Deutsche und Schweizer Fischer vereint gegen Netzgehege: Mit 75 Booten und lauten Schiffshupen demonstrieren sie gegen geplante Aquakulturen im Bodensee

Grenzüberschreitend haben Fischer, Angler und Naturschützer gegen Netzgehege protestiert. Rund 75 Boote von Sport- und Berufsfischern haben sich zum lockeren Corso zwischen Seegarten vor Kreuzlingen und der Fahrradbrücke in Konstanz zusammengefunden.

Inka Grabowsky
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Alfredo Sanfilippo beim Schiffscorso am Samtag

Alfredo Sanfilippo beim Schiffscorso am Samtag

(Bild: Inka Grabowsky)

Sie kommen aus Romanshorn, Kreuzlingen und Konstanz. Der strömende Regen zu Beginn der Wasserdemo stört sie nicht.

«Wir sind ja Angler und nicht aus Pappe»

So tönt es von einem Boot. Die Demonstranten blasen immer wieder in ihre Signalhörner, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Alle fürchten die Errichtung von Netzgehegen im Bodensee. Seit 2017 verfolgt die Genossenschaft Regio Bodensee Fisch diesen Plan und hat vergangenes Jahr einen entsprechenden Antragsentwurf eingereicht.

Demnach sollten zwölf Quadratmeter grosse und dreissig Meter tiefe Käfige in ein Schutzgebiet im Überlinger See eingelassen werden, um dort mehrere hundert Tonnen Felchen pro Jahr zu mästen. Angedacht ist, die Netzgehege mit vorgezüchteten Sandfelchen zu besetzen. Sie leben normalerweise eher am Seegrund und verspeisen dort kleine Fische oder die ungeliebte Quagga-Muschel.

Alfredo SanfilippoPräsident der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Bodensee-Sportfischervereine.

Alfredo Sanfilippo
Präsident der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Bodensee-Sportfischervereine.

(Bild: Inka Grabowsky)
«Artgerecht wäre die Haltung also nicht.»

Das sagt Alfredo Sanfilippo, der Präsident der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Bodensee-Sportfischervereine. Dass gelegentlich einmal ein Zuchtfisch entwischen könnte, fürchten die Fischer nicht so sehr. «Die würden wohl nicht lange überleben. Sie kennen ja nicht einmal ihre Fressfeinde.»

Schlimmer aber sei, dass die Betreiber das Etikett «Bodenseefisch» kommerziell nutzen wollten, ohne sich um die Gesundheit des Sees zu kümmern.

«Wir fürchten die Übertragung von Krankheiten und eine Verschlechterung der Wasserqualität durch die industrielle Fütterung und die Exkremente.»

Die Berufsfischer haben noch eine zusätzliche Sorge. Billige Felchen aus der Mastanlage könnten ihre mageren Erträge aus dem Wildfang schmälern. «Dabei schmecken die Fische aus der Massentierhaltung bestimmt nicht so gut», meint Sanfilippo. «Man merkt doch, wie sich ein Fisch ernährt hat.»

Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
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Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.
Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.

Schiffscorso der Fischer vor Konstanz und Kreuzlingen.

(Bild: Inka Grabowsky)

Thomas Lang, Vizepräsident des Landesfischerei Verbands Baden Württemberg und dort zuständig für Gewässer- Natur- und Artenschutz, ist zuversichtlich, dass die Netzgehege nie genehmigt werden.

«Alle Fraktionen im Landtag und im Kreistag haben sich dagegen ausgesprochen.»

Er fürchte jedoch, dass die Genossenschafter ein Schlupfloch finden und eine Versuchsanlage errichten könnten. «Sie suchen eine billige Produktionsfläche, bei der sie sich anders als bei geschlossenen Becken an Land nicht um die Abwässer kümmern müssten. Und möglicherweise können sie dafür sogar Fördergelder der EU bekommen.»

Schiffskorso als Demonstration der Fischer gegen Netzgehege.

Schiffskorso als Demonstration der Fischer gegen Netzgehege.

(Bild: Donato Caspari)

Diese Büchse der Pandora dürfe nie geöffnet werden. «Deshalb sorgen wir dafür, dass das Thema wieder in die politische Diskussion kommt.» Alfredo Sanfilippo ergänzt:

«Wir haben nichts gegen Aquakulturen, aber sie gehörten nicht in den Bodensee. Das ist unser Trinkwasser.»

Die Demonstranten fordern schlicht die Einhaltung der bestehenden Richtlinie der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee. Die Mitstreiter aus Naturschutz-, Berufs- und Sportfischer-Verbänden appellieren an das zuständige Landratsamt keine Ausnahmegenehmigung zu erteilen – auch nicht für eine kleine Pilotanlage zu Forschungszwecken.