Die Bilder der neuen Ausstellung in Steckborn lassen die Gedanken explodieren

Marlies Pekarek aus St.Gallen stellt bis Ende März im Haus zur Glocke in Steckborn aus.

Margrith Pfister-Kübler
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Marlies Pekarek (rechts) und Judit Villiger erhellen die im Dachstock der «Glocke» ausgestellten Werke.

Marlies Pekarek (rechts) und Judit Villiger erhellen die im Dachstock der «Glocke» ausgestellten Werke.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

Die Glocke in der Hand von Judit Villiger, der Kunstvermittlerin aus Steckborn und Kulturpreisträgerin Thurgau 2018, öffnet den Besuchern den Weg zu Entdeckungen, denn Villiger setzt mit der Künstlerin Marlies Pekarek dem Vernissagepublikum am vergangenen Wochenende Kunstschaffen vor, das bewegt und erregt: «Oral History IV», heisst die Ausstellung.

Der Dachstock im Haus zur Glock an der Seestrasse in Steckborn kommt so zu besonderen Ehren. Denn Marlies Pekarek hat speziell für diesen Ort Scrapbooks-Werke geschaffen. Scrap bedeutet so viel wie Schnipsel, Papierfetzen als Stücke von Lebensgeschichten eingeklebt, Fotos, die durch künstlerische Gestaltung in neue Wirklichkeiten entführen.

Davor erklärt Villiger: «Nach der Vernissage gibt es Suppe, danach ein Gespräch mit der Steckborner Persönlichkeit Alfred Muggli interviewt von Christoph Ullmann.» Der frühere Kantonsarzt, Kirchenpräsident und Turmhof-Vater Alfred Muggli ist eine Steckborn stark bereichernde und prägende Persönlichkeit.

Ein Hund, ein Wolf und Queen Victoria

Das Konzept dieses Anlasses ist ein spannender Mix, der bei der eher bescheiden aufmarschierten Zuhörerschaft fühlen liess, wie Emotion nach Information brennt. Die Vernissage wurde durch die träfe Befragung von Marlies Pekarek durch Judit Villiger zu einer vergnüglichen Gedankenexplosion.

An der Wand sind riesengrosse Bilder zu sehen: ein Wolf – oder doch ein Hund? Königin Victoria auf einem Pferd, die Skyline einer Grossstadt mit farbig aufgeklebten Menschenbildchen, eine verhüllte Frau mit Kind auf dem Schoss, und fein zusammengenähte Bildchen, wie Teppiche, Gitter und Fotografien auf Stoff, auf Kopierpapier.

Pekarek erklärte, wie Reisen ihre Richtung prägten. Wie die einstige «heile Welt» dank Poesie-Alben mit eingeklebten Bildchen nicht einfach der Vergessenheit überlassen ist. «Die kitschigen Bildchen werden heute zu horrenden Preisen gehandelt», sagt die St.Galler Künstlerin.

Bunte Madonnen aus Seifen

Geheimnisse von einst sind auch in ihren Publikationen zu finden, verteilt auf den einzelnen Etagen der Galerie. Einen grossen Namen schuf sich Pekarek mit ihren Seifenskulpturen. Im Entrée begrüsst eine grosse bunte Seifenskulptur-Madonnen-Gruppe die Besucher. Jahrhundertealtes Bewusstsein setzt Pekarek in neues Licht.

Man verlässt die Ausstellung im «Haus Glocke» wie man Standpunkte verlässt, weil die Besucher dieser Ausstellung unter diesem historischen Dach an der Seestrasse neue Standpunkte erworben haben. Hinaufsteigen, herabkommen, egal ob die Besucher mit der Annäherung oder der Entfernung der betrachteten Kunstwerke etwas verbinden, der Besuch dieser Ausstellung bewegt.

Hinweis:
Pekareks Werke sind noch bis 21. März jeweils an den Wochenenden und auf Anfrage zu sehen. www.hauszurglocke.ch.