Kolumne

Mosttröpfli: Des Thurgauers 
Spätfranzösisch

Nationalrat Hansjörg Brunner büffelt in seinen Ferien Französisch an der Atlantikküste. Es bleibt aber fraglich, ob Thurgauer die Welschen besser verstehen, wenn sie ihre Sprache sprechen.

Silvan Meile
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Silvan Meile, Redaktor Kanton Thurgau. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Silvan Meile, Redaktor Kanton Thurgau. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Generationen von Jugendlichen hat Anastasio Signorelli an der Sekundarschule Eschlikon die ersten Sätze Französisch eingetrichtert. Auch Hansjörg Brunner (52) ging dort zur Schule. Das ist aber eine Weile her. Heute ist Signorelli im Ruhestand und Brunner im Nationalrat.

Damals war noch keine Rede von Frühfranzösisch: Sekundarschule, ça suffit. Doch diese drei Jahre Fremdsprachenunterricht reichen eben nicht, um mit den Welschen in deren Sprache zu debattieren. Deshalb schreitet Brunner in seinen Ferien zur Tat.

«Ça y est», hat er sich gedacht und zu seiner Frau gesagt: «On y va!» Ab an den Atlantik. Französisch büffeln. Der Nationalrat verbringt seine Ferien in der französischen Hafenstadt La Rochelle. Dort drückt er für zwei Wochen die Schulbank, wie er auf einem Bild auf Instagram beweist.

Um 7 Uhr sei Tagwache, dann Unterricht. Wer die Französischsprechenden verstehen will, muss also früh aufstehen. Doch das birgt auch Gefahr. Bisher verstanden sich die Thurgauer und die Welschen eben deshalb gut, weil sie gegenseitig nicht verstanden, was die anderen sagen. Ein Thurgauer muss ja nur schon leer schlucken, wenn er etwas vom Röstigraben hört. Und das ist ja notabene nicht einmal ein Fremdwort.

Dennoch will der Hinterthurgauer mit seinem Spätfranzösisch nun die helvetische Sprachschallmauer durchbrechen. Seinen Erfolg kann Hansjörg Brunner noch mit der Ferienbräune im Gesicht vor der nächsten Legislatur beweisen. Denn die Thurgauer können für ihren Gastauftritt an der Fête des Vignerons sehr gut jemanden brauchen, der in Vevey nach dem Weg fragen kann.