Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Deutsches Bauunternehmen mischt den Thurgauer Markt auf

Die Convia AG in Bürglen hat die Preise für Asphalt im Kanton Thurgau purzeln lassen. Die 2008 gegründete Tochterfirma der Tuttlinger Storz AG hat dieses Jahr 35 Prozent der grösseren Strassenbau-Aufträge des Kantons ergattert. Der Oberneunforner SVP-Kantonsrat Paul Koch macht sich mit dem Argument der Ökologie für die eingesessenen Strassenbauer stark.
Thomas Wunderlin
Die Convia AG saniert zur Zeit die General-Weber.Strasse in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Die Convia AG saniert zur Zeit die General-Weber.Strasse in Frauenfeld.
(Bild: Andrea Stalder)

Auf ihrer Website verleugnet die Convia Bau AG in Bürglen ihre deutsche Mutter. Umgekehrt macht die J. Friedrich Storz GmbH & Co. KG in Tuttlingen kein Geheimnis aus der Beziehung: Sie führt Bürglen als einen ihrer 13 Standorte auf, der einzige ausserhalb Baden-Württembergs. Die Diskretion der Convia dürfte mit den Klagen der Konkurrenz zu tun haben.

Nach deren Meinung profitiert Convia von den erleichterten Bedingungen, unter denen in Deutschland Asphalt hergestellt wird. Unter der Führung von Max Koller, einem ehemaligen Geschäftsführer der Frauenfelder Cellere AG, macht die Convia seit ihrer Gründung 2008 dem runden Dutzend eingesessener Thurgauer Strassenbauer das Leben schwer. Mittlerweile verfügt sie über Zweigniederlassungen in Frauenfeld, Kreuzlingen und Oberaach. Heute beschäftigt sie laut Koller über 50 Mitarbeiter.

Die Convia AG erhält 2018 neun Aufträge für ein Gesamtvolumen von 7,2 Millionen Franken

Der Kanton hat der Convia dieses Jahr neun Aufträge über 100000 Franken erteilt, die öffentlich ausgeschrieben werden müssen. Die Auftragssumme beträgt laut Andy Heller, Chef des Tiefbauamts, 7,2 Millionen Franken. Das entspricht 35 Prozent aller vom Kanton in diesem Bereich vergebenen Aufträge. Die letzten drei Jahre zusammengerechnet lag der Anteil der Convia bei 28 Prozent. Dazu kommt der Marktanteil bei Gemeindestrassen, wozu Heller keine Zahlen hat. Er weiss nur, dass die 80 Gemeinden etwa doppelt so viel für Strassenbau ausgeben wie der Kanton.

Für Strassenbauer ist der Preis entscheidend, für den sie sich Asphalt beschaffen können. Denn im Strassenbau entfallen etwa 80 Prozent der Kosten aufs Material. Die Storz-Mischanlage befindet sich in Welschingen zwischen Engen und Singen – 40 Kilometer von der Grenze bei Kreuzlingen entfernt, 20 Kilometer von Ramsen. Die andern Thurgauer Strassenbauer beziehen in der Regel den Asphalt von den Mischgutwerken in Weiningen und Bürglen, die ihnen gemeinsam gehören.

Sie wurden von der Baustoffe Holding Thur AG (BHT) geführt, bis diese letztes Jahr liquidiert wurde. Seither gehören sie zur Moag Baustoffe Holding AG mit Hauptsitz in Mörschwil. Die Moag beliefert den Thurgau je nach Distanz auch von Mörschwil und Uzwil aus.

Konkurrenz verhindert Preisabsprachen nach Unterengadiner Muster

Gemeinsame Mischgutwerke erleichtern es der Baubranche, Preisabsprachen zu treffen, sagte der abtretende Direktor der eidgenössischen Wettbewerbskommission, Rafael Corazza, gegenüber dieser Zeitung (Ausgabe vom 26. Juli). Im Thurgau wäre eine Preisabsprache nach Unterengadiner Muster dank der deutschen Konkurrenz schwierig.

Umstritten ist, wie gross der Preisunterschied zwischen deutschem und schweizerischem Asphalt ist. Ein BHT-Geschäftsführer bezifferte ihn 2013 gegenüber der «Thurgauer Zeitung» auf 40 Franken pro Tonne ab Werk. Der Unterschied ist markant, denn Asphalt kostet je nach Qualität zwischen 50 und 190 Franken pro Tonne. Laut einem Thurgauer Bauunternehmer ist der Preisunterschied inzwischen kleiner geworden.

