus Respekt vor dem Amt aber tun. Bei Ueli Fisch – er ist ja Textilunternehmer und Kantonsratskollege – habe ich mir einen neuen Anzug bestellt. Beraten werde ich dabei schliesslich von meiner Lebenspartnerin Linda. Sie nimmt mir auch die administrativen Tätigkeiten ab, die mit dem Mandat als Nationalrat anfallen werden.

Manuel Strupler nimmt schon im Wahlzentrum die ersten Gratulationen entgegen.

Manuel Strupler nimmt schon im Wahlzentrum die ersten Gratulationen entgegen.  

Bild: Reto Martin

Mein Motto war seit je: ‹Für Veränderungen muss man arbeiten.› Mit Wünschen allein geht nichts, man muss anpacken. Das gilt für mich auch als Unternehmer und galt auch immer während meiner Sportkarriere als Schwinger. In der Politik ist es für mich nicht anders.

Bei allem, was ich mache, laufe ich gerne voraus. Deshalb bin ich auch bereits mit 20 Jahren selbstständig geworden. Ich will an den Fäden ziehen, nicht nachgezogen werden. Politisch habe ich als Kantonsrat meine Erfahrungen gesammelt. Ich bin im Thurgau gut vernetzt und kenne viele Leute. Dadurch weiss ich, wen man, zu welchem Thema fragen muss. Nun wird es eine Herausforderung, mich auf der nationalen Ebene zurechtzufinden, dort Kontakte zu knüpfen. Ich sage immer: Politik spielt sich zwischen den Menschen ab. Ich freue mich sehr darauf.

Als Nationalrat werde ich wohl öfters erkannt, auch wenn man als Politiker noch lange kein Promi ist. Ich bin jemand, der sein Herz auf der Zunge trägt. Das passt natürlich nicht immer allen. Bisher war ich jedenfalls stets offen und ehrlich und bin sehr gut gefahren damit. Das will ich auch bleiben.

«Ich möchte, dass die Leute in zehn Jahren sagen werden: ‹Es stimmt, er ist einer von uns und ist es auch geblieben, wie er es uns vor den Wahlen versprochen hatte.›»

Meinen neuen Arbeitsplatz im Bundeshaus habe ich mir bereits angeschaut. Im Gespräch mit anderen Neuen war ich erstaunt, wie viele sich als reine Berufspolitiker verstehen. Ich habe aber immer gesagt: ‹Ich bin Milizpolitiker – mit Herzblut.› Viel zu gerne bin ich Unternehmer, um das komplett aufzugeben. Ich muss spüren, wie es in meiner Firma, bei meinen Mitarbeitern und auf dem Hof läuft. Ich führe ja mit meinem Bruder Roman zusammen auch noch einen Landwirtschaftsbetrieb. Dadurch bin ich auch Mitglied im Verband Thurgauer Landwirtschaft. Dort wurde ich angefragt, ob ich mich für den Vorstand zur Verfügung stelle und so – nach dem Rücktritt von Markus Hausammann – die politische Verbindung ins Bundeshaus weiterhin sicherstelle. Das ist eine grosse Aufgabe, aber auch eine Ehre für mich, die Landwirtschaft national zu vertreten.»

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