Die Deutsche Gemeinde Gailingen will ihr Abwasser in der Schweiz reinigen lassen

Mit einer Leitung durch den Rhein soll das Brauchwasser nach Diessenhofen transportiert werden. Beide Gemeinden versprechen sich Einsparungen gegenüber heute.

Thomas Brack
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Der Gailinger Bürgermeister Thomas Auer und Stadtpräsident Markus Birk bei der Kläranlage im Ratihard in Diessenhofen.

Der Gailinger Bürgermeister Thomas Auer und Stadtpräsident Markus Birk bei der Kläranlage im Ratihard in Diessenhofen.

Bild: Thomas Brack

Kürzlich informierten der Diessenhofer Stadtpräsident Markus Birk und Bürgermeister Thomas Auer aus dem benachbarten Gailingen (D) über die geplante Zusammenarbeit bei der Abwasserreinigung. Dabei geht es um den Anschluss Gailingens an die ARA Diessenhofen.

«Die Zusammenarbeit ist eine Win-win-Situation», sagt Birk. «Unsere Kläranlage läuft auf dem letzten Zacken, ist alt und amortisiert. Eine neue ARA kommt uns auf 8,4 Millionen Franken zu stehen.» Vergleichbar sieht es bei der 40-jährigen Anlage in Gailingen aus. «Ein Neubau kostete uns umgerechnet rund 5,1 Millionen Franken», sagt Bürgermeister Auer.

Gut 2,5 Millionen Franken weniger teuer als jeder für sich

Würden beide Neubauten erstellt, lägen die Kosten bei 13,5 Millionen Franken, für eine Anlage auf Schweizer Seite und der Anbindung von Gailingen wären 11 Millionen fällig, sodass die beteiligten Gemeinden rund 2,5 Millionen Franken sparen würden. Doch sind es nicht nur ökonomische Argumente, die für eine Zusammenarbeit sprechen.

Da künftig viele Arbeiten zu zweit ausgeführt werden könnten, stünde es laut Birk und Auer um Arbeitssicherheit wie auch um den Pikettdienst für die Anlage wesentlich besser. «Von einer enormen Kosteneinsparung profitieren dürfte vor allem die folgende Generation, wenn nämlich bei der übernächsten Sanierung in nochmals 25 Jahren nur noch halb so viele Kosten anfallen», sagt Birk.

Deutliche technische Verbesserungen

Die jetzige Anlage im Ratihard ist eine sogenannt «einstrassige», was bei Reparaturen und Sanierungen ein grosses Problem sei. Eine künftige, leicht grössere Anlage am selben Standort würde dagegen «zweistrassig» laufen, das heisst, eine Strasse bliebe bei Reparaturen oder Sanierungen in Betrieb. Grössere Anlagen liefen effizienter und seien kostengünstiger, sagen die Gemeindevertreter.

Vorerst soll eine dreistufige Abwasserreinigung realisiert werden, mit mechanischer Grobreinigung, biologischer Klärung mit Bakterien und Belüftung sowie anschliessender Vergärung, wobei das Biogas in einem Blockheizkraftwerk verwertet wird.

Für eine künftige vierte Klärstufe für Mikroverunreinigungen (etwa Medikamente) bezahlt jeder Einwohner im Zweckverband eine jährliche Abgabe in einen Fonds, der dann gegebenenfalls für die vierte Stufe verwendet werde.

Dem Abwasserzweckverband gehören nebst Diessenhofen und Basadingen-Schlattingen auch der Ortsteil Rheinklingen von Wagenhausen an. Alle Gemeinden müssen dem Vorhaben zustimmen – und es braucht einen Staatsvertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Kanton Thurgau. Während in Gailingen nach einer Bürgerinformation Anfang März der Gemeinderat bereits an einer der nächsten Sitzung entscheidet, stimmen die Diessenhofer Stimmbürger im Lauf des Jahres über das Projekt ab.

Dükerleitung im Rhein

Unter Dükerleitung versteht man eine in die Erde gebohrte Leitung, die ein topografisches Hindernis überwindet. Im vorliegenden Fall ist dies der Rhein. Die Anschlusskosten bis zur Pumpstation Gries würde Gailingen übernehmen. Auf deutscher Seite verblieben das Rückhaltebecken und ein Rechen. Von den gesamten Investitionskosten für das Projekt von 8,5 Millionen Franken entfielen auf Gailingen 3,4 Millionen. (tb)