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«Sie war wortbrüchig»: Abtretender Pfarrer kritisiert Evangelische Kirchenbehörde von Bichelsee

Der evangelische Pfarrer Walter Oberkircher hat am vergangenen Sonntag seinen Abschiedsgottesdienst gefeiert. Nun spricht er über die Nicht-Wahl eines homosexuellen Pfarrers in einer seiner beiden Kirchgemeinden.
Christoph Heer
Walter Oberkircher bei seinem Abschiedsgottesdienst am vergangenen Sonntag. (Bild: Christoph Heer)

Walter Oberkircher bei seinem Abschiedsgottesdienst am vergangenen Sonntag. (Bild: Christoph Heer)

Herr Oberkircher, vor drei Jahren erreichten Sie das Pensionsalter. Woher nahmen Sie die Motivation, länger zu arbeiten?

Ich habe immer sehr an meinem Beruf – oder war es Berufung – gehangen und war stets mit meiner Frau und meinen Gemeinden verheiratet. Wahrscheinlich konnte ich mich von meiner «Geliebten» noch nicht trennen, war aber auch alles andere als ausgepowert. Ich war noch nicht bereit, meinen Beruf an den Nagel zu hängen.

Was waren die grössten Freuden in den vergangenen Jahren?

Wenn Menschen getröstet aus meinen Gottesdiensten und Abdankungsgottesdiensten gingen und mir das mitgeteilt haben. Und wenn ich tiefe Dankbarkeit über einen Besuch im Spital, bei einem Schwerkranken oder Sterbenden verspürt habe. Über jede Kinderzeichnung, die mir immer mal wieder ein Sonntagschulkind überreichte. Wenn es den Konfirmanden auf unseren Reisen nach München und den Erwachsenen auf unseren jährlichen Kulturreisen sehr gefallen hat, hat mich das im zum Teil schwierigen Pfarrdienst mehr als gefreut.

Gibt es dabei absolute Höhepunkte?

Im Juni 2009 das 50-Jahr-Jubiläum der Kirche Bichelsee und im April 2015 die «Wiedereinweihung» der Kirche Dussnang.

Beschreiben Sie in einem Satz die Kirchenbehörde.

Ich müsste dafür beide Kirchenbehörden beschreiben: Zur Behörde von Dussnang hatte ich immer ein grosses Vertrauen, welches auch von Ehrlichkeit geprägt war. Dieses Gefühl hatte ich bei der Behörde von Bichelsee nicht.

Weshalb nicht?

Wegen negativer Erfahrungen mit der Behörde in Bichelsee, welche Anfang 2015 wort- und vertragsbrüchig war.

Viele Leute fanden sich in der evangelischen Kirche in Dussnang zum Abschiedsgottesdienst ein (Bild: Christoph Heer)

Viele Leute fanden sich in der evangelischen Kirche in Dussnang zum Abschiedsgottesdienst ein (Bild: Christoph Heer)

2016 war auch das unrühmliche Kapitel der Bichelseer Ablehnung eines homosexuellen Pfarrers.

Leider hat sich seit damals nichts verändert. Ich bin darüber immer noch traurig. Vor allem weil sich da Menschen ins Zeug gelegt haben, die sonst mit der Landeskirche wenig zu tun haben. Es ging dabei soweit, bis Leute in der Kirchgemeindeversammlung sprechen durften, die gar keine Gemeindeglieder waren. In der Tat wollte ich so lange bleiben, bis mein Nachfolger oder Nachfolger gefunden war. Ich bin mal arrogant und behaupte, dass die beiden Kirchgemeinden keine bessere Vertretung gefunden hätten, als mich.

Ein Satz zur Kirchgemeinde?

Die Kirchgemeinde Dussnang ist theologisch eher «liberal», diejenige von Bichelsee eher «evangelikal», was ich nun aber nicht werten möchte, denn beide Kirchgemeinden waren mir gleich lieb und interessant.

Was werden Sie am Meisten vermissen?

Den Kontakt zu den Gemeindegliedern.

Wie hat Sie ihre Frau Brigitte in all den Jahren unterstützt?

Wir haben wunderschöne Gottesdienste miteinander gefeiert. Meine Frau war immer Ansprechpartnerin am Telefon und an der Haustüre. Bei Gemeindeanlässen hat sie immer mitgeholfen. Sie hat mir vielmals den Rücken frei gehalten und hat mich auch mental unterstützt. Sie hat Menschen empfangen und bewirtet.

Nach dem Abschiedsgottesdienst ist vor dem Apéro: Martin Dönni, Kirchgemeindepräsident von Evangelisch Dussnang, Pfarrer Walter Oberkircher und Christian Feuz, Kirchgemeindepräsident von Evangelisch Bichelsee.

Nach dem Abschiedsgottesdienst ist vor dem Apéro: Martin Dönni, Kirchgemeindepräsident von Evangelisch Dussnang, Pfarrer Walter Oberkircher und Christian Feuz, Kirchgemeindepräsident von Evangelisch Bichelsee.

Sie bleiben der Kirchgemeinde als Synodenvertreter erhalten. Wo und in welcher Funktion oder Tätigkeit wird man Sie auch sonst noch antreffen?

Man wird mich als Gemeindeglied antreffen, und gerne übernehme ich auch mal Ferienvertretungen und Gottesdienste.

Sie erhalten nun mehr Freizeit. Wie nutzen Sie diese?

Wir haben ein Enkelkind, um das ich mich mehr kümmern möchte. Bei meinem Schwiegersohn, der einen grossen landwirtschaftlichen Betrieb unterhält, werde ich mich engagieren. Ich möchte an der Uni Zürich weiterhin Theologie und Philosophie betreiben. Ich habe noch viele andere Hobbys wie Lesen, Wandern, Kulturreisen, Singen, Fahrradfahren.

Was wünschen Sie ihrer Nachfolgerin Isabel Stuhlmann?

Dass sie sich in den beiden Kirchgemeinden getragen weiss.

Was wünschen Sie den Evangelischen Kirchgemeinden Dussnang und Bichelsee?

Eine Pfarrerin, die zuhören kann, die Not der Gemeindeglieder wahrnimmt und Behördenmitgliedern kritisch gegenübersteht.

Feierliche Verabschiedung

«Wir werden im September nach 4345 Tagen einen wunderbaren Pfarrer verlieren. Sein aufopferungsvolles Schaffen und seine Art, Probleme zu bewältigen, imponierten uns. Walter Oberkircher war für uns ein Mann der Taten, nicht nur der grossen Worte», sagte Kirchgemeindepräsident Walter Dönni. Er betonte, der abtretende Pfarrer habe seine Linie stets durchgezogen. «Er wehrte sich, wenn ihm etwas nicht gepasst hat. Das zeichnet eine starke Persönlichkeit aus.»

Elf Jahre
und elf Monate

Walter Oberkircher hat in seinem jahrelangen Engagement für die Kirchbürger aus Dussnang und Bichelsee einiges ins Rollen gebracht und vieles verändert. Man ist mit ihm zufrieden. «Und vor allem sind wir überaus dankbar, dass er die Überbrückungsjahre noch geleistet hat, trotz seines Erreichens des Pensionsalters vor drei Jahren», sagt Dönni. Elf Jahre und elf Monate wird er im Amt gewesen sein, wenn er im September seinen endgültig letzten Gottesdienst geleitet hat.

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