Die Convia profitiere aber auch von tieferen deutschen Transportkosten. Irgendwann werde der Thurgau keine Kieswerke und Belagsanlagen mehr haben, «mit gütiger Mithilfe des Tiefbauamts», das nur auf den Preis schaue. Die Wertschöpfung im Thurgau zähle nichts. Besonders bitter sei, dass deutscher Asphalt auf der Strasse Herdern-Weckingen verwendet worden sei – 500 Meter vom Werk Weiningen entfernt.

Die Konkurrenz leidet

«Wir haben viel weniger Strassensanierungsaufträge, seit eine Firma auf dem Markt ist, die Asphalt ausschliesslich aus Deutschland bezieht», sagt auch Philipp Althaus, Regionalleiter Ostschweiz der Kibag. «An die grossen Asphaltlose kommen wir gar nicht mehr heran.» Im Unterschied zum Thurgau gebe es im Kanton Schaffhausen keine deutschen Importe. Schaffhausen teile die Aufträge in kleinere Lose auf, die im Einladungsverfahren vergeben werden könnten. Der Thurgau hingegen ziehe die Convia auch bei Einladungsverfahren bei, sagt Althaus: «Damit fördert das Tiefbauamt sogar den Belagsimport.»

Im Thurgau gälten nicht die gleichen Spielregeln bei der Asphaltproduktion wie in Süddeutschland; entweder müsse der Kanton diese Mehraufwendungen berücksichtigen oder die Auflagen an Deutschland angleichen. Nebst dem Preis gibt es laut Althaus bei einer öffentlichen Auflage noch andere wichtige Kriterien, die man berücksichtigen könnte: «Die Lastwagen aus Deutschland entrichten keine Strassenverkehrssteuer im Thurgau. Wir zahlen mit unsern Steuern die Strassen, welche unsere Mitbewerber mit deutschem Belag bauen.»

Regierungsrätin Haag sorgt für Verwunderung in der Branche

Der Vorstoss der Convia hat schon mehrfach zu Vorstössen im Kantonsparlament geführt. Zuletzt forderte der Oberneunforner SVP-Kantonsrat Paul Koch am 27. Juni das Baudepartement auf, nicht nur Baufirmen zu berücksichtigen, die deutschen Asphalt verwenden. Unterstützt wurde er vom Ermatinger Peter Dransfeld (SP, Ermatingen).

Deutscher Asphalt werde «sicher nicht unter den gleichen Bedingungen bezüglich Umweltauflagen» hergestellt, sagt Koch auf Anfrage. Auch der Transportweg sei zu berücksichtigen. Koch hofft, er werde mit seinem Vorstoss ebenso Erfolg haben wie im vergangenen Jahr, als er sich gegen die Verwendung chinesischer Steine eingesetzt habe. Die Antwort von CVP-Regierungsrätin Carmen Haag, die vom «Regionaljournal» verbreitet wurde, sorgte in der Branche für Köpfeschütteln.

Mittlerweile würden «fast alle Firmen ihren Asphalt aus Deutschland» importieren, sagte Haag im Grossen Rat. Es stelle sich auch die Frage nach der Zukunft des Weinfelder Mischwerks, ob dort investiert und die Recycling-Quote erhöht werden könne. Doch das Werk in Weinfelden ist schon Ende 2017 geschlossen worden, wie Moag-Geschäftsführer Markus Blum bestätigt.

Beim Mischgutwerk Bürglen werde der Verwaltungsrat noch dieses Jahr entscheiden, ob es 2019 stillgelegt werde. Eine Investition in ein neues Werk in Weinfelden stand 2016 zur Debatte, sagt ein Unternehmer. Doch die Erfolgsaussichten waren zu schlecht, das Einzugsgebiet im Osten des Kantons zu klein. Um das Werk weiterzuführen, hätte es Investitionen von 12 Millionen Franken gebraucht. Um es rentabel zu führen, wäre ein Mindestausstoss von 100000 Tonnen notwendig.

