Die alte Frauenfelder Kadaversammlung ist bald tot, die Stadt will deshalb eine energetische Vorzeigeanlage bauen

Die bestehende Anlage ist störungsanfällig. Die Kühlanlage hat eine Lebensdauer von noch maximal fünf Jahren. Für den Neubau beantragt der Stadtrat einen Bruttokredit in Höhe von 1,2 Millionen Franken.

Mathias Frei
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Eine Visualisierung des geplanten Neubaus neben dem Areal der Kläranlage auf der Grossen Allmend.

Eine Visualisierung des geplanten Neubaus neben dem Areal der Kläranlage auf der Grossen Allmend.

(Bild: PD)

Das hat keine Zukunft. Zwar verfügt die heutige Frauenfelder Kadaversammelstelle auf der Grossen Allmend noch über eine Betriebsbewilligung bis März 2027. Aber ob dann noch Tierkörper in der Anlage mit Baujahr 1976 entsorgt werden, ist fraglich. Denn der Zahn der Zeit nagt an Gebäude und vor allem Technik. Der Stadtrat beantragt deshalb dem Gemeinderat, für einen Neubau neben dem bisherigen Standort bei der Kläranlage einen Bruttokredit über 1,2 Millionen Franken.

Zuerst verscharrt, später verbrannt

Lange wurden in Frauenfeld Tierkadaver einfach an geeigneten Orten «verlocht». Später diente der Ofen des Gaswerks zur Verbrennung. Als man in den 1930er-Jahren auf Kleinkammeröfen umstellte, nahm man einen eigenen Ofen für die Kadaververbrennung in Betrieb. Dieser wurde 1960 ersetzt, konnte aber nicht genügen. Frauenfeld zeichnete 1969 Aktien der Tiermehlfabrik Bazenheid. Übergangsweise konnte man in Egnach verbrennen lassen, bis die Anlage in Bazenheid 1975 in Betrieb ging. Beim Gaswerk wurde eine provisorische Sammelstelle eingerichtet. Im Jahr 1976 kam es dann zum Bau der heutigen Tierkörpersammelstelle bei der Kläranlage. (ma)

Pro Jahr werden auf der heutigen Anlage, die an drei Tagen in der Woche offen ist, rund 130 Tonnen Kadaver entsorgt. Diese stammen nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus Gachnang, Felben-Wellhausen, Herdern, Hüttlingen, Hüttwilen, Matzingen, Müllheim, Neunforn, Stettfurt, Thundorf, Uesslingen, Warth-Weiningen und Eschenz. Es bestehen keine Abnahmeverträge mit den Gemeinden, und die Anlieferungen sind nicht zwingend. Die nächsten Sammelorte stehen in Pfyn und Diessenhofen. Der Betrieb generiert jährlich rund 500 Arbeitsstunden.

Nicht mehr zulässiges Kühlmittel im Einsatz

Bei seiner letzten Betriebskontrolle 2018 stellte das kantonale Veterinäramt mehrere Mängel fest. So wird unter anderem mit einem nicht mehr zulässigen Kühlmittel gearbeitet. Die Kühlanlage weist eine Lebensdauer von noch maximal fünf Jahren auf. So heisst es in der vorliegenden Botschaft:

«Es kann festgestellt werden, dass die bestehende Anlage nicht mehr den heutigen Vorschriften, Bedürfnissen und energetischen Anforderungen entspricht.»
Andreas Elliker, als Departementsvorsteher Bau und Verkehr zuständiger Stadtrat für die Botschaft.

Andreas Elliker, als Departementsvorsteher Bau und Verkehr zuständiger Stadtrat für die Botschaft.

(Bild: Andrea Stalder)

Das Betongebäude von 1976 sei abgeschrieben und weise «einen sehr hohen Sanierungsbedarf» auf. Das Flachdach sei schwach gedämmt und undicht. Bei einem Ausfall der Kälteanlage würden diverse baubegleitende Sanierungsmassnahmen notwendig, welche die hygienischen Abläufe nicht verbesserten. Der Stadtrat folgert: «Aufgrund dieser Ausgangslage ist eine Neukonzipierung/Neubau als sinnvollste Variante in Betracht gezogen worden.»

Die Gemeinde Neukirch-Egnach eröffnete 2017 eine neue Tierkörpersammelstelle. Diese diente bei der Planung in Frauenfeld als Referenzobjekt, sei aber bereits heute nicht mehr auf dem neusten Stand der Technik. Mit einem Neubau könnten die betrieblichen Abläufe vereinfacht und optimiert werden. Die gesetzlichen veterinärmedizinischen Vorschriften könnten vollumfänglich eingehalten werden. Energetisch werde ein Vorzeigeentsorgungsbetrieb gebaut. Die Heizwärme wird mittels Wärmepumpe in Kombination mit der innovativen Technik eines Eisspeichers bereit gestellt.

Neben der Kläranglage in der Grossen Allmend befindet sich die Tierkörpersammelstelle.

Neben der Kläranglage in der Grossen Allmend befindet sich die Tierkörpersammelstelle.

(Bild: Andrea Stalder)

Die Botschaft enthält keinen Zeitplan. Es wird bei 33 Jahren mit jährlichen Abschreibungen von 53'000 Franken gerechnet. Der Betrieb soll bei einem Aufwand von knapp 97'000 Franken pro Jahr einen Gewinn von 3300 Franken erwirtschaften. Dies aufgrund der Tatsache, dass die Gemeinden neu 80 Rappen (bisher 55 Rappen) pro Kilogramm Kadaver berappen müssen.