Die Details der Energiewende:
Der Thurgau macht mit der Gebäudesanierung voran 

Die vorberatende Kommission des Thurgauer Grossen Rats ist sich bei der Energienutzung in Gebäuden fast einig. Radikallösungen wie ein Verbot von Ölheizungen finden sich darin nicht.

Thomas Wunderlin
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Neubauten sollen einen Teil des benötigten Stroms selber produzieren: Ausstellung in der Swiss Future Farm in Tänikon. (Bild: Donato Caspari)

Neubauten sollen einen Teil des benötigten Stroms selber produzieren: Ausstellung in der Swiss Future Farm in Tänikon. (Bild: Donato Caspari)

Rund ein Drittel des CO2-Ausstosses der Schweiz stammt von Gebäuden. Eine Reduktion erhofft man sich von den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKen), die von der Energiedirektorenkonferenz 2014 beschlossen wurden. Bislang haben erst sieben Kantone die MuKen umgesetzt; in der Ostschweiz ist nur Appenzell-Innerrhoden dabei. Der Thurgau könnte bald folgen.

In Bern und Solothurn ist die Vorlage in der Volksabstimmung gescheitert. Dagegen gewehrt hatte sich in beiden Kantonen nebst andern der Hauseigentümerverband. Der Thurgauer Regierungsrat präsentierte im April eine TG-Light genannte Vorlage, die auf allzu detaillierte Vorgaben verzichtet.

Radikallösungen wie ein Verbot von Ölheizungen sind nicht darin zu finden. Die vorberatende Kommission hat die Vorlage mit leichten Änderungen einstimmig verabschiedet, wie dem am Freitag veröffentlichten Schlussbericht zu entnehmen ist.

SVP-Kantonsrat hat Vorbehalte beim Zeitplan

«Ich kann damit leben, was wir beschlossen haben», sagt Kommissionsmitglied Clemens Albrecht (SVP, Dussnang). Dass fossile Heizungen langfristig ersetzt werden müssten, sei klar. Hauseigentümer und Unternehmer dürften aber nicht zu sehr belastet werden. Er werde im Grossen Rat eventuell Vorbehalte bezüglich des Faktors Zeit einbringen.

Clemens Albrecht, SVP Dussnang. (Bild: Reto Martin)

Clemens Albrecht, SVP Dussnang. (Bild: Reto Martin)

Dabei erwähnt er die Vorgabe, beim Heizungsersatz eines bestehenden Baus mit hohem Energieverbrauch ab 2020 mindestens zehn Prozent des Verbrauchs einzusparen; ab 2025 sollen es 15 Prozent sein, und ab 2030 20 Prozent. Nicht jeder könne eine Erdsonde bohren, sagt Albrecht.

Der Präsident des Thurgauer Hauseigentümerverbands, Gallus Müller (CVP, Guntershausen), hat die Kommissionsfassung noch nicht studiert. Gegenüber der Vernehmlassungsvorlage habe sich sein Verband positiv geäussert.

Der Trend geht ohnehin zu Plus-Energie

Kommissionsmitglied Stefan Leuthold (GLP, Frauenfeld) spricht von einem «guten Pfad», den der Kanton einschlage. Die Energiewende müsse in Etappen stattfinden. «In ein paar Jahren werden verschärfte Vorschriften kommen.» Der Trend gehe Richtung Plus-Energie-Häuser.

Stefan Leuthold, GLP Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Stefan Leuthold, GLP Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Demgegenüber wird in der jetzigen Vorlage lediglich verlangt, dass der Energiebedarf von Neubauten dem «Stand der Technik» entspricht. Ausserdem sollen Neubauten einen Teil der von ihnen benötigten Elektrizität selber erzeugen; ersatzweise ist aufgrund eines Kommissionsentscheids auch eine gleichwertige Sparmassnahme möglich.

Diese Vorgabe ist noch weit von den Szenarien der Energiewende entfernt, die den flächendeckenden Bau von Photovoltaik-Anlagen auf den Hausdächern vorsehen. Gemäss Leuthold bedeutet aber «Stand der Technik» schon heute einen sehr tiefen Verbrauch. Vorausschauende Bauherren würden von sich aus ihre Dächer mit Photovoltaik-Anlagen decken; die Preisdifferenz zu Ziegeldächern werde immer kleiner.

Mit «TG-Light» zum energieeffizienten Neubau

Das Thurgauer Gesetz für effiziente Energienutzung  im Gebäudebereich wird renoviert. Bei Neubauten ist mit «TG-Light» eine Vereinfachung der Vorschriften geplant. Elektroheizungen sollen bis 2035 ganz verschwinden.
Christian Kamm