Und nur die Convia importiert Asphalt aus Deutschland. Die andern Thurgauer Strassenbauer haben diese Möglichkeit offenbar gar nicht: Storz beliefere sie nicht, sagt ein Betroffener. «Wir haben einmal angefragt», bestätigt Philipp Althaus, Regionalleiter Ostschweiz der Kibag, «aber wir haben keine Preise erhalten». Convia-Geschäftsführer Koller widerspricht: «Andere könnten auch bei Storz beziehen, sie haben noch nie angefragt.»

Kreuzlinger Bauunternehmer will nicht in die Klage einstimmen

Storz hat einen weiteren Kunden im Thurgau nebst der eigenen Tochterfirma: das Kreuzlinger Bauunternehmen Badertscher. Das hat aber seinen besonderen Grund. «Wir haben von Storz schon Asphalt bezogen, bevor die Convia in die Schweiz gekommen ist», sagt Verwaltungsratspräsident Marcel Badertscher. Zurzeit kaufe er nur beschränkt bei Storz, «denn es gibt Tage, an denen die Werke völlig ausgelastet sind». Dank der neuen Moag-Holding seien die Preise «gewaltig heruntergekommen». Thurgauer Asphalt sei nur noch «unwesentlich teurer» als deutscher. Er wisse aber nicht, sagt Badertscher, wie viel Convia für den Asphalt aus den eigenen Anlagen verrechnet werde.

Die Thurgauer Anlagen produzieren laut Badertscher zu wenig. Storz stelle in Welschlingen 120000 Tonnen Asphalt im Jahr her, im Thurgau hätten die drei nahe beieinanderliegenden Anlagen zusammen nur 100000 Tonnen produziert. Die höheren Lohnkosten würden kaum ins Gewicht fallen, da in einem Mischgut-Werk nur zwei, drei Leute beschäftigt seien. In die Klage über den deutschen Vorstoss in den Thurgau stimmt Badertscher nicht ein: «Wir suchen keine Ausreden für andere Versäumnisse. Die Firma Convia ist gut organisiert, es liegt nicht nur am Preis.»

Laut Moag-Geschäftsführer Markus Blum verwendet die Moag 50 bis 60 Prozent Recyclingmaterial, Storz nur 20 bis 30 Prozent. Blum zeigt sich überzeugt, dass es sowohl ökologisch wie auch preislich keinen Sinn ergebe, nach Singen zu fahren. Doch die Convia hole fast allen Asphalt dort, selbst für Baustellen im Oberthurgau. Der Thurgau gewichte Ökologie offenbar nicht hoch.

Für Ökologie fehlt ein einfacher Indikator

«Das stimmt», sagt der Chef des Tiefbauamts, Andy Heller. «Wie soll man sie denn bewerten? Ich habe noch keinen Indikator dafür gefunden, auch kein Bauunternehmer hat mir einen einfachen und praktikablen vorgeschlagen.» Für die ökologische Bewertung müsste man weitere Faktoren einbeziehen, etwa wohin der Aushub gebracht werde, wo das einzubauende Material herkommt und wie es produziert oder abgebaut werde. Der Kanton müsste bei jedem Objekt eine umfangreiche Ökobilanz verlangen, sagt Heller. Das würde einen Aufschrei der Anbieter auslösen, die sich gegen noch mehr Formalismus wehren würden. Die Frage sei auch, wie stark man den ökologischen Aspekt bei der Offertbewertung gewichten würde.

Die Unternehmer seien frei, woher sie den Asphalt beziehen. «Wir können ihnen nicht vorschreiben, keinen Asphalt aus Deutschland zu beziehen. Sie müssen einfach ein qualitativ einwandfreies Produkt liefern.» Ein bisschen Konkurrenz sei zudem gut, findet Heller. Wenn es nur noch die Moag gäbe, würde sie den Preis als Monopol diktieren. Heller bestätigt, dass der Preis bei standardisierten Produkten ein Hauptkriterium für die Auftragsvergabe ist. Wenn zwei Bewerber ähnliche Preise offerieren würden, entscheide das Qualitätskriterium über den Zuschlag. Das Tiefbauamt bewertet die Abwicklung früherer Aufträge mit Noten.

Praktisch alle Strassenbauaufträge werden innerhalb des Kantons vergeben, betont Heller. «Die Convia AG ist seit zehn Jahren im Thurgau, sie arbeitet hocheffizient.» Qualitativ sei sie eine der besten Firmen im Thurgau. Ein bisschen besser sei aktuell noch die Kibag. «Wenn sie preislich gleich sind, erhält die Kibag die Arbeit.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.