Thurgauer Komitee warnt vor verstärktem Einkaufstourismus bei Annahme der Agrarinitiativen

Das Nein-Komitee ruft dazu auf, Fair-Food-Initiative und Ernährungsinitiative zu verwerfen. Eine Annahme mache die Lebensmittel in der Schweiz teurer. Ein Gemüsebauer fürchtet, die Kontrollen seines Betriebs würden ins Unermessliche steigen.

Thomas Wunderlin
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Der Gemüsebauer Sepp Egger (3.v.l.) ist Gastgeber der Medienkonferenz des Nein-Komitees. (Bild: Reto Martin)

Der Gemüsebauer Sepp Egger (3.v.l.) ist Gastgeber der Medienkonferenz des Nein-Komitees. (Bild: Reto Martin)

Das Thema Einkaufstourismus zog sich als roter Faden durch die Stellungnahmen der fünf Mitglieder des Thurgauer Nein-Komitees, das am Mittwoch in Bürglen seine Argumente gegen die beiden Agrarinitiativen präsentierte. Er kämpfe seit Jahren gegen den Einkaufstourismus, sagte FDP-Nationalrat Hansjörg Brunner im Betriebsgebäude der Egger Gemüsebau AG. Die Initiativen brächten steigende Preise und sinkende Auswahl. «Wenn es dann am Samstag in Kreuzlingen noch mehr Verkehr gibt, hätte ich sogar Verständnis dafür.»

Die Thurgauer Lebensmittelproduzenten und der Thurgauer Detailhandel wären überproportional betroffen. Laut Brunner müsste ein «Bürokratiemonster» geschaffen werden: «Hinter jeder importierten Tomate müsste ein staatlicher Beamter stehen und prüfen, ob sie gemäss den Initiativen hergestellt wurde.»

Dem Nein-Komitee gehören Vertreter aller drei grossen bürgerlichen Thurgauer Parteien an; alle drei Parteien empfehlen am 23. September ein doppeltes Nein. Damit sich der Bio-Trend verstärke, brauche es keinen staatlichen Eingriff, sagte die Weinfelder SVP-Kantonsrätin Petra Kuhn. In keinem andern Land würden pro Kopf mehr Bio-Produkte verzehrt als in der Schweiz. Junge Familien mit kleinem Budget könnten sich aber nicht täglich Bio leisten. Dank der heutigen Angebotsvielfalt sei es möglich, dass sie sich dennoch gesund ernähren.

Als Bauer habe er ein gewisses Verständnis für die Agrar-Initiativen, sagte der Fischinger CVP-Kantonsrat Josef Gemperle. «Wer will schon nicht umweltfreundliche und fair hergestellte Lebensmittel? Und wer setzt sich nicht für das Tierwohl ein?» Doch eine Annahme wäre laut Gemperle ein Eigengoal der Bauern. Wenn nur noch ausländische Produkte mit gleichen Herstellungsbedingungen wie in der Schweiz importiert würden, führe dies dazu, dass die Schweizer Bauern ein wichtiges Differenzierungsmerkmal verlieren würden. Die Schweizer Bauern hätten aber viel höhere Fixkosten als die ausländische Konkurrenz.

Bio-Lebensmittel sind bereits viele auf dem Markt

Viele Ziele der beiden Agrar-Initiativen seien bereits letztes Jahr mit dem Gegenvorschlag zur Initiative für Ernährungssicherheit festgeschrieben worden, sagte der Egnacher SVP-Kantonsrat Egon Scherrer. Weiter gehende Verschärfungen seien weder umsetzbar noch volkswirtschaftlich sinnvoll. Er könne heute schon Lebensmittel kaufen, die als Suisse Garantie, Bio, Max Havelaar oder Demeter deklariert seien.

Die Behauptung sei falsch, dass die Initiativen kaum Auswirkungen im Inland hätten, sagte der Gastgeber Sepp Egger. Schon jetzt müsse er unzählige Proben auf Wirkstoffe nehmen und Regelungen und Vorschriften einhalten. Bei einer Annahme der Initiativen würde sein Aufwand «ins Unermessliche steigen». Den Auftrag, die Bevölkerung zu ernähren, könnten die Gemüsebauern dann nicht mehr erfüllen, sagte Egger. Nur von Bio-Produkten könne man die Schweiz nicht ernähren.

Unterstützung für Agrarinitiativen schrumpft

Wäre letzte Woche abgestimmt worden, hätten die beiden Agrarinitiativen «Für Ernährungssouveränität» und «Fair Food» zwar immer noch eine Mehrheit erreicht. Doch im Vergleich zur ersten Tamedia-Umfrage sank die Zustimmung in der Bevölkerung um fast 10 Prozentpunkte.