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Die Braut zahlte vier Goldstücke für die Hochzeitsreise

Der Sinn von Hochzeitsreisen bestand bis in die 1970er Jahre darin, den Partner näher kennen zu lernen. So war es auch beim Thurgauer Schriftsteller Alfred Huggenberger und seiner Braut.
Markus Schär
Bertha Schmid und Alfred Huggenberger an ihrem Hochzeitstag, dem 28. Juli 1903. (Bild: PD)

Bertha Schmid und Alfred Huggenberger an ihrem Hochzeitstag, dem 28. Juli 1903. (Bild: PD)

Bertha Schmids wohlhabende Eltern besitzen im 19. Jahrhundert neben der Gastwirtschaft einen Bauernhof, eine Sägerei und die Margenmühle in der Thurgauer Gemeinde Bussnang. Den Unterricht im nahen Mettlen findet das Mädchen langweilig. Am liebsten rezitiert es Gedichte und liest aus der Schulbibliothek. Der Sekundarschule folgt ein Praktikum in einer Buchhalterfamilie in Zürich, eine Kochlehre in Arbon und das Welschlandjahr in Vevey. Die 18-Jährige kehrt Ende 1899 nach Bussnang zurück.

Alfred Huggenberger wird im zürcherischen Weiler Bewangen (Gemeinde Bertschikon) geboren, wächst in einer oft von Sorgen geplagten Kleinbauernfamilie auf. In Gachnang besucht er die Primarschule(vom Sekundarschulbesuch im grösseren Elgg muss er absehen) und wird ein arbeitsfreudiger Bauernsohn. In ihm erwacht ein Drang zum Schreiben. Aber erst der Gedichtband «Hinterm Pflug» (1908) bringt den literarischen Durchbruch in Deutschland.

Kurz nach dem ersten Treffen folgt der schriftliche Heiratsantrag

Im Jahre 1900 kommt Alfred Huggenberger erstmals in die Wirtschaft der Margenmühle. Auf Bertha Schmid wirkt er «etwas unbeholfen und sehr merkwürdig. Da kam der angehende Schriftsteller in unsere Wirtschaft und machte mir kurz darauf einen schriftlichen Heiratsantrag. Ich war aber erst neunzehn Jahre alt und von Liebe auf den ersten Blick hatte ich nichts gespürt.»

«So schrieb ich ihm, dass ich mich nicht entschliessen könne, seinen Antrag anzunehmen.»

Im Juni 1902 machen die beiden einen ersten Ausflug zusammen ins Appenzellerland. Sie muss Medikamente für die kranke Mutter besorgen, er bringt seine beiden Gedichtbände mit und liest ihr daraus auf einem Bänklein vor.

Er bekennt gegenüber einem Bekannten, dass er «ein bisschen verliebt» sei und verdeutlicht die Bemerkung mit zwei ineinander geschobenen Kreisen.

Verlobung auf der Kyburg, Trauung in Gachnang

Im Herbst wird auf der Kyburg im kleinen Rahmen, bei einem einfachen Mittagessen, offiziell Verlobung gefeiert. Kurz zuvor war Mutter Schmid gestorben. Endlich können die Anzeigen verschickt werden. Seinem ersten Gratulanten, dem Schriftstellerkollegen Jakob Christoph Heer, antwortet der Verlobte in seine Klause im Bregenzerwald, wie beglückt er sei. Er wiederholt, die richtige Frau gefunden zu haben: «Sie ist der Meinung, ich werde noch durchdringen, meint aber, ich müsse das nicht erzwingen wollen. Wenn ich die nächsten fünf Jahre wieder soviel vorwärts komme, wie die letzten, so sei das genug.» Am 28. Juli 1903 findet in der Kirche von Gachnang die Trauung statt.

Die Braut spendiert eine Kutschenfahrt

Die Hochzeitsreise muss um zwei Tage verschoben werden, weil der Ehemann noch einen Text fertigstellt. Für 36 Franken lösen sie ein Rundreisebillett mit einwöchiger Gültigkeit. Am ersten Tag fahren sie nach Zürich, gehen ins Kino, anderntags nach Basel in den Zoologischen Garten. In Frick wird ein guter Weinkunde besucht und ennet dem Rhein das Denkmal des «Trompeter von Säckingen», der Titelfigur eines der bekanntesten Bücher von Joseph Victor von Scheffel. Dann reisen sie via Luzern über den Gotthard bis nach Bellinzona. «Es war der 1. August, aus allen Türmen bimmelten die Tessiner Glocken.»

Es folgt ein zweitägiger Abstecher nach Mailand, einer Lieblingsdestination damaliger Hochzeitsreisender. Auf dem Rückweg steigt das Paar in Göschenen aus, geht zu Fuss die Schöllenenschlucht hinauf nach Andermatt und übers Urserental auf den Furkapass. Eine weitere Tageswanderung führt zum Rhonegletscher und hinunter ins Wallis. Dank der vier Goldstücke der Braut können sich die beiden von Blitzingen eine private Kutschenfahrt nach Brig leisten, dort nehmen sie wieder den Zug: «Wir erreichten abends noch Bern, wo wir zum letzten Mal übernachteten.»

Zurück in den Arbeitsalltag

Dann beginnt der Alltag, das Korn ist reif, der Emdet soll beginnen, die Knechte warten auf den Meister. Die junge Ehefrau hat ihren Platz in der Haushaltung zu finden und sich dabei mit Schwiegermutter und Schwägerin zu arrangieren. In der Bewanger Gastwirtschaft mag sie nicht so gern mithelfen, bei der Arbeit im Freien hingegen fühlt sie sich wohl. Der Ehemann weiss dies zu schätzen.

«Ein Glück für mich, dass ich eine Gefährtin gefunden habe, die mich versteht, die mich lieber am Schreibtisch sieht als hinterm Pflug.»

Hinweis: Bild und Angaben zu dieser Hochzeitsreise basieren auf der Biografie von Rea Brändle und Mario König: «Huggenberger. Die Karriere eines Schriftstellers.»

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