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Diana Gutjahr will wieder in den Nationalrat: «Ich sehe mich als Türöffnerin»


Serie «Ihre Wahl» (2/5): Die TZ trifft die Thurgauer Nationalräte an ihrem Lieblingsort: heute Diana Gutjahr (SVP).
Sebastian Keller
Diana Gutjahr in den Hallen der Ernst Fischer AG in Romanshorn. (Bild: Donato Caspari)

Diana Gutjahr in den Hallen der Ernst Fischer AG in Romanshorn. (Bild: Donato Caspari)

Man hat sie schon mehrmals gesehen, bevor man ihr überhaupt begegnet ist. Diana Gutjahr lacht vom Plakat am Strassenrand. Dasselbe Lachen der SVP-Nationalrätin ziert den Bus, der auf dem Parkplatz der Ernst Fischer AG im Industriegebiet Romanshorn steht.

Und schon im Foyer des Firmengebäudes ist es wieder. Gutjahr lacht von Flyern, Verpackungen von Öpfelringli und Schildern, die man sich – wie aus Hotels bekannt – an den Türgriff hängen kann.

Das Türschild steht sinnbildlich für ihr Verständnis von Politik. «Ich sehe mich als Türöffnerin», sagt die 35-Jährige. Diese Rolle spielt sie voll aus, seit ihr Hansjörg Walter im Herbst 2017 die Türe zum Bundeshaus geöffnet hatte – durch seinen Rücktritt während der Legislatur. Gutjahr rutschte nach. Am 27.  November 2017, einem Montag, wurde sie vereidigt.

Aus der SVP-Kantonsrätin wurde die SVP-Nationalrätin. Am 20. Oktober stellt sie sich der Wiederwahl. «Ich bin in Bern angekommen», sagt die 35-Jährige.

Gewählter Treffpunkt: Arbeitsplatz

Gutjahr sitzt aufrecht im Stuhl in einem Sitzungszimmer der Ernst Fischer AG. Draussen regnet es, drinnen lacht sie. Den Treffpunkt – ihren Arbeitsplatz – hat sie ausgewählt. «Ich bin nicht mehr so viel hier, wie ich gerne wäre», sagt sie. Die Hände unterstreichen, was sie sagt. Wenn sie von der ausufernden Bürokratie spricht, hält sie die Hand waagrecht 30 Zentimeter über die Tischplatte, um einen imaginären Papierstapel zu zeigen.

Diana Gutjahr am SVP-Frühlingsfest im Pentorama Amriswil. (Bild. Andrea Stalder)

Diana Gutjahr am SVP-Frühlingsfest im Pentorama Amriswil. (Bild. Andrea Stalder)

Lieber als Papiere durchzuackern, öffnet die Volksvertreterin Türen. So konnte sie einige Unternehmer mit der Thurgauer Regierung zusammenbringen. Oder einem Studenten Interviews zum Thema Energie mit fünf Nationalräten aller Couleur vermittelt. Auch bei Amtsstellen in Bern hat sie schon Kontakte für Bürgerinnen und Bürger hergestellt.

Doch auch im eigentlichen Ratsbetrieb ist Gutjahr aktiv. Sie wirkt in der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur mit. In den knapp zwei Jahren hat Gutjahr fünf Vorstösse und sieben Fragen an den Bundesrat eingereicht. Sie sagt:

«Ich greife erst zum Vorstoss, wenn ich anderweitig nicht vorwärtskomme.»

Zuerst suche sie den direkten Kontakt zu Vertretern von Departementen und Ämtern. Das Konzept der «kurzen Wege» beschreitet sie auch in Bern. Die Vorstösse hatten die Unfallversicherung Suva, deren Teilmonopol sie brechen will, zum Thema.

Oder die Berufsmeisterschaften SwissSkills, deren Austragung sie in die Ostschweiz holen will. Gemein ist allen, dass sie eine Schweissnaht zu Gutjahrs beruflicher Tätigkeit haben. Sie führt zusammen mit ihrem Mann Severin und Vater Roland das Metall- und Stahlbauunternehmen Ernst Fischer AG.

Im beruflichen Alltag sieht sie Probleme, analysiert sie, lässt sie sacken, greift sie wieder auf. Und wenn es um Probleme geht, die auch andere betreffen, schreibt sie als letztes Mittel einen Vorstoss. Sie erzählt von Bewerbungsgesprächen mit Lernenden, Kundengesprächen, Mitarbeitern mit Problemen. «Meine Themen hängen unmittelbar mit meiner Arbeit zusammen», sagt Gutjahr.

Schweiz habe unterdessen ein Berufsparlament

Eine Erfahrung, die aus ihrer Sicht vielen Politikern fehlt. «Es gibt zu viele Leute, die zu weit weg sind von der Praxis», sagt die SVP-Nationalrätin. Die Schweiz habe unterdessen «ein Berufsparlament». Mit Folgen für die Wirtschaft.

«Ich habe schon wieder eine Umfrage für irgendeine Statistik bekommen», sagt Diana Gutjahr und verdreht die Augen. Das Couvert hat die Türöffnerin noch gar nicht geöffnet. Sie weiss, was drinsteckt: Bürokratie.

Um die Bedürfnisse der Arbeitgeber besser bündeln zu können, hat Diana Gutjahr die parlamentarische Begleitgruppe Arbeitgeber ins Leben gerufen. Mitglied sind zwölf Volksvertreter mehrerer Parteien. «Wir wollen praktische Probleme von Unternehmen identifizieren und aufs politische Parkett bringen.» Sie hat gelernt:

«Probleme kann man – vor allem in der Politik – nicht alleine lösen.»

«Der Tisch wird geputzt», sagt Gutjahr und spricht damit den 20. Oktober an. Wahltag. Ihre Wiederwahl sieht sie nicht garantiert. Doch das Resultat vor vier Jahren dürfte ihr etwas ruhigeren Schlaf bescheren.

Diana Gutjahr am Who-is-who-Anlass 2018 im Trauben Weinfelden mit SVP-Regierungsrat Jakob Stark und alt SVP-Nationalrat Peter Spuhler. (Bild: Andrea Stalder)

Diana Gutjahr am Who-is-who-Anlass 2018 im Trauben Weinfelden mit SVP-Regierungsrat Jakob Stark und alt SVP-Nationalrat Peter Spuhler. (Bild: Andrea Stalder)

29'925 Stimmen bekam sie bei ihrer ersten Kandidatur – mehr holten im ganzen Thurgau nur die drei damaligen SVP-Nationalräte. Seither ist ihr Bekanntheitsgrad angestiegen. Ausruhen kommt für die sportliche Frau aber nicht in Frage. Sie betreibt seit Wochen einen aktiven Wahlkampf.

So tingelt sie mit SVP-Kandidat Stefan Mühlemann durch die Thurgauer Beizen, «Seemöwe» in Güttingen, «Heidelberg» in Aadorf, «Lamm» in Schlatt. Wahlkampf zwischen Bier und Salznüssli. Gutjahr ist auf Fotos mit Tee oder Cola Zero zu sehen.

«Diese Stammtische», sagt sie, «sind das allerbeste». Sie treffe auf Menschen, «die sich bei mir für meine Arbeit bedanken». Ihr geht es aber vor allem darum, zu erfahren, wo den Thurgauerinnen und Thurgauern der Schuh drückt. Und welche Türe sie in den nächsten vier Jahren öffnen könnte.

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