Deutsche Pflegerinnen und Ärzte sorgen für Thurgauer Patienten: Nein-Komitee betont Thurgauer Grenznähe

Das Thurgauer Komitee gegen die Kündigungsinitiative warnt vor einer Gefährdung von Industrie und Gewerbe.

Christof Lampart
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Vertreter von CVP, FDP, SP GLP und GP werben in Romanshorn für ein Nein zur SVP-Initiative.

Vertreter von CVP, FDP, SP GLP und GP werben in Romanshorn für ein Nein zur SVP-Initiative.

Christof Lampart

Das Komitee «Nein zur radikalen Kündigungsinitiative» hatte sich für den Kampagnenstart am Montagvormittag einen symbolträchtigen, internationalen Ort ausgesucht: den Romanshorner Fährhafen. Im SBS-Gebäude betonte CVP-Nationalrat Christian Lohr die Wichtigkeit eines Neins am 27. September bei der Abstimmung über die SVP-Begrenzungsinitiative – von den Gegnern Kündigungsinitiative genannt.

CVP-Nationalrat Christian Lohr.

CVP-Nationalrat Christian Lohr.

Reto Martin

«Wir sind als Grenzkanton neben den einheimischen auch auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen», sagte Lohr. «Ich komme aus der Region Kreuzlingen, die es gerade im qualitativ starken Gesundheitssektor zu schätzen weiss, dass Ärzte wie Pflegende aus der Nachbarschaft unser System verstärken.»

Laut Grünen-Nationalrat Kurt Egger hat Corona gezeigt, welche sozialen und wirtschaftlichen Folgen schon eine nicht selbst gewählte Abschottung von Europa für die Thurgauer haben könne. «Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist nicht selbstverständlich.»

Stark mit der EU-Wirtschaft verflochten

Der Parteipräsident der FDP Thurgau, Gabriel Macedo, verwies darauf, dass unser Wohlstand auf den guten Beziehungen zum Ausland fusse und der bilaterale Weg für eine «funktionierende Wirtschaft unverzichtbar» sei.

Ein Ja zur Kündigungsinitiative wäre für den Thurgau gravierend, denn «durch die Nähe zu Deutschland und Österreich ist die exportorientierte Thurgauer Wirtschaft stärker als andere Kantone mit dem europäischen Binnenmarkt verflochten».

Für den Präsidenten der GLP Thurgau, Robert Meyer, würde bei einem Ja die schweizerische Bildung und Forschung abgehängt. Bis jetzt habe die Schweiz Zugang zur EU-Spitzenforschung, was mit einem Ja zur Kündigungsinitiative vorbei wäre: «Wir verlören den Zugang zu attraktiven und milliardenschweren Projekten.»

Der Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes, Hansjörg Brunner, erklärte, dass die Schwierigkeiten, welche die Thurgauer KMU schon heute bei der Rekrutierung von Fachleuten hätten, mit dem Wegfall der Personenfreizügigkeit noch zunehmen würden:

Gewerbepräsident Hansjörg Brunner.

Gewerbepräsident Hansjörg Brunner.

ARchiv
«Niemand glaubt allen Ernstes, dass ein einzelner, kleiner KMU-Betrieb mit einem aufwendigen, bürokratisch gesteuerten Kontingentsystem rechtzeitig zur dringend benötigten Fachkraft kommt.»

Auch SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher sorgte sich bei einem Ja um die Wirtschaft: «Die flankierenden Massnahmen sind eng mit den Bilateralen I verknüpft. Fallen diese weg, so steigt sofort der Druck auf die Löhne. Sinken die Löhne im Baugewerbe, in der Gastronomie und im Dienstleistungsbereich, so kommt das ganze Lohngefüge ins Rutschen und andere Branchen folgen.»

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