«Die Bewilligung wurde angefochten»: Kitesurf-Zonen auf dem Bodensee werden ein Fall fürs Thurgauer Verwaltungsgericht

Der Kanton will den Kitesurfern etwas mehr Platz auf dem See zugestehen. Dagegen ist bereits eine Beschwerde eingegangen.

Silvan Meile
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Kitesurfer bei Berlingen: Nur an Tagen, an denen der Wind stark genug bläst, sind diese Wassersportler auf dem See.

Kitesurfer bei Berlingen: Nur an Tagen, an denen der Wind stark genug bläst, sind diese Wassersportler auf dem See.

Andrea Stalder
  • Auf dem Bodensee ist das Kitesurfen in zwei definierten Zonen erlaubt. Das regelte der Kanton bisher in einer befristeten Bewilligung.
  • Die Kitesurfer hätten gerne mehr Platz, Umwelt- und Tierschutzverbände kritisieren die Auswirkungen des Sports und wollen dies verhindern. 
  • Gegen die etwas grösseren Kitesurf-Zonen, die der Kanton nun dauerhaft definieren will, ist eine Beschwerde eingegangen. Von wem, ist unklar. Nun wird sich wohl das Verwaltungsgericht damit beschäftigen. 

Der Kanton ist einen kleinen Schritt auf die Kitesurfer am Bodensee zugegangen. Nach einem Vernehmlassungsverfahren und den Erfahrungen runder Tische der vergangenen Jahre plant der Thurgau nun, die befristete Bewilligung für die Kiter in eine dauerhafte Lösung umzuwandeln. Dabei soll es den Wassersportlern in einem etwas grösseren Gebiet erlaubt sein, ihren Sport auszuüben.

Im Amtsblatt hat das Departement für Justiz und Sicherheit (DJS) die erlaubten Zonen für die Kitesurfer publiziert. Doch bereits ist auch schon Widerstand da.

«Diese Bewilligung für das Kitesurfen wurde angefochten.»

Das sagt Stephan Felder, Generalsekretär im DJS. Somit werde wohl das Verwaltungsgericht über die Erlaubnis fürs Kitesurfen entscheiden müssen.

Eine neue Zone zwischen Güttingen und Romanshorn

Seit Jahren kämpfen Kitesurfer am Bodensee für Akzeptanz. Eigentlich ist Kitesurfen seit 2016 auf allen Schweizer Seen erlaubt und ab 2024 olympisch. Am Schweizer Bodenseeufer bleibt der Sport aber verboten, ausser in den explizit erlaubten Zonen. Obwohl die Brettsportler nur die Kraft der Natur nutzen, um bei starkem Wind mit ihren Lenkdrachen über den See zu gleiten, sind es hauptsächlich Umwelt- und Tierschutzverbände, die den Kitern den Wind aus den Segeln nehmen.

Mit ihren Drachen würden sie Tiere aufscheuchen, sie in ihren Lebensräumen stören, lautet der Vorwurf. Wegen des Widerstands ist dieser Sport derzeit auf der Schweizer Bodenseeseite nur gerade in zwei Zonen am Untersee bei Berlingen und am Obersee bei Münsterlingen erlaubt. Es ist seit Jahren nur ein Kompromiss auf wackligen Füssen. Immer wieder fanden Diskussionen statt, in denen sich vor allem die Umwelt- und Tierschützer gegen die Kitesurfer stellten.

Vergangenen Herbst hat der Kanton auch die Meinungen der Gemeinden am Seeufer eingeholt. Für die neue, unbefristete Bewilligung habe man dort eine neue Zone definiert, wo sich Gemeinden positiv zum Kiten geäussert hätten, sagt Felber: Am Untersee wird das erlaubte Kite-Gebiet bei Berlingen etwas ausgedehnt, die Zone Münsterlingen aufgehoben. Dafür soll aber Kitesurfen neu auch entlang der rund sechs Kilometer langen Uferlinie von Güttingen bis Romanshorn erlaubt sein.

Vogelschützer akzeptieren den neuen Vorschlag

Wer diesen Entscheid des Kantons bereits angefochten hat, verrät Felber nicht. Zu den grössten Kritiker der Kitesurfer zählen die Verbände Bird-Life, WWF und Pro Natura. Auf Anfrage winken sie aber alle ab.

«Wir akzeptieren diesen Kompromiss.»

Das sagt Beat Leuch, Co-Präsident von Bird-Life Thurgau. Einerseits befürworte man, dass das Gebiet bei Münsterlingen nun ausgeklammert sei, anderseits seien die Einstiegsmöglichkeiten für die Kitesurfer zwischen Güttingen und Romanshorn aufgrund der vielen Privatuferbereiche überschaubar. Wichtig ist den Vogelschützern ausserdem, dass Kiten weiterhin nur von Mitte März bis Mitte November erlaubt bleibt.

Pro Natura und der WWF haben sich noch nicht festgelegt, ob sie juristisch gegen den Entscheid des DJS vorgehen. «Auf den ersten Blick sind wir mit dem Entscheid nicht glücklich», sagt Robin Stacher, Geschäftsführer des WWF Ostschweiz. Derzeit analysiere man die Angelegenheit und prüfe mit einer Anwältin die Chancen einer rechtlichen Intervention.

Den Kitesurfern hingegen geht die nun vorgeschlagene Lösung zu wenig weit. Im Herbst forderte der Kitesurf Club Schweiz eine deutliche Ausdehnung der erlaubten Zonen. Vizepräsident Daniel Rey begrüsst nun zwar die Umwandlung in eine unbefristete Bewilligung.

«Sehr positiv ist auch die neue Zone am Obersee zwischen Güttingen und Romanshorn.»

Kein Verständnis habe er jedoch für die Aufhebung der Zone bei Münsterlingen und die Sperre über den ganzen Winter, während beispielsweise Motorboote uneingeschränkt fahren dürfen. Für Rey ist klar: «Das ist nicht verhältnismässig.» Man sehe aber davon ab, den Entscheid anzufechten: «Wir kümmern uns lieber um die positiven Dinge, als uns auf ein langwieriges Verfahren einzulassen.»