Die BDP kämpft im Thurgau ums Überleben

988 Personen kandidieren für die 130 Sitze im Thurgauer Grossen Rat. Das Interesse bei den Frauen ist gestiegen.

Silvan Meile
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Sitzung des Grossen Rates des Kantons Thurgau vom 14. August 2019 in Frauenfeld.

Sitzung des Grossen Rates des Kantons Thurgau vom 14. August 2019 in Frauenfeld.

Bild: Reto Martin
  • Die BDP tritt nur wegen Mangel an Kandidaten noch in zwei von fünf Bezirken zu den Grossratswahlen an.
  • 988 Personen kandidieren für die 130 Sitze.
  • Die jüngsten Kandidaten werden erst noch 18 Jahre alt, der älteste Kandidat ist 77 Jahre alt.

Bei der Thurgauer BDP herrscht Untergangsstimmung. Der Partei fehlt es an Mitgliedern, die sich für die Grossratswahlen zur Verfügung stellen. Nur noch in zwei statt wie vor vier Jahren in den fünf Thurgauer Bezirken tritt die Partei zu den Grossratswahlen an. Die Mission dabei ist klar: Verteidigung ihrer zwei letzten Mandate im Kantonsparlament.

Im Bezirk Weinfelden versucht Andreas Guhl aus Oppikon seinen Sitz zu halten, im Bezirk Frauenfeld will Roland A. Huber aus Frauenfeld die Wiederwahl schaffen.

«In den anderen Bezirken fehlt es an motivierten Mitgliedern»,

sagt Kantonalpräsident Jürg Schumacher. So verzichtet beispielsweise im Bezirk Kreuzlingen die KMU-Frauen-Präsidentin Karin Peter, obwohl sie im Herbst noch engagiert für einen Sitz im Nationalrat kandidierte.

Vor acht Jahren sah es für die BDP besser aus. Damals errang die Partei der damaligen Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf noch fünf Sitze im Thurgauer Grossen Rat. Vor vier Jahren bröckelte aber der Wähleranteil bereits entscheidend. Deshalb schafften Hanspeter Grunder (Fruthwilen) und Kolumban Helfenberger (Tuttwil) die Wiederwahl nicht mehr. Ausserdem wechselte der als BDP-Kantonsrat gewählte Romanshorner Alban Imeri im Oktober 2018 zur SP.

Es kandidieren mehr Frauen als vor vier Jahren

Am Montag endete für die Grossratswahlen vom 15.März die Eingabefrist. Für die Regierungsratswahlen können noch bis 20. Januar Kandidaturen eingereicht werden. Als nicht Bisheriger ist aktuell nur der Wahlvorschlag von Urs Martin (SVP) aus Romanshorn bekannt. Er will den Sitz seines Parteikollegen Jakob Stark verteidigen, der in den Ständerat gewählt wurde.

Gemäss Staatskanzlei kandidieren für die 130 Sitze im Thurgauer Grossen Rat 988 Personen (74 mehr als noch 2016). Von den bisherigen Kantonsrätinnen und Kantonsräten treten 118 zur Wiederwahl an. Vor vier Jahren waren es deren 114.

Für eine weitere Legislatur kandidiert etwa Polit-Urgestein Max Brunner (SVP, Weinfelden). Seit Sommer 1992 sitzt er im Grossen Rat und eröffnete bereits 2012 und 2016 als Alterspräsident die Legislatur, was jeweils dem amtsältesten Ratsmitglied zuteilwird. Der 68-jährige Brunner ist aber nicht der älteste Kandidat. Auf die grösste Lebenserfahrung kann der 77-jährige Meisterlandwirt Alfred Gerster-Guyer (EDU) aus Winden zurückblicken.

Seinem Namen alle Ehre macht Benjamin Zürcher (Junge EVP) aus Leimbach. Er ist der jüngste Kandidat. Doch der Jungpolitiker muss diesen Titel mit Ana Brändli (FDP), Schülerin aus Kreuzlingen teilen. Beide haben tatsächlich das selbe Geburtsdatum und werden erst noch 18 Jahre alt: Am 19. Februar 2020 knallen die Korken.

Generell gestiegen ist das Interesse bei den Frauen. Ihr Anteil entspricht für die kommenden Wahlen 36,7 Prozent. «Das bedeutet im Vergleich zu den Wahlen 2016 eine leichte Steigerung von 5,3 Prozent», schreibt die Staatskanzlei.

In den fünf Bezirken werden die 130 Sitze nach Einwohnerstärke verteilt: Der Bezirk Arbon hat Anrecht auf 27 Sitze, der Bezirk Frauenfeld auf 32, der Bezirk Kreuzlingen auf 23, der Bezirk Münchwilen auf 22 und der Bezirk Weinfelden auf 26.

Die Parteien haben die Möglichkeit, untereinander Listen- und allfällige Unterlistenverbindungen einzugehen. Dafür bleibt ihnen bis am 13. Januar Zeit.

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